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Inge Schmits und Wolfram Schem haben zur Vogelstimmenführung eigene Ferngläser mitgebracht. In diesem Fall schauen sie gerade auf einen Kleiber. - © FOTO: HOLGER KOSBAB
Inge Schmits und Wolfram Schem haben zur Vogelstimmenführung eigene Ferngläser mitgebracht. In diesem Fall schauen sie gerade auf einen Kleiber. | © FOTO: HOLGER KOSBAB

GÜTERSLOH Jäger der Vogelstimmen

Viel Arbeit fürs Ohr bei einer Erkundungstour durch das frühmorgendliche Gütersloh

VON HOLGER KOSBAB
04.04.2011 | Stand 03.04.2011, 20:25 Uhr

Gütersloh. Zunächst klingt es wie ein babylonisches Zwitscher-Wirrwarr. Hier ein Trillern, dort ein Trällern. Ein sanfter Stimmchen von links, ein durchdringender Gesang von rechts. Erst langsam klart sich das Vogelstimmen-Durcheinander etwas auf. Dank Ludger Settertobulte, der an diesem Sonntagmorgen rund 30 Interessierten die Stimmenvielfalt der Vögel näherbringt.

Es ist der 3. April, 7 Uhr, kurz nach Sonnenaufgang. Manche Vögel wie der Garten- und Hausrotschwanz haben ihre morgendlichen Symphonien schon längst abgespielt. Doch noch eher wollte Settertobulte seine Gäste für die Führung im Namen des Heimatvereins nicht aus dem Bett holen. Vom Parkbad geht’s in den Stadtpark mit dem Botanischen Garten. Sogleich kämpfen Amsel, Taube, Meise und Zaunkönig um die Klanghoheit. Einerseits wollen die Männer die Frauen anlocken, andererseits ihr Revier abstecken. Am kräftigsten ist einer der Kleinsten: der Zaunkönig, ein Bariton mit Tenorkörper.

"Die meisten Vögel sind bereits da. Nur wenige wie der Kuckuck und die Mönchsgrasmücke kommen erst in den nächsten Wochen", erklärt der Gütersloher Hobbyornithologe. "Für Vögel habe ich mich von klein auf interessiert", sagt der 70-Jährige, der früher in der Textilbranche beschäftigt war. "Die Stimmen kamen am Rande dazu." Drei davon sollte jeder Teilnehmer am Ende wiedererkennen, meint Settertobulte. Darunter ist wohl bei jedem der Zilpzalp, eine von insgesamt drei Arten, die ganz onomatopoetisch so heißen, wie sie klingen. Nicht zu hören war der Kiebitz, von dem einige Paare auf der Eiswiese brüteten. Und für den Kuckuck ist es jahreszeitlich noch zu früh.

Im nächsten Augenblick hört Settertobulte einen Kleiber und weist auf einen Baum, in dem dieser regelmäßig brütet: "Das Gemeine am Kleiber ist, dass er gleich drei verschiedene Gesänge hat." Etwas weiter ist eine Baumhöhle, in der einmal Mandarinenten ihre Jungen großgezogen haben. An der Dalkeinsel angekommen, erläutert der Vogelkundler die Laute der Gebirgsstelze, die einen falschen Namen habe, weil sie am Wasser lebe.
Es geht weiter. Und die Liste der hier beheimateten und teils auch zu hörenden Arten wächst: Bunt- und Grünspecht, Kohlmeise, Buchfink - dessen Laute klingen wie "Gegrüßet seist du, Maria" - und die leicht hektisch wirkende Tonlage der Heckenbraunelle. Stimmlich besonders ist das Rotkehlchen: "Hier singen Männchen und Weibchen. Und fast das ganze Jahr über", sagt Settertobulte.

Annette Schem aus Verl kennt zwar schon einige Vogelstimmen und hat eine solche Tour schon mal mitgemacht. "Doch ich lerne immer etwas dazu", sagt sie. Dagegen ist es für Inge Schmits das erste Mal: "Ich habe mehrere Vögel im Garten und mich interessiert, von welchen die Stimmen kommen", sagt die Gütersloherin. "Und ich will meinen Enkeln erklären, welche Vögel dort singen."

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