Das Stationsgebäude der TWE 1902. Der Schornstein über der Lok gehört zur Fleischwarenfabrik Gebr. Wulfhorst (heute Postgelände).
Das Stationsgebäude der TWE 1902. Der Schornstein über der Lok gehört zur Fleischwarenfabrik Gebr. Wulfhorst (heute Postgelände).

Gütersloh Altes Problem wieder aktuell

Einbindung der TWE-Züge in den Hautbahnhof / Der ehemalige Eisenbahner Rudolf Herrmann erinnert an frühere Pläne

Gütersloh (NW). Rudolf Herrmann, der seine Kenntnisse als ehemaliger Eisenbahner seit Jahren für die Erforschung der Gütersloher Eisenbahngeschichte einsetzt, verfolgt mit großem Interesse die Debatte über die geplante Reaktivierung des Personennahverkehrs auf der TWE-Strecke. Eine Rolle spielt dabei auch die Frage, wie sich Züge der Teutoburger Wald-Eisenbahn in den Hauptbahnhof einbinden lassen. Genau darum ging es schon einmal - vor 100 Jahren, wie Herrmann herausgefunden und in dem folgenden Bericht beschrieben hat.

Im Mai 1913 wurde in der Gütersloher Zeitung ein Plan über die Vergrößerung der Bahnanlagen veröffentlicht. Neben einer großen Erweiterung in der Länge und Breite war auch die Einführung der Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE) in den Staatsbahnhof unter gemeinsamer Benutzung des Empfangsgebäudes vorgesehen.

Information

Mit dem Schienenbus auf der TWE-Strecke zum Libori-Markt

Gütersloh (raho). Die Pläne für die Reaktivierung der TWE-Strecke für den Personennahverkehr bekommen Unterstützung der Osning-Bahn. Am Sonntag, 4. August, fährt ein Schienenbus des Haller Vereins vom Bahnhof Gütersloh-Nord nach Paderborn zum Libori-Markt. Abfahrt ist in Gütersloh um 11 Uhr. Der bewirtschaftete Zug hält auch in Spexard, Verl, Bornholte, Kaunitz und Hövelhof. Die Rückfahrt erfolgt um 17.45 Uhr. Die Tickets (Hin- und Rückfahrt) kosten für Erwachsene 18 Euro, Familien zahlen 38 Euro. Fahrscheine gibt’s im Zug oder unter www.osningbahn.de

Die TWE hatte ihren Betrieb am 1. November 1900 aufgenommen. Das erste Stationsgebäude befand sich dort, wo auf Bahnsteig 1 der Bahn AG bis zum März 2012 der Gepäckaufzug gestanden hat. Wo heute die ICE-Züge durchfahren, befanden sich die Bahnhofsgleise der TWE. Das Stationsgebäude der Staatsbahn stand in Höhe des heutigen Stohlmannplatzes.

Der Wagenaustausch zwischen dem Bahnhof Gütersloh-TWE und dem Staatsbahnhof Gütersloh der Königlich Preußischen Eisenbahn erfolgte bis zum Bau des neuen TWE-Bahnhofs 1925 über eine Weichenverbindung. Sie lag an der Ostseite der beiden nebeneinander und auf gleicher Höhe liegenden Bahnhöfe in Höhe der Zimmerei Westheermann (heute Firma Pannhorst am Ende der Straße Langer Weg). An der Stelle war auch der ehemalige beschrankte Bahnübergang Avenwedder Straße.

Die Einführung der TWE-Züge an den Bahnsteig der Staatsbahn wurde auf Einspruch der TWE nicht durchgeführt. Sie fuhr nur gemischte Züge mit Personen- und Güterwagen. Deshalb wäre es notwendig gewesen, diese Züge nach Ankunft am Bahnsteig zum Güterbahnhof der TWE zu fahren und auch wieder zurück. Dadurch wäre eine erhebliche Verteuerung des Betriebes herbeigeführt worden.

Weil die Reichsbahn die gesamten Anlagen der TWE für ihre Erweiterung in Richtung Stadt und Bielefeld benötigte, musste der TWE-Bahnhof mit der Gleisführung in Richtung Verl komplett auf Kosten der Reichsbahn verlegt werden.

Am 18. August 1925 wurde der neue TWE-Bahnhof am heutigen Platz eröffnet. Das neue Gleis Richtung Verl mit der Unterführung 450 m weiter Richtung Bielefeld anstatt der alten Überführung wurde am 12. September 1927 in Betrieb genommen.

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