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Gütersloh Pleite der Bibliothek abgewendet

Politik will Sparbeschlüsse zurücknehmen / Entscheidung am 4. Dezember

VON ANETTE ISRINGHAUSEN
23.11.2012 | Stand 22.11.2012, 19:33 Uhr
Die Politiker haben sich in zwei Workshops darauf geeinigt, die zweite Stufe der Sparbeschlüsse zurückzunehmen. Auch die intensive Leseförderung für Kinder und Jugendliche wäre ansonsten infrage gestellt worden. - © FOTO: THORSTEN GÖDECKER
Die Politiker haben sich in zwei Workshops darauf geeinigt, die zweite Stufe der Sparbeschlüsse zurückzunehmen. Auch die intensive Leseförderung für Kinder und Jugendliche wäre ansonsten infrage gestellt worden. | © FOTO: THORSTEN GÖDECKER

Gütersloh. Die drohende Zahlungsunfähigkeit der Stadtbibliothek scheint abgewendet. In zwei Workshops einigten sich die Fraktionen aller Ratsparteien darauf, auf die 2. Stufe der 2010 beschlossenen Zuschusskürzungen zu verzichten.

Die Geschäftsführerin der Bibliothek, Petra Imwinkelried, hatte mehrfach davor gewarnt, dass der Bibliothek mit Ablauf des Jahres 2015 die Zahlungsunfähigkeit drohe. Anfang des Jahres bezifferte sie die Deckungslücke für 2014 auf rund 214.000 Euro, für 2015 auf 559.000 Euro. Grund waren die zu erwartenden steigenden Personalkosten bei einem gleichzeitig um 310.000 Euro (2014) reduziertem städtischen Zuschuss.

Genau diese Reduzierung will die Politik nun offenbar zurücknehmen. Bewegt hat sich wohl vor allem die Mehrheit aus CDU, Grünen und UWG. Die "Plattform" hatte im Februar einen Antrag von SPD, FDP, BfGT und Linken auf Aufstockung der Zuschüsse abgelehnt und die Entscheidung über die Zukunft der Bibliothek vom Ausgang der Workshops abhängig gemacht. Ein Ratsbeschluss im März legte lediglich fest, dass eine Insolvenz abgewendet werden und betriebsbedingte Kündigungen vermieden sollten.

Wie hoch genau die geplanten Zuschüsse künftig ausfallen sollen, wird im Bildungsausschuss am 4. Dezember entschieden. Dann legt Imwinkelried den Wirtschafts- und Leistungsplan vor, der die Jahre bis 2016 umfassen wird.

Für 2012 hat die Bibliothek einen Betriebskostenzuschuss 1,45 Mio. Euro erhalten - 1,8 Mio. Euro waren vor den drastischen Sparbeschlüssen eigentlich eingeplant gewesen.

Auch weiterhin wird Personal abgebaut. 2013 fallen 1,8 durch Altersteilzeit frei werdende Stellen weg. Damit hat die Stadtbibliothek seit 2002 ein Drittel ihres Personals abbauen müssen. Eine Konsequenz ist, dass die monatlich angebotenen, vom Bibliothekspersonal betreuten Vorlese- und Bastelangebote für Kinder Ende des Jahres gestrichen werden.

Imwinkelried und der für Bildung zuständige Dezernent Joachim Martensmeier zeigten sich "über die positiven Signale aus der Politik" erfreut. Das bedeute für Kunden und Mitarbeiter endlich eine sichere Perspektive.

Als erfreulich bezeichnete er auch die Zusammenarbeit mit dem Gütersloher Standort der Fachhochschule. Zwei Räume für Gruppen- und Einzelarbeit im 2. Obergeschoss habe die Bibliothek an die Hochschule vermieten können, mit der sie ohnehin bei der Nutzung des Bibliotheksbestands kooperiert. Martensmeier sieht es allerdings skeptisch, durch weitere Untervermietungen soviel einsparen zu können, dass sich der städtische Zuschuss verringern ließe. Prüfungen des städtischen Fachbereichs Immobilien hätten gezeigt, dass der Aufwand für einen Umbau in keinem Verhältnis zum finanziellen Nutzen stünde. Kommentar

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