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GÜTERSLOH Wenige Klicks, viel Ärger

Jahresbericht der Verbraucherzentrale Gütersloh: Internetabzocke boomt

VON FRIEDERIKE EDLER
09.06.2011 | Stand 08.06.2011, 19:52 Uhr
ÖkotrophologinJutta Hülsmann, Leiterin der Gütersloher Verbraucherzentrale, kennt die Tricks, mit der Verbraucher übers Ohr gehauen werden. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
ÖkotrophologinJutta Hülsmann, Leiterin der Gütersloher Verbraucherzentrale, kennt die Tricks, mit der Verbraucher übers Ohr gehauen werden. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Oft geht es ganz schnell: Um den heimischen Computer vor Viren zu schützen, wird beim Internetsuchdienst Google nach einem kostenlosen Programm gesucht. Das wird prompt auf einer der angezeigten Internetseiten gefunden. Auf der Seite geht dann ein Fenster auf, und weil es schnell gehen soll - und das Programm ja kostenlos ist - gibt der Verbraucher fix seine Daten ein. Die böse Überraschung lässt dann nicht lange auf sich warten.

"Das ist der Klassiker", sagt Jutta Hülsmann, Leiterin der Verbraucherzentrale Gütersloh bei der Vorstellung des Jahresberichts für 2010. Zahlreiche Fälle, bei denen Verbraucher im Internet auf angeblich kostenlose Angebote eingingen und denen hinterher eine dicke Rechnung ins Haus flatterte, suchten 2010 bei der Verbraucherzentrale Hilfe. Doch nicht nur im Internet lauern zunehmend Gefahren, bei denen Nutzer teils tief in die Tasche greifen müssen. Auch die Telefonwerber gehen immer gewiefter vor: "Man merkt, dass die Firmen ihre Mitarbeiter psychologisch gut schulen", sagt Hülsmann. So würden es die Anrufer häufig schaffen, persönliche Daten von den - arglosen - Angerufenen zu entlocken. "Am besten lässt man sich auf nichts ein und fragt nur nach dem Namen des Anrufers, der Firma und den Grund des Anrufes", so der Rat der Expertin. Oder besser noch sollte der Angerufene gleich auflegen.

Eine weitere freche Masche, mit der viele Bürger im vergangenen Jahr konfrontiert worden seien: Haben Mitarbeiter über das Telefon die persönlichen Daten herausbekommen, buchen Firmen Geld nicht nur vom Konto ab, sondern auch von der Telefonrechnung. Besonders aktiv sei hier die Firma Telomax gewesen. "Die Bundesnetzagentur hat dann die Telefonnummern der Geschädigten gesperrt", weiß Hülsmann.

Zahlreiche Unternehmen würden sich gar den Namen Verbraucherzentrale oder Verbraucherschutzzentrale zu Eigen machen und Bürgern anbieten, sie auf so genannte Sperrlisten gegen unerlaubte Telefonwerbung zu setzen, natürlich gegen eine "Sperrgebühr" von 69 Euro. "Natürlich passiert da nichts." Zwar seien die Verbraucherverbände dagegen vorgegangen, doch Verwarngelder wegen unlauteren Wettbewerbs kratze aber die wenigsten Akteure, "das zahlen die aus der Portokasse". Eine richtige Handhabung habe man erst bei einer unerlaubten Abbuchung, "dann ist der Tatbestand des Betrugs erfüllt", das habe eine ganz andere Gewichtung.

Doch nicht nur im Internet oder am Telefon ist Werbung mit günstigen Angeboten ein Lockmittel, um Bürger auszunehmen. Auch auf der Straße sind dubiose Abo-Werber unterwegs, die vor allem junge Erwachsene ansprechen würden. Mit der Behauptung, ein Aboabschluss helfe einem Sträfling oder einem Langzeitarbeitslosen in einen Job erschleichen die Betrüger Zeitschriften- oder Zeitungsabonnements.

Stimmt aber ebenso wenig wie der angeblich kostenlose Versand mancher Ware auf den Teleshopping-Kanälen im Fernsehen. "Anstatt Versandkosten schlagen die Verkäufer dann Abwicklungsgebühren, Transportversicherungsgebühren oder andere ’Dienstleistungen’ in Rechnung", warnt Hülsmann. Da könne ein Warenwert von 50 Euro schon mal auf über 80 Euro hochschnellen. Was bei vielen Verbrauchern immer noch im Kopf ist, macht es vielen Betrügern leicht "Ich habe ja nichts unterschrieben."

Ein Irrtum, denn ein Vertrag komme zustande durch "die übereinstimmende Willenserklärung von beiden Seiten". Auch das zweiwöchige Widerrufsrecht, wie es viele Verbraucher beim Kauf von Kleidung kennen, sei nur eine Kulanzhandlung seitens der Firmen. Eine genaue der Allgemeinen Geschäftsbedingungen beim Abschluss von Verträgen sei deshalb unerlässlich, so die Expertin.

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