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Christiane Keller, Leiterin der Villa Kunterbunt, und Referentin Viola Gräfenstein (r.) mit den Zwillingen Miya und Maya, Jan und Kevin sowie Hanna und Lara (v. l.). - © FOTO: ROLF BIRKHOLZ
Christiane Keller, Leiterin der Villa Kunterbunt, und Referentin Viola Gräfenstein (r.) mit den Zwillingen Miya und Maya, Jan und Kevin sowie Hanna und Lara (v. l.). | © FOTO: ROLF BIRKHOLZ

GÜTERSLOH Bürde, Glück - oder beides

40 Menschen befassen sich damit, was es heißt, Eltern von Zwillingen zu sein

VON ROLF BIRKHOLZ
24.04.2012 | Stand 23.04.2012, 21:04 Uhr

Gütersloh. Der "Doppeltes Lottchen-Effekt" sollte möglichst vermieden werden. Die Ähnlichkeit von Zwillingen aus Elternstolz noch durch gleiche Kleidung zu betonen, davon rät Viola Gräfenstein ab. Die Journalistin bot jetzt im Familienzentrum Villa Kunterbunt einen "Zwillings-Aktiv-Workshop" an. Villa-Leiterin Christiane Keller freute sich über die große Resonanz. Mehr als 40 Mütter und Väter interessierten sich für das Thema.

Gekommen waren Eltern von ein- oder zweieiigen Kinderpaaren, einige waren zudem selbst Zwillinge. So wie auch Viola Gräfenstein. Die heute bei Köln lebende gebürtige Bielefelderin hat selbst eine Zwillingsschwester und ist Mutter von Zwillingen. Aus dieser eigenen Erfahrung hat sich die Literaturwissenschaftlerin näher mit der Thematik beschäftigt und gibt ihre Erkenntnisse weiter.

Der Referentin zufolge nimmt die Zahl der zweieiigen Zwillingsgeburten zu. Gründe seien unter anderem das tendenziell höhere Alter der Mütter und die Zunahme künstlicher Befruchtungen. Sie teilte die Paar-Kinder in drei Gruppen ein: manche hätten ein fast symbiotisches Verhältnis zueinander, andere lebten eher autark und ohne einander, wieder andere gingen vollkommen verschiedene Wege.

Ob sie ihre Zwillinge zu deren Wohl frühzeitig etwa im Kindergarten oder in der Schule trennen sollten, war eine der Fragen, die viele Eltern zu bewegen scheint. Im Workshop wurde von unterschiedlichen Erfahrungen berichtet. Viola Gräfenstein hat der wissenschaftlichen Literatur entnommen, dass eine bessere Entwicklung durch Trennung in der Kindertagesstätte "nicht erwiesen" sei und dies auch in der Schule "nicht unbedingt" auch zur günstigeren Entfaltung des Einzelnen führe. Jedoch muss auch hier nach Ein- und Zweieiigkeit differenziert werden.

Eltern sollten für sich schauen, was für ihre Zwillinge richtig sei, empfahl Christiane Keller, Leiterin der Villa Kunterbunt. Auch Mütter rieten, auf das eigene Gefühl zu vertrauen, was für die Doppelkinder, für jedes von ihnen am besten sei. "Vergleiche nie das Kind mit einem anderen, sondern nur mit sich selbst", zitierte Viola Gräfenstein den Pädagogen Heinreich Pestalozzi, auch angesichts der "Bürde der Spiegelbildlichkeit", an der Eineiige zu tragen hätten.

Die mit Klischees befrachtete und oft unter einem gesellschaftlichen Erwartungsdruck stehende Zwillingsrolle - deren vielfältige, mitunter gegensätzliche Bedeutungen als Mythos sowie in Kunst, Literatur und Film ebenfalls aufgezeigt wurde - sei allerdings "nur eine Identitätsfacette", sagte Viola Gräfenstein. Jeder Zwilling könne natürlich seine eigene Identität ausbilden. Schon in der Pubertät gingen die Interessen oft auseinander. Zudem könnten weitere Geschwister und Kontakte zu Großeltern und anderen Kindern eine zu enge Symbiose auflockern.

Gleichwohl werde er als Mann die besondere Beziehung seiner Frau zu deren Zwillingsschwester akzeptieren müssen, wie ein Workshop-Teilnehmer sagte. Ein anderer machte einen Vorschlag, wie man auf die unwillkürliche und bisweilen anstrengende Neugier der Menschen auf Zwillinge im Kinderwagen reagieren könne, zum Nutzen der Haushaltskasse: "Einmal Gucken fünf Euro."

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