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Gütersloh Modellschule klar gescheitert

Viel zu wenig Anmeldungen / Dezernent bedauert den Ausgang des Verfahrens

VON RAINER HOLZKAMP
17.11.2012 | Stand 17.11.2012, 10:52 Uhr

Gütersloh. Noch vor dem Start kommt das Aus: Die Modellschule für die Klassen 1 bis 10, die eigentlich im kommenden Schuljahr im Norden der Stadt in Betrieb gehen sollte, ist am fehlenden Elternwillen gescheitert. Und zwar krachend.

Bis zum Ende der regulären Anmeldefrist am Donnerstag wurden nach Aussage der Verwaltung lediglich 35 Kinder für die erste Klasse angemeldet, für die Sekundarstufe I waren es 52. Nach den Vorgaben des Landes wären in beiden Altersstufen mindestens 75 Anmeldungen erforderlich gewesen.

Die Verwaltung geht nicht davon aus, die Lücke noch schließen zu können. Auch die gerade erst verlängerte Anmeldefrist ändere daran nichts. "Die Anmeldeüberhänge anderer Grundschulen und die Zahl der noch nicht angemeldeten Kinder sind nicht sehr groß", erläuterte Schuldezernent Joachim Martensmeier.

Eigentlich sollten sich Grundschule Neißeweg, Hauptschule Nord und Freiherr-vom-Stein-Realschule zu einer von Jahrgangsstufe 1 bis 10 durchgehenden Modellschule zusammenschließen. Laut NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann sollte beobachtet werden, ob durch derartige Primus-Schulen die Chancengerechtigkeit und die Leistungsfähigkeit des Schulwesens erhöht werden, und ob Schüler dadurch zu besseren Abschlüssen geführt werden könnten.

Martensmeier sagte, er bedauere, dass die Modellschule nun nicht zustande komme. Das Konzept mit kleineren Klassen und stärkerer individueller Förderung sei gut und überzeugend gewesen. Das Votum der Eltern sei aber so eindeutig, dass die Stadt auch nicht von der Möglichkeit Gebrauch machen werde, ein Jahr später einen neuen Anlauf zu unternehmen.

Trotz der guten Argumente, die für die Schulform sprächen, könne er die Entscheidung der Eltern aber nachvollziehen. Für viele komme die Schulform offenbar zu früh. Denn es gebe keinerlei Vergleichsmöglichkeiten. Das sei für viele Eltern eine zu hohe Hürde gewesen.

Die Verantwortlichen in der Verwaltung könnten weder sich noch sonst jemandem einen Vorwurf machen, sagte Martensmeier. "Wir haben ausführlich über die Modellschule informiert, sei es bei Veranstaltungen, sei es mit schriftlichen Unterlagen." Auf die Frage, ob die Verwaltung die Ergebnisse der Elternbefragung im August möglicherweise zu positiv bewerte habe, meinte der Dezernent: "Wir haben sie in der Tat positiv bewertetet. Aber selbst im Fall der ungünstigsten Prognose hätten wir uns dem Wert von 75 Anmeldungen deutlich mehr angenähert". Insofern habe er nicht damit gerechnet, dass die Lücke zwischen dem erwartbaren und dem tatsächlichen Ergebnis so groß ausgefallen ist.

Für alle drei betroffenen Schulen ändere sich im kommenden Schuljahr also nichts gegenüber dem heutigen Betrieb, teilte die Verwaltung gestern mit. Kommende Woche würden alle Eltern angeschrieben, die ihre Kinder zur Modellschule angemeldet haben, um gemeinsam die Änderung ihrer Schulwahl zu klären.

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