Kurator Norbert Ellermann freut sich, dass das Stadtmuseum den Güterslohern die Stollentruhe (r.) zeigen kann. Sie soll aus dem 17. Jahrhundert stammen und ist das älteste Exponat. Die Kinderwiege kann, je nach Wiege-Vorliebe, gedreht werden. - © FOTOS: LENNART KRAUSE
Kurator Norbert Ellermann freut sich, dass das Stadtmuseum den Güterslohern die Stollentruhe (r.) zeigen kann. Sie soll aus dem 17. Jahrhundert stammen und ist das älteste Exponat. Die Kinderwiege kann, je nach Wiege-Vorliebe, gedreht werden. | © FOTOS: LENNART KRAUSE

GÜTERSLOH Den Gütersloher Holzweg erkunden

Stadtmuseum zeigt bisher ungezeigte Exponate aus Holz

VON ELENA ERBRICH

Gütersloh. Was haben eine Bierkiste, eine transportfähige Toilette und eine Mausefalle gemeinsam? Sie sind alle aus Holz und ab Sonntag in der neuen Ausstellung im Stadtmuseum zu sehen. Unter dem Titel "Küchenschränke, Wäscheklammern, Bollerwagen... Holzprodukte aus Gütersloh" haben die freiwilligen Helfer des Museums eine Ausstellung konzipiert, die vor Augen führt, wie wichtig der Rohstoff Holz ist und vor allem war.

"Wir wollen der Gütersloher Bevölkerung schöne und historisch bedeutsame Stücke zeigen", erklärt Museumsleiter Rolf Westheider. Die Kuratoren Norbert Ellermann und Martin Wedeking haben die Ausstellung vorbereitet. "Die Exponate stammen zum Teil aus dem Magazin des Stadtmuseums - der Schatzkammer", sagt Ellermann. Bei den ausgestellten Stücken handelt es sich um Holzprodukte, die in Gütersloh oder von Güterslohern hergestellt, verwendet oder gesammelt wurden. "Im ganzen Museum befinden sich die Exponate. Wir haben sozusagen einen Holzweg durchs Haus gelegt."
Nicht nur im Haus ist Holz zu finden, sondern auch draußen: Im Fachwerk des Museumsgebäudes wurde Holz verarbeitet. Außerdem bestehen die Giebel aus Holz. Das sei in Gütersloh und Umgebung prägend für Fachwerkhäuser. Auch die Brücke zwischen beiden Museumsgebäuden ist aus Holz. Im Museum blickt man zurück in die Vergangenheit, aber auch in die Gegenwart. Der Pickertwender aus Holz hätte der Kochliebhaber von Heute sicher auch gerne.

Kurator Martin Wedeking hat ein Lieblingsstück unter den Exponaten, es ist der Aussteuerschrank. Er ist groß, aus Eiche und über den Glastüren ist in das dunkle Holz ein Name eingraviert: Anna Catharina Benkert. Martin Wedeking erklärt: "Dank des Stadtarchivs wissen wir, wer sie war. 1744 wurde Anna Catharina Benkert geboren. Ihr Vater war Bauer in Sundern. Geheiratet hat sie dann 1768 - aus diesem Jahr stammt der Schrank."

Besonders stolz sind das Kuratorenteam und Rolf Westheider auf das älteste Ausstellungsstück: eine Stollentruhe. "Das ist unser Prunkstück", sagt Westheider. "Wir wissen leider nicht aus welchem Jahr die Truhe stammt. Sie ist wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert. Gerne würden wir untersuchen lassen, wie alt sie ist. Aber das soll teuer sein. Wir werden uns darüber informieren." Wenn es um Holz geht, dann darf auch der Bollerwagen nicht fehlen. Das Stadtmuseum zeigt einen von Miele. "Die Wagen waren ein Ersatzprodukt und wurden im ersten und zweiten Weltkrieg gebaut", sagt Rolf Westheider. Auch eine Miele-Wäschemangel ist in der Ausstellung zu finden. "Die Kaltmangel hat eine Rolle aus Buchenholz. Dieses soll sich gut mit Wasser vertragen. Sie stammt aus den 1920er Jahren", sagt Wedeking.

Nicht nur Produkte von Miele sind in der Ausstellung vertreten, sondern auch die anderer Firmen aus Gütersloh. Zu sehen sind zum Beispiel die "Luchs"-Mausefallen des Unternehmens Wilmking. Dieses war der weltweit größte Ratten- und Mausefallenproduzent und exportierte in alle Kontinente. 1843 wurde die Firma von Gustav Wilmking gegründet und bestand bis 1970.

Die Besucher können sich auf viele interessante oder auch kuriose Ausstellungsstücke - zum Beispiel eine transportierbare Holz-Toilette oder große Rattenfallen - freuen. Info-Stationen informieren über das Thema Holz und über die Firmen in Gütersloh, die diesen Rohstoff verarbeiteten. Das Stadtmuseum nimmt mit dieser Ausstellung zum dritten Mal an dem Themenjahr der Museumsinitiative in OWL teil. Unter dem Überbegriff "Astrein! Holz" haben 40 Museen in Ostwestfalen-Lippe Ausstellungen konzipiert.

Holz ist auch das Leitmotiv am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September. Dann wird auch die Ausstellung im Stadtmuseum eröffnet. Um 11.30 Uhr und um 14.30 Uhr führt Museumsleiter Rolf Westheider durch die Ausstellung.

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