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Gütersloh Raucher müssen vor die Tür

Das komplette Qualmverbot und was die Gütersloher Gastwirte davon halten

VON HOLGER KOSBAB VON HOLGER KOSBAB
05.12.2012 | Stand 04.12.2012, 20:07 Uhr
Ab Mai dürften sich rauchende Gäste vor der Alten Heuwaage, bisher ein Raucherclub, sammeln.2> - © FOTO: HOLGER KOSBAB
Ab Mai dürften sich rauchende Gäste vor der Alten Heuwaage, bisher ein Raucherclub, sammeln.2> | © FOTO: HOLGER KOSBAB

Gütersloh. Die Zigarette zum Feierabend- oder Frühschoppen-Pils wird ab dem 1. Mai 2013 Geschichte sein. Seit klar ist, dass ab dann in nordrhein-westfälischen Kneipen und Gaststätten Rauchen komplett verboten sein wird, qualmt dabei so manchem Gütersloher Wirt der Kopf. Obwohl nun wieder alle Gaststätten die gleichen Voraussetzungen haben, befürchten einige Gastronomen sinkende Besucherzahlen.

Wie in der NW berichtet, hatte die rot-grüne Landesregierung am vergangenen Donnerstag den Nichtraucherschutz ausgedehnt und sämtliche Ausnahmeregelungen gestrichen: Damit darf auch in kleinen Eckkneipen und abgetrennten Raucherräumen nicht mehr gequalmt werden, ebenso erlischt die Möglichkeit, das Verbot als Raucherclub zu umgehen.

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14 bis 20 Verstöße im Jahr

Während das absolute Rauchverbot den Blick der Kneipiers durchaus vernebelt, so erleichtert es die Arbeit des Gütersloher Ordnungsamtschefs Thomas Habig. Durch den Wegfall der Ausnahmen können seine Mitarbeiter einfacher kontrollieren. Und er wisse von vielen Gastwirten, "dass sie für eine einheitliche Regelung dankbar sind".

Da die Regelung auch für Festzelte gelte, wird Habig vor Beginn der Festsaison noch einmal alle Vereine informieren, "so dass niemand böse überrascht wird". Weil es dann jeder wissen müsse, würde er es auch nicht bei einer Abmahnung belassen, sondern Bußgelder aussprechen. Bis zum Höchstsatz von 2.500 Euro könne die Stadt die Geldstrafe selbst festsetzen.

Da bei Privatfeiern in Gaststätten und Kneipen weiterhin geraucht werden dürfe, habe die Stadt ein Auge auf Lokale, bei denen vermehrt ein entsprechendes Schild auftauche. Schon für öffentliche Vereinsfeiern etwa während der Karnevalszeit gelte das Rauchverbot. Habig ist sich dabei sicher, dass die Gastwirte in Zukunft selbst ganz genau hinschauten, was die Konkurrenz mache: "Nicht, dass sich jemand einen Wettbewerbsvorteil verschafft, weil bei ihm doch geraucht werden darf."

Insgesamt überprüft der städtische Fachbereich Ordnung 170 bis 200 Betreiber von Imbissbuden, Gaststätten sowie auch Spielhallen, für die das Rauchverbot ebenfalls gilt. In den Vergangenheit gab es in Gütersloh jährlich 15 bis 20 Verstöße. (hko)

Noch vor vier Monaten hatte Eckhard Fischer-Fürstenau, Eigentümer der Alten Heuwaage, gesagt, er glaube ohnehin nicht, dass die rot-grüne Koalition in Düsseldorf das Gesetz durchbringe. Um seinen Gästen die Zigarette weiter zu ermöglichen, macht er sich bereits seine Gedanken. "Ich lasse mir etwas einfallen, aber das muss ich erst noch einmal mit meinem Anwalt besprechen", sagte Fischer-Fürstenau. Möglicherweise könne er seine Kneipe als Museum deklarieren, so dass eine andere gesetzliche Grundlage gelten könnte. Bisher hängt hier ein Schild Raucherclub an der Tür, auf der Mitgliederliste stehen mehr als 1.000 Namen.

Auch Blue-Fox-Gastwirtin Mechthild Unkrüer kann das totale Qualmverbot nicht begrüßen. "Ich denke schon, dass es zu Beginn Einbußen geben wird. Einige Leute kommen dann nicht mehr." Zugleich sieht sie die Chance, dass sich nun alle daran halten werden. Jedoch könne es auch dazu führen, dass die Gastwirte nun ein kritisches Auge aufeinander hätten, damit niemand das Gesetz umschifft. Echt gekniffen seien ihre Kollegen, die zuvor umfangreich in Raucherräume investiert hätten.

Gar nicht erst umgebaut, obwohl es räumlich möglich gewesen wäre, hat Bremer-Schlüssel-Wirt Hans Westerfeld: "96 Prozent meiner Gäste sind Nichtraucher, da war das gar nicht nötig. Und der Rest geht vor die Tür."

Um zukünftig rauchen zu können, steigen die Gäste im Alex aufs Dach. Schon in Vorbereitung auf den umfassenden Nichtraucherschutz hat Inhaber Ralf Schubert die Dachterrasse renoviert - mit neuem Boden, neuem Geländer und neuem Aufbau.

Das neue Nichtraucherschutzgesetz sei von oben gemacht und bringe viele Gastro-Konzepte durcheinander, sagte Rida Awada, der mit Igor Bauer seit drei Wochen das Gutenberg an der Stadthalle betreibt. "Die Gastwirte sollten selbst entscheiden dürfen, ob bei ihnen geraucht werden kann oder nicht." Ein Raucher- oder Nichtraucher-Schild würde jedem Gast zeigen, was ihn erwartet. Aber auch wenn Awada glaubt, dass es für klassische Kneipen schwierig wird: Das Gutenberg selbst ist seit langem rauchfrei. "Wir haben schon frühzeitig darauf umgestellt", sagte er. Wer auf den Glimmstengel nach dem Essen aber nicht verzichten will, der hat während der kalten Monate vor der Tür einen kleinen Pavillon zum Unterstellen - bei Bedarf wärmt auch der Heizpilz.

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