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Gütersloh Taxifahrer wegen Nötigung verurteilt

52-Jähriger hat junges Mädchen missbraucht

14.11.2012

Gütersloh (lek). Kurz bevor die Amtsrichterin die Beweisaufnahme im Prozess wegen sexueller Nötigung (die NW berichtete) schloss, machte der Angeklagte Taxifahrer Mesut Z. (alle Namen geändert) von seinem Recht des letzten Wortes Gebrauch "Ich habe nichts gemacht", sagte der 52-Jährige. Er könne andere Frauen haben und sei nicht auf nach Alkohol stinkende Fahrgäste angewiesen. Seine Erklärung sollte dem verwitweten fünffachen Familienvater nichts mehr nützen. Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen sexueller Nötigung zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zusätzlich muss Z. 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

"Für uns steht fest, dass die Zeugin in ihrer polizeilichen Vernehmung die Wahrheit gesagt hat", sagte die vorsitzende Richterin. Diese Einschätzung fußte das Schöffengericht vor allem auf die Aussage von Polizeihauptkommissar Detlef K.. Um diesen vernehmen zu können, hatte die Richterin die Verhandlung vor zwei Wochen auf gestern vertagt. K. hatte das 26-Jährige Opfer im September 2011 vernommen. "Nach einem Jahr kann ich mich natürlich nicht mehr so genau erinnern, aber alles, was im Protokoll steht, wurde so gesagt." Laut Protokoll war das Opfer Nina D. am 18. September 2011 mit ihrem Bruder auf der Gütersloher Hauptwache erschienen. Sie habe einen "zerstreuten, aufgelösten und schockierten Eindruck gemacht", so Polizist K.

Unter Tränen erzählte die in Verl lebende D. damals, dass sie die Nacht in Bielefeld durchgefeiert habe. Per Zug fuhr sie morgens nach Rheda. Von dort wollte sie zu einer Freundin nach Pixel. D. stieg in das erste Taxi der Schlange, in dem Fahrer Mesut Z. wartete. Sie sagte ihm, dass sie lediglich sechs Euro übrig habe. Dafür sollte Z. sie soweit wie möglich Richtung Pixel bringen. Schon kurz nach Fahrtbeginn verließ Z. die übliche Route und fuhr über kleinere Straßen weiter. Dann, so die Überzeugung des Gerichts, begann er den Oberschenkel und den Intimbereich von D. zu streicheln. Später wollte Z. sein Opfer küssen, wobei er das Taxi auf einem Waldweg verlangsamte. Dies nutze D. um rauszuspringen.

Aufgrund des Protokolls falle es nicht weiter ins Gewicht, dass sich D. während der Verhandlung nicht mehr an alle Details erinnern konnte. "Man hat gesehen, wie peinlich es ihr war darüber zu sprechen und wie schwer es ihr gefallen ist", sagte die Richterin. Z.’s Verteidiger hingegen hatte für seinen Mandanten Freispruch gefordert. Es gebe nicht ausreichend Beweise. Das bewertete die Richterin anders. "Wir wissen von D.’s Bruder, dass dieser seine Schwester zur Anzeige überreden musste." Dies würde die Glaubwürdigkeit erhöhen. Zudem sei kein Grund zu finden, weshalb sich D. die Geschichte ausgedacht haben sollte. Das Urteil solle Z., "der vielleicht glaubt, dass eine betrunkene Frau solche Annäherung zu erdulden habe, ein Zeichen sein, dass das nicht so ist", sagte die Richterin zum Schluss.

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