Frank Foeste zeigt, wie in der ehemaligen DDR Spione arbeiteten. In diesem Buch sind die Seiten eingeschnitten worden, um ein Tonbandgerät darin zu verstecken. Wer damit abgehört wurde, ist unklar. - © FOTOS: FRIEDERIKE EDLER
Frank Foeste zeigt, wie in der ehemaligen DDR Spione arbeiteten. In diesem Buch sind die Seiten eingeschnitten worden, um ein Tonbandgerät darin zu verstecken. Wer damit abgehört wurde, ist unklar. | © FOTOS: FRIEDERIKE EDLER

GÜTERSLOH Ausschnitte von der anderen Seite

Neue Ausstellung "Vergessen? - Schlaglichter auf Staat und Alltag in der DDR" im Stadtmuseum

VON FRIEDERIKE EDLER

Gütersloh. Eine Kamera, die für Spionagezwecke um die Ecke fotografiert, in Büchern versteckte Waffen, Ehrenurkunden, Meißener Porzellan oder das Handbuch der sowjetischen Obszönitäten. In der neuen Ausstellung Vergessen? - Schlaglichter auf Staat und Alltag in der DDR" zeigt das Stadtmuseum Gütersloh jetzt zahlreiche solcher - teils kuriosen - Dokumente aus DDR-Zeiten.

Mit der Ausstellung, die ab dem 1. Mai für die Öffentlichkeit geöffnet ist, folgt das Museum der Tradition, im zweijährigen Rhythmus Ausstellungen zur Geschichte der Deutschen Spaltung und Einheit zu zeigen. "Wir haben in Gütersloh eine große Zahl an Bürger, die ihre Wurzeln in den ostdeutschen Bundesländern haben", sagt Rolf Westheider, Leiter des Stadtmuseums, der die Ausstellung zusammen mit Renate Horsmann vom Heimatverein und dem Ausstellungsleiter Frank Foeste jetzt vorgestellt hat. Intention sei es , diesen Bürgern eine Möglichkeit zu bieten, sich mit ihrer eigenen Geschichte zu identifizieren.

Fotos, Plakate mit sozialistischen Parolen, Zeitungen und Uniformen sind ebenso ausgestellt wie Orden und Ehrennadeln. Die Exponate verdeutlichen eindrucksvoll, wie das Leben in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik militärisch, politisch aber auch im zivilen Leben ausgesehen hat. Der 58-jährige Frank Foeste aus Bielefeld und Leiter der Ausstellung hat die Stücke zusammengetragen. Kurz nach der Wende beruflich oft im "Osten" unterwegs, fragte unter anderem bei Behörden und im Verteidigungsministerium nach und trug alles zusammen, was er in Parteibüros, bei Behörden und Stadtverwaltungen finden konnte. "Ich habe auf den Dienstreisen bemerkt, dass immer mehr zeitzeugliche Dokumente verschwanden", erinnert er sich. Wieviele Exponate die gesamte Sammlung heute umfasst, weiß Foeste zwar nicht, dafür aber, dass sie "gut sechs Tonnen" wiegt.

In ihrem Grundbestand wurde die Ausstellung bereits 2008 im Preußen-Museum NRW in Minden konzipiert. Exklusiv für Gütersloh ist sie aber mit anderen Exponaten neu bestückt worden, um aus Anlass des 50. Jahrestags des Mauerbaus am 13. August 1961 an die Zeit des Kalten Krieges zu erinnern. Zu den Gedenktagen 1. Mai (Tag der Arbeit in der DDR und Sowjetunion), dem 8. Mai (Befreiung), 17. Juni (Ex-Tag der Deutschen Einheit) und dem 13. August soll "die Ausstellung durch neue Themen und Geschichten ergänzt werden", informiert Westheider.

Die im Titel der Ausstellung genannten Schlaglichter beziehen sich auf den weitreichende Einfluss der Sowjetunion, die Militarisierung der Gesellschaft und den Staatssicherheitsdienst. Weitere Themen sind Grenzsicherung, Fluchtversuche und die Spionagetätigkeit. Die auf die Region bezogenen Schwerpunkte sind die eher unbekannte Geschichte der alliierten Militärmissionen, wie der sogenannten SOXMIS in Bünde. Die Ausstellung solle den romantischen Ostalgie-Vorstellungen entgegenwirken und zeigen, so Westheider, "wie wichtig es ist in Demokratie und Freiheit zu leben".

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