Sebastian Maier (l.) lieferte den Beat. Die Jugendlichen Jana Stumpe, Jennifer Brand, Tobias More, Marina Herrmann, Johanna Büser, Niklas Stumpe und Jil Westerbarkei (v.l.) schrieben den Text und drehten ein Musikvideo.
Sebastian Maier (l.) lieferte den Beat. Die Jugendlichen Jana Stumpe, Jennifer Brand, Tobias More, Marina Herrmann, Johanna Büser, Niklas Stumpe und Jil Westerbarkei (v.l.) schrieben den Text und drehten ein Musikvideo.

Gütersloh Schnelle Beats gegen Alkohol

Jugendliche drehen Musikvideo über Alkoholmissbrauch

VON ELENA ERBRICH
05.12.2012 | Stand 04.12.2012, 19:16 Uhr

Gütersloh. Sie ist ein Mauerblümchen, er ein Macho. Wenn sie zu viel Alkohol trinkt, dann tanzt sie auf den Tischen und lässt die Hüllen fallen. Und er wird zum Schläger. So sehen die beiden Charaktere aus, die neun Jugendliche in einem Video-Kreativworkshop in Avenwedde entwickelt haben. In einem Song erzählen sie die Geschichte der beiden Figuren - und in dem Musikvideo zum Song zeigen sie deren Absturz.

Information

ginko-Stiftung für Prävention


Die Stiftung wurde 1979 als Gesprächs-, Informations- und Kontaktzentrum gegründet.

1983 wurde sie erweitert zur Koordinierungsstelle für suchtvorbeugende Maßnahmen in NRW.

Heute arbeitet ginko als Stiftung für Prävention.

Die Mitarbeiter unterstützen Kinder und Jugendliche in problematischen Lebenssituationen. Sie helfen bei Schwierigkeiten und Konflikten und tragen dazu bei, die Entwicklung von Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen zu verhindern.

Ein Team von Fachkräften setzt zahlreiche Präventionsprojekte sowohl im kommunalen Bereich als auch auf Landesebene um und berät Fachkräfte und Betroffene. (eler)

"Sie trinkt einen, und er trinkt zwei, und beim dritten ist es schon vorbei. Sie tanzt auf Tischen und er muckt auf. Sie lässt die Hüllen fallen und er haut gern drauf." Der Beat lässt den Zuhörer mitwippen, doch der Text lässt aufhorchen. Die neun Jugendliche, die ihn singen, haben etwas zu sagen: Wer zu viel trinkt, macht eine Wesensveränderung durch. Im Jugendhaus Don Bosco arbeiteten die Workshop-Teilnehmer drei Tage lang an einem Song und einem Musikvideo. Unterstützt wurden sie dabei von Jugendhausleiter Lars Walz, Lars Riemeier von der Caritas und Musikproduzent Sebastian Maier.

"In dem Song und dem Musikvideo reflektieren die Jugendlichen ihren Umgang mit Alkohol und erzählen, welche Erfahrungen sie selbst oder Freunde gemacht haben", sagt Lars Walz. Im ersten Teil des Workshops erfuhren die Teilnehmer unter anderem mit einer Rauschbrillen, was Alkoholmissbrauch anrichten kann. Im zweiten Teil schrieben sie dann zusammen einen Songtext. Die Musik dafür lieferte Musikproduzent Sebastian Maier aus Herne. Anschließend drehten sie dann das Musikvideo zum Song. "Anfangs war es schwer, den Text zu schreiben. Wir wollten beide Geschlechter ansprechen. Deshalb haben wir uns für eine weibliche und eine männliche Hauptfigur entschieden", sagt der 22-jährige Tobias More. "Der Song wirkt authentisch, weil er auf eigene Erfahrungen basiert. Wir haben verarbeitet, was uns oder unseren Freunden passiert ist", sagt die 16-jährige Johanna Büser.

Das Mauerblümchen, gespielt von Jennifer Brand (3.v.r.), tanzt auf den Tischen. Die anderen Partygäste filmen das mit ihren Handys. Auch den Macho, gespielt von Tobias More (2.v.r.), verändert der Alkohol. - © FOTO: ELENA ERBRICH
Das Mauerblümchen, gespielt von Jennifer Brand (3.v.r.), tanzt auf den Tischen. Die anderen Partygäste filmen das mit ihren Handys. Auch den Macho, gespielt von Tobias More (2.v.r.), verändert der Alkohol. | © FOTO: ELENA ERBRICH

Im Video stellen die neun Jugendlichen im Alter von 13 bis 22 Jahren ihre Geschichte dar: Das sonst introvertierte Mädchen, gespielt von Jennifer Brand, tanzt nach hohem Alkoholkonsum auf einer Party auf den Tischen. Die anderen Partygäste filmen das und stellen es ins Internet. Aus dem coolen Macho, gespielt von Tobias More, wird ein Schläger, der sich auf der Party prügelt. Er landet bei der Polizei.

Das Musikvideo soll im Internet auf YouTube veröffentlicht werden sowie auf der Internetseite des Musikproduzenten und der ginko-Stiftung für Prävention. "Das ist Präventionsarbeit für Jugendliche von Jugendlichen. Es hat eine große Wirkung, wenn sich Gleichaltrige gegen übermäßigen Alkoholkonsum aussprechen", sagt Lars Riemeier.

"Alkohol ist die Gesellschaftsdroge Nummer eins - auch unter Jugendlichen. Wer als Junge keine halbe Flasche Wodka trinken kann, wird von Gleichaltrigen nicht ernstgenommen", sagt Lars Riemeier. In Gütersloh gab es im Jahr 2000 34 Jugendliche mit Alkoholvergiftung. 2010 waren es 134. "Wir wollen den Jugendlichen nicht mit erhobenem Zeigefinger entgegentreten, sondern sie auf kreative Weise an das Thema heranführen - so wie bei diesem Workshop."

Bei dem Video-Kreativworkshop handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen der Caritas und dem Jugendhaus Don Bosco. Es wurde vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert und steht unter der Landeskampagne "Sucht hat immer eine Geschichte".

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