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Gütersloh

Ovationen für die Kult-Band

smALL Stars überzeugen in der Silvesternacht

VON ROLF BIRKHOLZ
02.01.2013 | Stand 01.01.2013, 20:59 Uhr
Sänger und Gittarist Mickey Meinert wurde frenetisch gefeiert. - © FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN
Sänger und Gittarist Mickey Meinert wurde frenetisch gefeiert. | © FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Die Gütersloher smALL Stars müssen ja doch stark verunsichert gewesen sein. Jetzt wollten sie ihr Verhältnis zum Publikum und zugleich ihr Programm auffrischen. Zum Abschluss ihrer fünfteiligen "Wir sind hier, weil ihr da seid!"-Konzertfolge in der Weberei, traten die Herren pseudoseriös in hellgrauen Anzügen, weißen Hemden und schwarzen Krawatten auf. Und Gerry Spooner suchte die Leute im Saal im Stil einer populistischen Wahlkampfrede neu auf die Jahresendband einzuschwören. "Ihr arbeitet hart, wir spielen hart!" Und das taten sie dann auch. Na also.

Und wie sie Stück um Stück ihre feine Garderobe wieder gegen ihre üblichen Klamotten eintauschten, musizierten sie sich mit Leichtigkeit in die Herzen der Fans zurück. Dies mit einer Mischung aus bewährten Sachen - "Dave" muss einfach wieder "on the road" sein, "Child" unbedingt "in time", "Radar Love" geht immer, "A Whiter Shade of Pale", natürlich - und erstmals gespielten Stücken, dabei etwa schon das "Police"-Zeitalter streifend, erfreuten die Stars und ihre Gäste die Besucher.

In einer masochistischen Anwandlung hatten sich die smALL Stars sogar extra besonders kritische Zuhörer eingeladen. Statt dem bisher üblichen Kühlschrank auf der Bühne war nun seitlich im Saal eine plüschige, rote Loge installiert. Von dort kommentierten die Griesgrame Waldorf und Statler, die man mit Mühe aus der Muppet Show hatte loseisen können, ätzend das Geschehen. "Es gab Teile von der Gitarre, die mir gefallen haben", wurde befunden. Oder gefragt: "Warum lässt man nicht ausschließlich Gäste auftreten in dieser Show?"

Richtig daran war nur, dass die Band um Spooner, Mickey Meinert, Achim Meier, Fred Brachmann und Co. eben auch stark von ihren wechselnden Mitspielern profitiert: wenn Richie Arndt seine Gitarre singen lässt, wenn Arndts und Meinerts Instrumente halb einander duellieren, halb animieren, der neue Drummer Zacky Tsoukas in einem Solo das Publikum aus dem Häuschen trommelt, wenn Phil Shackleton mit der akustischen Gitarre "Mrs Robinson" belebt. Oder wenn Roland Schal mit dem Saxophon das Finale von "Whish You Were Here" einbläst und dann bei "Baker Street" agiert, als hätte er nicht Jahrzehnte auf seiner Les Paul gezaubert.

Da ging das Genörgel von Waldorf und Statler - hinter deren Masken sich Frank Salomon-Neumann vom Theateratelier der Weberei und Mark Tecklenborg von WohnzimmerSoul verbargen - immer mehr ins Leere, obgleich auf unterhaltsame Art. Statler kam auch selbst auf die Bühne, um zur Klampfe seinen Geschmack zu demonstrieren: "Tränen lügen nicht." Aber sie flossen eben nicht an diesem Abend, an dem auch des unlängst verstorbenen Mitspielers Jerry Hovell gedacht wurde. In dieser Nacht ins Jahr 2013, als die Gütersloher smALL Stars ihre alte Popularität eindrucksvoll festigten, indem sie einfach ihre Blues-Rock-Folk-Pop-Reggae-Maschine laufen ließen und demonstrierten, dass die Post nur elektrifiziert und mit vereinten Kräften richtig abgeht. Hart spielen, hart hören.

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