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Ein hauptamtlicher Feuerwehrmann aus Gütersloh hatte sich mit diesem Schreiben an Bielefeld gewandt.
Ein hauptamtlicher Feuerwehrmann aus Gütersloh hatte sich mit diesem Schreiben an Bielefeld gewandt.

Gütersloh Bei der Abstimmung getrickst

Bielefelder sollten Pläne für Gütersloher Berufsfeuerwehr unterstützen

VON LUDGER OSTERKAMP VON LUDGER OSTERKAMP
01.02.2011 | Stand 31.01.2011, 20:13 Uhr

Gütersloh. Die Berufsfeuerwehr war top: Knapp 500 Stimmen gingen beim Bürgerhaushalt zu diesem Thema ein, so viele wie zu keinem anderen. Nun zeigt sich: Ein Teil der Stimmen ist offenbar getrickst.

Ein Gütersloher Feuerwehrmann, angestellt in der Hauptamtlichen Wache, hat versucht, seine Bielefelder Kollegen zu mobilisieren. Per Facebook schrieb er einen Oberbrandmeister der Berufsfeuerwehr Bielefeld an und bat ihn, im Internet für die Einrichtung einer Berufsfeuerwehr in Gütersloh zu stimmen. Dabei blieb es nicht: Der Bielefelder leitete die Bitte auch noch an seine Kollegen weiter.

"Eine blöde und unschöne Aktion", kommentierte Dezernentin Christine Lang den Vorgang. "Der Feuerwehrmann hat eindeutig gegen die Spielregeln des Bürgerhaushaltes verstoßen." Für den Bürgerhaushalt sollten nur Gütersloher Bürger abstimmen, nicht Bielefelder oder andere. Es sei ärgerlich, dass ein solcher Vorgang nun ein schlechtes Licht auf das Abstimungsverhalten im allgemeinen werfe.

Der Gütersloher Stadtbrandmeister Hans-Joachim Koch, Befürworter einer Berufsfeuerwehr, sagte gestern, er habe von der Aktion seines Mitarbeiters nichts gewusst. "Das war ein rein privater Vorstoß und keine Sache, die von der Feuerwehr gutgeheißen wird." Koch wies den Verdacht zurück, dass das Abstimmungsverhalten im Bürgerhaushalt – 375 Stimmen pro Berufsfeuerwehr, 71 contra, 31 neutral – getürkt sei. "Es mag sein, dass der ein oder andere Klick nicht im Sinne des Erfinders war, aber generell gibt das Ergebnis das Meinungsbild schon korrekt wider." Schließlich hätten nicht nur die Befürworter einer Berufswehr die Abstimmung manipulieren können, sondern auch die Gegner.

Wie viele Bielefelder Feuerwehrleute dem Wunsch ihres Gütersloher Kollegen nachgekommen sind, ist unbekannt. "Das lässt sich nicht klären", sagte Lang. Das Abstimmungsverhalten zum Thema Berufsfeuerwehr sei laut Fraunhofer-Institut unauffällig gewesen. Das Institut war von der Stadt mit der Durchführung des Bürgerhaushaltes beauftragt worden.

Die Einrichtung einer Berufsfeuerwehr in Gütersloh ist umstritten. Hans-Jürgen Laue vom Löschzug Spexard sieht die Gegner anders als Koch in der Mehrheit. "Wenn es bei der Freiwilligen Feuerwehr eine Abstimmung gäbe, würde eine solche Einrichtung deutlich abgelehnt." Laue sagte, Stadt und die Hauptamtliche Wache um Stadtbrandmeister Koch operierten bewusst mit falschen Zahlen.

Auch in der Politik sind die Meinungen geteilt. Während sich die SPD vergangene Woche eindeutig für eine Berufsfeuerwehr aussprach, ist die CDU weiterhin dagegen. "Angesichts der empfindlichen Störungen zwischen Hautpamtlichen und Ehrenamtlichen halten wir es für ratsam, das Thema in dieser Ratsperiode nicht weiter zu verfolgen", sagte CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer. Die möglichen Einsparungen – die Stadtverwaltung spricht von 28.000 Euro im Jahr – stünden in keinem Verhältnis zu der Gefahr, dass viele Ehrenamtliche aus Verärgerung ihr Engagement quittierten.
     

  
  
     

  
  
     
  
     

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