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Gütersloh

Kneipenlärm entnervt Nachbarn

Kellerbar an der Kökerstraße seit Jahren ein Problem

23.05.2013 | Stand 21.05.2013, 20:12 Uhr
Zwischen den Schaufenstern geht es hinab in die Cocktailbar. - © FOTO: R. VORNBÄUMEN
Zwischen den Schaufenstern geht es hinab in die Cocktailbar. | © FOTO: R. VORNBÄUMEN

Gütersloh (raho). Pfingsten verlief für die Anwohner der Kökerstraße erstaunlich ruhig. Das lag nicht nur daran, dass der Weinmarkt vom Kolbeplatz zur Stadthalle umgezogen war. Vor allem ging von der Cocktail-Kellerbar Salsa Caribeña erheblich weniger Lärm aus als sonst am Wochenende. "Die Zustände sind wirklich unerträglich", sagt ein Nachbar, "das grenzt schon an Terror".

Aufgrund der Lärmbelästigungen seien er und seine Ehefrau ständig gezwungen, nachts vom Schlafzimmer, das auf die Kökerstraße hinausgeht, ins Wohnzimmer auf der Rückseite des Gebäudes umzuziehen. Erst am Wochenende zuvor sei es wieder so weit gewesen. Draußen auf der Straße habe es unter den Gästen Schlägereien gegeben. Die Polizei, die mit drei Streifenwagen ausrückte, habe eingreifen müssen.

Auch davor sei der Krach an den Wochenenden teilweise extrem gewesen, berichtet der Mieter. Aufheulende Motoren, Türenschlagen und voll aufgedrehte Musikanlagen in den Fahrzeugen der Kneipenbesucher sorgten für einen Geräuschpegel, der Nachtruhe unmöglich mache. "Das geht mitunter bis drei, vier Uhr morgens, manchmal sogar über die Sperrstunde um 5 Uhr hinaus." Sogar an Karfreitag habe es erhebliche Ruhestörungen gegeben. "Uns ist klar, dass wir in der Innenstadt wohnen und es da schon mal lauter werden kann. Aber derartige Zustände sind nicht zumutbar."

Das sieht Rechtsanwalt Jörg Balk, der einen Hauseigentümer vertritt, genauso. "Was da abläuft, ist schlicht inakzeptabel."

Auch Hotelier Wolfgang Mainardy äußert sich unzufrieden über die Situation neben dem Center-Hotel. Seine Bemühungen, den Gästen einen schönen Aufenthalt zu bieten, würden gefährdet. Selbst in Großstädten, so hätten ihm Gäste berichtet, werde rigoroser durchgegriffen. Das Problem mit der Kellerkneipe bestehe schon seit Jahre, doch leider sei trotz mehrerer Gespräche mit der Hausverwaltung und den Eigentümer bis heute keine einvernehmliche Lösung zustande gekommen. Immerhin beschränkten sich die Belästigungen auf das Wochenende.

Die Stadt hat inzwischen auf die jüngsten Beschwerden reagiert und ein Schreiben an den Wirt auf den Weg gebraucht. Darin seien der Sachverhalt dargelegt und mögliche Auflagen geschildert worden, so Ordnungsamtschef Thomas Habig. Solange die zweiwöchige Anhörungsfrist laufe, könne er sich zu dem konkreten Fall nicht weiter äußern.

Grundsätzlich jedoch stehen den Behörden laut Habig mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um den gesetzlich verankerten Schutz der Nachtruhe zu gewährleisten. Beispielsweise könne die Abstellung von Aufsichtspersonal zur Auflage gemacht werden. Daneben sei die Verlegung der Raucherbereiche zu erwägen oder eine Kneipe müsse abends eher schließen. Aufgrund des frisch eingeführten totalen Rauchverbots ist Gaststätten geht Habig davon aus, dass die Nachbarschaftsbeschwerden zunehmen. Einen ersten Trend gebe es bereits.

Der Betreiber der Kellerbar war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Nach Aussage von Fachanwältin Silvia Welscher, die die Hauseigentümer vertritt, "werden wir dem Ganzen nicht tatenlos zusehen".

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