Gütersloh. Der lange Arm der Energiekonzerne reicht künftig bis in die deutschen Küchen. Per Chip in den Haushaltsgeräten wollen die Stromriesen Kühlschränke, Durchlauferhitzer oder Klimaanlagen herunterregeln. Eingreifen wollen die Konzerne immer dann, wenn durch eine Überlastung des Stromnetzes ein Blackout, also ein großflächiger Totalausfall der Stromversorgung, droht. Die Hersteller von Haushaltsgeräten laufen Sturm gegen die Pläne.
Aufgeregt sind die Hersteller auch, weil sie den Energiekonzernen unterstellen, keineswegs nur am Temperaturregler drehen zu wollen, sondern die Geräte aus der Ferne gleich ganz abstellen zu wollen. "Das ist ein Eingriff in die Selbstbestimmung des Verbrauchers", kritisiert Fridolin Weindl, Sprecher des Haushaltsgeräteherstellers Bosch. Darin ist er sich einig mit dem heimischen Produzenten Miele. "Gegen die Pläne werden wir angehen", versichert Sprecherin Reinhild Portmann. Miele und Bosch sind Mitglieder im Branchenverband CECED, der den Widerstand organisiert.
Drosselung
- Energieintensive Unternehmen werden bessergestellt als private Stromabnehmer, wenn sie ihren Stromverbrauch reduzieren.
- Wenn sie die Produktion kurzfristig drosseln, um die Stromversorgung nicht in die Nähe eines Blackouts zu bringen, bekommen sie eine Entschädigung, die per Netzentgelt auf die Allgemeinheit umgelegt wird.
Weindls Kritik entzündet sich auch daran, dass der Verbraucher die Kosten für die technische Aufrüstung der Geräte tragen soll. Bis zu 50 Euro werde die Ausrüstung kosten, meint Weindl. Diese Schätzung sei viel zu hoch gegriffen, meint dagegen Gerald Kaendler vom Verband Entso-e, dem Verband europäischer Übertragungsnetzbetreiber. "Die Kosten liegen im einstelligen Euro-Bereich." Es gehe lediglich darum, Neugeräte mit einem Chip auszurüsten, der ins Übertragungsnetz "hineinhorcht". Rutsche die Frequenz unter oder über eine festgelegte Schwelle der für eine sichere Stromversorgung nötigen 50 Hertz, würde der Kühlschrank von sich aus das Kühlziel um rund ein Grad anheben. "Kein zentrales Eingreifen des Stromversorgers", stellt Kaendler klar, "es geht nicht um eine Fernbedienung." Der Kunde merke nichts davon, dafür sei der Eingriff ein "signifikanter Beitrag zur Systemsicherheit".
Das genau bezweifelt der Herstellerverband. Denn moderne Kühlschränke der Effizienzklasse AAA+ verbrauchten heute 75 Prozent weniger Energie als noch vor 15 Jahren, sagt Weindl. Der Auftrag seiner Branche sei "die sichere Kühlung von Lebensmitteln". Würden Geräte zentral abgeschaltet, müsste Technik – ein Puffer – vorgehalten werden, damit Kühlketten nicht unterbrochen würden. Hier gebe es zwar erste Überlegungen, die seien allerdings noch nicht ausgereift, sagt Weindl. Auch dies seien Kosten, die letztendlich der Verbraucher tragen müsse.