Gütersloh Medienfabrik zählt nun zu den Großen

Gütersloher Werbeagentur hat ihren Umsatz binnen vier Jahren verdoppelt / Vor 25 Jahren gegründet

VON LUDGER OSTERKAMP
Stefan Postler (49) stieß 1996 zur Gruppe und lenkt heute ein Unternehmen mit 430 Beschäftigten. - © FOTOS: LUDGER OSTERKAMP
Stefan Postler (49) stieß 1996 zur Gruppe und lenkt heute ein Unternehmen mit 430 Beschäftigten. | © FOTOS: LUDGER OSTERKAMP

Gütersloh. Werbeagenturen müssen in Hamburg, Berlin oder Frankfurt sitzen? Nicht unbedingt. Gütersloh geht auch. Die Medienfabrik an der Carl-Bertelsmann-Straße hat sich im 25. Jahr ihres Bestehens nun erstmals unter Deutschlands größte inhabergeführte Medien- und Werbeagenturen eingereiht - ein Erfolg, der die Feier des Silberjubiläums doppelt schön macht.

Das Unternehmen, Tochter von Arvato, beschäftigt mittlerweile 430 Menschen; vor allem in den vergangenen vier Jahren stieg der Zahl der Projekte und der darüber beschäftigten Mitarbeiter rasant an.

Information

In Isselhorst angefangen

Keimzelle der Medienfabrik ist die P&P GmbH, 1988 von dem ehemaligen Zeitungsredakteur Heino Nollmann gegründet. P&P wickelte die gesamte interne und einen Teil der externen PR-Arbeit der Deutschen Post ab. Sie hatte ihren Sitz auf dem Hof Osthus in Isselhorst.

Ein weiteres Unternehmen, die Fractales GmbH, gegründet von Nollmann und dem Druckingenieur Bernd Vieregge, beschäftigte sich mit Multimedia-Anwendungen.

1990 gründeten Nollmann und Vieregge die TopPublishing GmbH, die Dienstleistungen rund um den Satz und die Litho anbot.

1995 folgte als viertes Unternehmen die Enternet GmbH, Dienstleister für das Internet.

Anfang 1998 zog die gesamte Nollmann-Gruppe in die umgebaute frühere Nudel- und Stärkefabrik Niemöller & Brockmann an die Carl-Bertelsmann-Straße um – die Medienfabrik entstand.

Der Umbau erfolgte unter der Ägide von Architekt Walter Hauer, der die beiden roten Ziegelsteinbauten mit einer gläsernen Brücke verband; im unteren Geschoss sitzt das "Medium", ein gehobenes Restaurant, das tagsüber als Kantine dient. (ost)

"Unser Umsatz hat sich von 2009 auf 2012 verdoppelt", sagt Geschäftsführer Stefan Postler. 2013 strebe man erneut ein zweistelliges Wachstum an. Als Grund für die rasante Expansion nennt Postler das Erschließen neuer Märkte, vor allem online. Der Umsatz im Jubiläumsjahr dürfte sich Schätzungen zufolge inzwischen bei knapp 80 Millionen Euro bewegen.

"Wir sind gleich mit großem Krawumm an die Sache rangegangen", sagt der 49-Jährige. Innerhalb kürzester Zeit habe sich die Medienfabrik gewandelt - von einer Firma vornehmlich für Unternehmenskommunikation hin zu einer integrierten Vollagentur. Damit einher ging ein Schwenk von Print- zu digitalen Produkten, wobei der Schwerpunkt freilich weiter auf Gedrucktem liegt; sei es ein kleiner Beipackzettel oder die Hochglanz-Kundenzeitschrift.

Fünf Standorte unterhält die Medienfabrik mittlerweile, Gütersloh, Bonn, München, Berlin und Leverkusen. Die letzten drei kamen erst in den vergangenen Jahren hinzu, teils in Folge von Übernahmen, teils, um näher an Großkunden zu sein.

Dass sich die Medienfabrik seit ihrer Gründung 1988 zu einem bedeutenden deutschen Player entwickelte, sei damals nicht abzusehen gewesen, sagt Postler. Mittlerweile übernehmen die Gütersloher für ihre Kunden das komplette Kommunikationspaket - Marketing, Beratung, Foto, Qualitätsmanagement, Markenpflege, Kampagnen, Corporate Publishing, Onlineauftritte, Broschüren, etc. "Das ist der Trend: Der Kunde sagt, was er braucht, wir sind in der Lage, alles zu liefern, egal was. Das ist das, was uns diesen enormen Schub gebracht hat."

Um alle Wünsche umsetzen zu können, vereint die Medienfabrik viele Professionen unter ihrem Dach. Arbeiteten dort früher hauptsächlich Redakteure, Grafiker und Fotografen, so sind es heute Programmierer, Screen Designer, Content Manager, Konzeptioner, Analytiker, PR-Strategen und Projektmanager.

Mit einigen ihrer Produkte wurden die Gütersloher recht bekannt: Das Gartenmagazin "Eden" etwa, ein Renommierprojekt, ging mit einer Startauflage von einer Million an den Markt und hielt sich eine Weile; eine gewaltige Größenordnung - Gesamtauflage 15 Millionen - erreichten auch die "Expo News" zur Weltausstellung 2000 in Hannover. Und dann gibt es noch den Dauerbrenner DSDS-Magazin: Im zehnten Jahr seines Bestehens verlässt es noch immer in einer Auflage von 200.000 die Rotation. Nicht zu vergessen die Medienpartnerschaft mit der FIFA: Alle offiziellen Produkte zur Fußball-WM 2006 und zur EM 2008 kamen aus Gütersloh.

Was heute hervorsticht? Etwa das wechselnd gestaltete Magazin für alle Mercedes-Niederlassungen oder die neue Gattung namens Magalog, eine Mischung aus Magazin und Katalog, die Kunden von Modegeschäften in die Tüten gesteckt wird. Eines der Modeunternehmen soll über sein Magalog in nur drei Tagen siebenstelligen Umsatz gemacht haben. Prämiert wurde auch das Webspecial zum 100-jährigen Bestehen von Claas: Die Medienfabrik erhielt den Deutschen Preis für Onlinekommunikation dafür.

Fünf Standorte

Die Medienfabrik GmbH ist eine Tochter von Arvato. 90 Prozent der Anteile hält Bertelsmann, 10 Prozent Geschäftsführer Stefan Postler.

Bertelsmann (Mohn Media) war 1997 eingestiegen; der Konzern übernahm 49 Prozent der Anteile. 2002 verkauften die Gründer ihre verbliebenen Anteilte, Mohn Media stockte auf.

Der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Postler stieß 1996 zur Gruppe. Postler, ein gelernter Zeitrungsredakteur, hatte zuvor die interne Kommunikation bei Bertelsmann geleitet.

Zur Geschäftsleitung der Medienfabrik gehören heute Ansgar Büngener, Thomas Göllner, Gero Hesse, Alexander Lange und Wibke Thies.

Von den 430 Mitarbeitern arbeiten 360 am Stammsitz und in der Region Gütersloh. In Bonn (seit 1998) arbeiten 30 Beschäftigte, in München (seit 2008) sieben, in Berlin (seit 2011) zehn, in Leverkusen (seit 2012) 25.

Der Umsatz liegt bei 80 Millionen Euro. 15 Prozent des Umsatzes schreibt die Medienfabrik mit Bertelsmann, fünf Prozent mit der Post. Weitere Großkunden sind Bayer, Claas, Daimler, Jugendherbergswerk, JAB Anstoetz, Schüco oder s.Oliver. (ost)

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