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Pianistin Hsin-Huei Hang spielte im Theater Klaviermusik der vergangenen 65 Jahre. - © FOTO: MATTHIAS GANS
Pianistin Hsin-Huei Hang spielte im Theater Klaviermusik der vergangenen 65 Jahre. | © FOTO: MATTHIAS GANS

GÜTERSLOH Spannende Ein- und Aussichten

Panoramamusik: Hsin-Huei Huang brilliert mit zeitgenössischer Klaviermusik

VON MATTHIAS GANS
26.10.2010 | Stand 25.10.2010, 21:02 Uhr

Gütersloh. Der Auftakt der "Panoramamusik" bringt es an den Tag: wieder gibt es einen neuen Konzertraum in Gütersloh zu bestaunen – diesmal die Bühne des Theaters.

Mit dem Blick auf den Flügel am Bühnenrand und die roten Sitze im Parkett und Rang bietet sich in der Tat eine tolle Aussicht für die im hinteren Bereich der Bühne untergebrachten Zuschauer. Einmal mehr weiß die Akustik des Raums zu beeindrucken, die dem Klavierklang Präsenz zusichert, ohne den Hörer zu überfallen.

Zudem erfreut sich die Reihe steigender Beliebtheit. Beim Eröffnungskonzert mit keineswegs leicht zu hörender Klaviermusik des 20. Jahrhunderts fanden 70 Besucher den Weg ins Theater. Und die letzte der vielen guten Nachrichten: Die aus Taiwan stammende, in Wien lebende Pianistin Hsin-Hue Huang vermittelte spannende Einsichten in diese Musikproduktion nach 1945.

Als "Hommage an Ravel" bezeichnete Iannis Xenakis sein Stück "à R." von 1987, das weniger impressionistisch wirkte, als in seiner gegenläufigen Linerarität französische Clarté verriet und von Frau Huang adäquat transparent umgesetzt wurden. Auch die "Hommage à Pierre Boulez" aus György Kurtágs Zyklus "Jaketok" gehört zu jenen Widmungsstücken, die nicht offensichtlich ehren. Die pointillistischen Farbtupfer des Beginns erinnerten sehr wohl an Musik des französischen Komponisten, nicht aber die sanften Akkorde, mit denen das Stück ausklang.

Eine Entdeckung schließlich die zwei Stücke mit dem Titel "Rima", in denen Franco Donatoni beiden Händen eine Figur identische zuteilt, sie aber – zeitlich versetzt und somit stockend – in Beziehung setzt. Fast spielerisch wirkte der zweite Teil mit seinen filigranen Bewegungsmustern.

Für die Tänzerin Jean Erdmann 1946 geschrieben ist John Cages "Ophelia" mit seinen immer wiederkehrenden Akkorden und geradezu eingängigen Melodik eine sehr zugängliche und effektvolle Musik, die Hsin-Huei Huang mit Verve meisterte.

Überhaupt zeigte sich die Pianistin – der Verschiedenartigkeit der Stücke gemäß – sehr wandlungsfähig. Die nachtschwarze Dämonie von Tristan Murais "La Mandragora" von 1993, das etwas an Ravels "Scarbo" erinnerte, lag ihrem Temperament ebenso, wie die 20-minütige Klangmeditation von Morton Feldmans "Palais de mari" von 1986, dessen reduziert-luziden Klaviersatz Frau Huang mit großer Ruhe zelebrierte. Herzlicher Beifall für einen entdeckungsreichen Abend.

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