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Kreis Gütersloh/Bielefeld Im Streit auf Kollegen eingestochen

Sechs Jahre und neun Monate Haft für Täter

VON NILS MIDDELHAUVE
09.02.2013

Kreis Gütersloh/Bielefeld. "Was Sie da gemacht haben, war hochgefährlich", wandte sich die Vorsitzende Richterin Jutta Albert in der Urteilsbegründung an den Angeklagten. Der 41-jährige Raivis G. aus Herzebrock-Clarholz hatte im vergangenen Jahr nach einem Streit einem Arbeitskollegen mit einem so genannten Auslösemesser lebensgefährliche Verletzungen zugefügt. Das Bielefelder Landgericht verurteilte G. gestern wegen versuchten Totschlags zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren und neun Monaten.

Am 17. Juni 2012 hielt sich G. in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit zwei Arbeitskollegen in der Gemeinschaftsküche der Arbeiterunterkunft an der Quenhorner Straße in Herzebrock-Clarholz auf. Irgendwann geriet der Angeklagte mit dem 25-jährigen S. in eine zunächst verbale, schließlich auch handgreifliche Auseinandersetzung. Der dritte in der Küche anwesende Mann trennte die beiden reichlich alkoholisierten Kontrahenten. Für S. schien die Angelegenheit damit auch erledigt zu sein. Doch während er sich auf einen Stuhl zubewegte, um sich zu setzen, zog G. aus einer Schublade ein spitz zulaufendes Auslösemesser mit einer Klingenlänge von 21 Zentimetern. Ohne ein weiteres Wort zu sprechen stach er zwei Mal in den Oberkörper seines Kollegen.

G. setzte sich im Anschluss auf einen Stuhl und drehte sich eine Zigarette. Als der erschrockene Zeuge des Vorfalls den Täter bat, ihm doch bei der Versorgung des Verletzten zu helfen, antwortete G., er werde sich jetzt eine Zigarette drehen, da er nun ins Gefängnis müsse. S. hatte durch die Messerstiche lebensbedrohliche Verletzungen des Dickdarms und des Zwerchfells erlitten. Er wurde durch eine Notoperation gerettet, G. um 4.25 Uhr festgenommen.

In der Verhandlung hatte G. angegeben, in Notwehr gehandelt zu haben. S. habe ihn von hinten gewürgt, so dass er aus einer Schublade ein Messer gezogen und wahllos nach hinten gestochen habe. Richterin Albert kritisierte die Praxis des fleischverarbeitenden Unternehmens, das die beiden Männer beschäftigt hatte, die hochgefährlichen Messer am Monatsende den Angestellten in den Unterkünften auszuhändigen. Dies sei nun in kurzer Zeit der zweite ähnlich gelagerte Vorfall gewesen. Im vergangenen Jahr hatte in Rheda-Wiedenbrück eine Arbeiterin ihren Lebensgefährten mit einem Auslösemesser getötet.

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