Aus München waren vier Vorstände - hier Andrea Fogueiras und Johannes Pruchnow - angereist. Zu Beginn der fast zweistündigen Mitarbeiterversammlung verkündeten sie, dass Telefónica Germany seinen Verler Standort bis zum dritten Quartal des kommenden Jahres schließen wird. Betroffen sind davon 500 Arbeitskräfte, 350 Telefónica-Beschäftigte und 150 Externe. - © FOTO: NW
Aus München waren vier Vorstände - hier Andrea Fogueiras und Johannes Pruchnow - angereist. Zu Beginn der fast zweistündigen Mitarbeiterversammlung verkündeten sie, dass Telefónica Germany seinen Verler Standort bis zum dritten Quartal des kommenden Jahres schließen wird. Betroffen sind davon 500 Arbeitskräfte, 350 Telefónica-Beschäftigte und 150 Externe. | © FOTO: NW

Verl Standort schließt 2011

Telefónica O2 verlässt Verl / 500 Arbeitsplätze gehen verloren

VON ROLAND THÖRING

Verl. Wut und Enttäuschung, Buh-Rufe, Pfiffe und Tränen: Für die Mitarbeiter des Telekommunikationsunternehmens Telefónica O2 Germany war der gestrige Tag ein schwarzer Freitag. Wenige Minuten nach 11 Uhr gaben die eigens aus München angereisten Geschäftsführer Johannes Pruchnow, Robert Simmeth, Andrea Folgueiras und Joachim Kugoth am Hülshorstweg bekannt, dass die Firma den Standort Verl zum dritten Quartal 2011 schließen wird. Betroffen sind von diesem Schritt 350 Beschäftigte von Telefónica O2 Germany sowie weitere rund 150 externe Mitarbeiter des Unternehmens.

Etwa 300 Beschäftigte hatten sich zu der Betriebsversammlung im Konferenzraum eingefunden, die übrigen Mitarbeiter konnten die Ausführungen der Geschäftsführung bei einer Ton-Live-Übertragung im Intranet an ihren Arbeitsplätzen verfolgen. Für die meisten war die schlechte Nachricht keine Überraschung mehr; sie hatte sich in den vergangenen Tagen bereits als Gerücht auf den Fluren des Unternehmens verbreitet.

Wie berichtet, hatte Telefónica O2 Germany im Februar den Hamburger DSL- und Kommunikationsdienstleister HanseNet übernommen. Gestern kündigte Telefónica an, O2 und HanseNet bis zum 31. März 2011 zu einem Unternehmen verschmelzen zu wollen. Die Neuorganisation mache den Abbau von 1.100 Stellen erforderlich. Neben Verl werden auch die Niederlassungen in Frankfurt mit 77 Mitarbeitern, Stuttgart (40), Dortmund (30), Leipzig (25) und Hannover (10) geschlossen.

Bereits vor einigen Wochen hatte Telefónica angekündigt, drei der heute sieben Callcenter der O2-Kundenbetreuung verkaufen zu wollen. Das bedeutet einen Abbau von weiteren 650 Jobs, so dass die Beschäftigtenzahl von Telefónica von heute 6.700 auf dann 5.000 sinkt.

Die Geschäftsführung kündigte an – und ließ das nach Ende der Versammlung über Unternehmenssprecher Harald Maass auch öffentlich verbreiten –, den Stellenabbau "möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen" vornehmen zu wollen. Es gebe in Verl Kompetenzen, die Telefónica behalten wolle. Nach NW-Informationen, die Maass aber weder bestätigen noch dementieren wollte, stellt Telefónica für Abfindungszahlungen einen Sozialfonds über 160 Millionen Euro zur Verfügung.

Überrascht von der angekündigten Standortschließung zeigten sich gestern die beiden Vermieter der von Telefónica genutzten Gebäude am Hülshorstweg. Josef Ortjohann aus Verl und die Gronauer Industriebau Hoff und Partner GmbH waren offiziell noch nicht informiert. Die Mietverträge für die 12.100 Quadratmeter Bürofläche in den Gebäuden der beiden Eigentümer laufen noch über mehr als neun Jahre. Außerdem hat Telefónica O2 Germany etwa 300 Parkplätze am Hülshorstweg angemietet. Den von dem Gronauer Investor errichteten, 10 Millionen Euro teuren Neubau hatte Telefónica erst im vergangenen Februar bezogen – dort sind noch nicht einmal alle Bauarbeiten beendet. Das noch fehlende Firmenschild wird hier vermutlich gar nicht mehr angebracht.

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