0
Karl-Heinz Schröder (44). Auch er findet es durchaus überlegenswert, den Weg des Gütersloher Klärschlammes zu überprüfen. Hinter ihm läuft der Schlamm über ein Förderband in eine Mulde. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Karl-Heinz Schröder (44). Auch er findet es durchaus überlegenswert, den Weg des Gütersloher Klärschlammes zu überprüfen. Hinter ihm läuft der Schlamm über ein Förderband in eine Mulde. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

GÜTERSLOH Schluss mit Klärschlammexport?

Ratsmehrheit will Transport in ostdeutsche Bundesländer prüfen lassen

VON LUDGER OSTERKAMP
19.03.2011 | Stand 18.03.2011, 21:16 Uhr

Gütersloh. 7.700 Tonnen Klärschlamm sind 2010 im Klärwerk Putzhagen angefallen; sie wurden samt und sonders auf Äcker in Ostdeutschland und Schleswig-Holstein ausgefahren. Ein Vorgehen, das CDU, Grüne und UWG nun hinterfragen.

Die drei Fraktionen fordern die Stadtverwaltung in einem gemeinsamen Antrag auf, andere Entsorgungsvarianten zu prüfen – zum einen, weil es möglicherweise einen ökologischeren Weg gibt, zum anderen, weil derzeit die gesetzliche Klärschlammverordnung überarbeitet wird. Kommenden Montag debattiert der Umweltausschuss über diesen Prüfantrag.

Um den Klärschlamm aus Putzhagen loszuwerden, hat die Stadt vor Jahren ein Partnerunternehmen aus Brandenburg beauftragt. Die Firma hatte sich auf die europaweite Ausschreibung beworben und den Zuschlag erhalten. Die Stadt zahlt ihr 38 Euro pro Tonne – ergab in 2010 rund 290.000 Euro Entsorgungskosten, plus Mehrwertsteuer. Dafür nimmt die Firma der Stadt den Klärschlamm und auch den Rest der Arbeit ab: den Transport sowie die Akquise und Betreuung der Landwirte, die bereit sind, den Gütersloher Klärschlamm auf ihre Felder auszufahren. Rund vier Mal am Tag kommt ein Transporter in Putzhagen vorbei und nimmt die vollen Mulden mit.

Wohin der Klärschlamm geht? Karl-Heinz Schröder, Betriebsleiter des Klärwerkes und Ingenieur der Versorgungstechnik, weiß Antwort: "Er landet zu 65 Prozent auf Feldern in Brandenburg: 16 Prozent gehen nach Sachsen-Anhalt, 15 nach Schleswig-Holstein und 4 nach Mecklenburg-Vorpommern."

Glücklich ist die Stadt mit diesen Transporten nicht: "Dass Fahrten über hunderte von Kilometern nicht gerade ideal für die Umwelt sind, liegt wohl auf der Hand", sagt Dr. Jürgen Albrecht, Leiter des Fachbereiches Umweltschutz. Auch CDU/Grüne/UWG glauben, dass eine solche Art der Klärschlammverwertung "mit erheblichen Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt" verbunden ist.

Freilich steht Gütersloh mit dem "Klärschlammexport" nicht allein. Klärwerksleiter Schröder weist darauf hin, dass der Transport in strukturschwächere, dünner besiedelte Bundesländer gang und gebe ist. "Gütersloh ist keine Ausnahme. Wegen der intensiven Landwirtschaft hier im Kreis leiden wir weiß Gott keinen Düngermangel. Die Flächen stehen für Klärschlammdünger zum großen Teil gar nicht zur Verfügung."

Gleichwohl sei es aus Umweltaspekten überlegenswert, über alternative Entsorgungswege nachzudenken, sagte Schröder. Derzeit agiere die Stadt noch nach einem Klärschlammkonzept von Anfang der 90er Jahre, erstellt vom damaligen Umweltdezernenten Michael Hammon. "Sollte tatsächlich eine neue Klärschlammverordnung eintreten – wovon allerdings schon häufiger die Rede war –, wäre es angebracht, das alte Konzept zu überdenken." Die thermische Verwertung –die MVA Heepen würde für das Verbrennen derzeit freilich 60 Euro/Tonne verlangen –, die Verwendung zur Abdeckung oder Rekultivierung von Deponien oder halt die landwirtschaftliche Verwertung auf hiesigen Feldern wären die Alternativen.

Der Umweltausschuss tagt ab 17 Uhr im Raum 060 der Stadtwerke. Die Sitzung ist öffentlich. Wie berichtet, geht es darin auch um die Einführung einer Saison-Komposttonne.
     

Empfohlene Artikel

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group