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Gütersloh Dubai-Anleger gehen leer aus

Insolvenzverfahren für die Pleite-Fonds der ACI eingestellt / Gesamtschaden liegt bei 150 Millionen Euro

VON LUDGER OSTERKAMP
30.05.2013 | Stand 29.05.2013, 19:50 Uhr
Robin L. (38), ehemaliger ESG-Schüler und Broker. Gegen ihn und seinen Vater laufen Strafverfahren. Der ACI-Firmensitz soll mittlerweile von Gütersloh (Berliner Straße 7) nach Malta verlegt sein. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Robin L. (38), ehemaliger ESG-Schüler und Broker. Gegen ihn und seinen Vater laufen Strafverfahren. Der ACI-Firmensitz soll mittlerweile von Gütersloh (Berliner Straße 7) nach Malta verlegt sein. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Sie wollten mit Hochhäusern in Dubai Rendite scheffeln: Doch nun können die Anleger der Gütersloher Fondsgesellschaft Alternative Capital Invest (ACI) ihr Geld in den Wind schreiben. Der Grund: Die Insolvenzverfahren für alle vier Pleite-Fonds wurden mangels kostendeckender Masse eingestellt. "Da ist nichts mehr zu holen", sagte jetzt Insolvenzverwalter Dr. Norbert Westhoff.

Westhoff geht von knapp 5.000 Geschädigten aus. Sie waren bei ACI mit rund 80 Millionen Euro in vier Immobilienfonds eingestiegen - Geld, das nun für die meisten komplett futsch ist. ACI hatte die Anleger nicht nur mit zweistelligen Renditeversprechen, sondern auch mit prominenten Namen gelockt. So hatte es das Unternehmen verstanden, für weitere Fonds Boris Becker, Niki Lauda und Michael Schumacher als Namenspatronen zu gewinnen - für Wolkenkratzer, von denen bis heute kaum ein Stein steht.

In die Insolvenz gegangen waren die Fonds II bis V. Jeder circa 20 Millionen schwer, wollte ACI damit imposante Hochhäuser bauen. "Doch Tatsache ist, dass diesen Einlagen so gut wie keine Vermögenswerte gegenüberstehen", sagte Westhoff. Für die Fonds II und III gebe es "praktisch gar nichts", für IV und V nur vergleichswerte kleine Werte wie Grundstücke und angefangene Bauten - die aber wiederum stünden nicht im Eigentum der Fonds, sondern lägen bei einer Treuhandgesellschaft in Dubai, auf der andere Ansprüche lasteten. "Kurz: Für die Anleger in Deutschland bedeutet das, mit Rückzahlungen brauchen sie nicht zu rechnen."

Geschädigt seien auch etliche Käufer aus Dubai, die teils hohe Anzahlungen auf die in den Towern geplanten Wohnungen geleistet hätten. Westhoff geht von circa 70 Mio. Euro aus. Auch dieses Geld sei verloren. Der Gesamtschaden für die Fonds II bis V betrage somit 150 Millionen Euro. "Wo das Geld geblieben ist? Ich weiß es nicht."

Westhoff sagte, die Fonds seien sowohl in rechtlicher wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht äußerst komplex angelegt. Für Außenstehende sei es schwierig, die Konstrukte zu durchschauen, zumal sich ein wesentlicher Teil der geschäftlichen Tätigkeit in Dubai abspiele und es zwischen dem Emirat und der Bundesrepublik kein Rechtshilfeabkommen gebe. Letzteres mache es auch der hiesigen Staatsanwaltschaft so schwer. Wie berichet, ermitteln die Strafverfolger gegen die ACI-Unternehmer Robin L. und dessen Vater Hanns-Uwe L. wegen Kapitalanlagebetruges und Untreue in besonders schweren Fällen (siehe Extra-Text). Angeklagt ist auch der Gütersloher Anwalt M., dem vorgeworfen wird, er habe als Treuhänder seine Kontrollaufgaben vernachlässigt.

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