0
Niklas Kretzschmar und Robin Kordsmeier (v. l.) spannen den Bogen an. Lehrer Armin Meier-Kühn zeigt auf die Zielscheibe aus Stroh. - © FOTO: FRIEDERIKE EDLER
Niklas Kretzschmar und Robin Kordsmeier (v. l.) spannen den Bogen an. Lehrer Armin Meier-Kühn zeigt auf die Zielscheibe aus Stroh. | © FOTO: FRIEDERIKE EDLER
GÜTERSLOH

Treffsicherer Unterricht Eine der ältesten Jagdformen

Miele-Kolleg bietet kreisweit einmaligen Kursus "Konzentration mit dem Bogen"an

VON FRIEDERIKE EDLER
06.10.2010 | Stand 05.10.2010, 20:48 Uhr

Gütersloh. Langsam nehmen Niklas und Robin ihren Pfeil in die Hand und spannen ihn in den Bogen. Konzentriert ziehen sie an, die Zielscheiben fünf Meter vor ihnen fest vor Augen. Fast zeitgleich lassen beide los, blitzschnell sausen die Pfeile los und bohren sich in die Strohscheiben. Für die Schüler des Carl-Miele-Berufskollegs ist das aber keine Anstrengung, sondern eine Möglichkeit vom Alltag zu entspannen.

Genau das will Sportlehrer Armin Meier-Kühn erreichen. Er unterrichtet den Kursus "Konzentration mit dem Bogen" am Carl-Miele-Berufskolleg im Wahlpflichtbereich. Meier Kühn, Deutsch- und Sportlehrer, ist selbst seit seinem 13. Lebensjahr begeisterter Bogenschütze,. "Ich finde es spannend, diese alte Kulturtechnik wieder aufleben zu lassen", so der Pädagoge. "Die Arbeit mit Pfeil und Bogen ist ein Mittel, an die eigenen Ressourcen heranzukommen."

Hohe Konzentration, und innere Ruhe seien gefordert, ebenso wie die Fähigkeit, "sich auf ein Ziel zu fixieren, die eigenen Kräfte zu steuern und schließlich loslassen zu können". "Alles Fähigkeiten, die die Schüler auch im täglichen Leben beherrschen müssen", betont Armin Meier-Kühn. Und noch etwas gehört dazu, um ein guter Bogenschütze zu sein: sehr viel Selbstvertrauen. Selbstvertrauen sei eine wichtige Fähigkeit, die den Schülern auch auf ihrem späteren beruflichen Lebensweg helfe, betont Schulleiter Heinz Driftmeier, der den Kursus wohlwollend unterstützt.

"Das ist gar nicht so schlimm, wenn mal ein Pfeil daneben geht. Der nächste geht dann wieder ins Ziel", bestätigt der 17-jährige Sergen. Einmal in der Woche, eine Doppelstunde lang, kommt er zu dem Kursus, genau wie 14 andere Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren. Geübt wird in der Sporthalle, und da herrschen klare Regeln.

Beim Beobachten fällt auf: es ist mucksmäuschenstill, die Jungs verständigen sich nur über Zeichensprache. "Das ist eine der wichtigsten Übungen. Sprechen stört die Konzentration", flüstert Lehrer Meier-Kühn, während er seine Gruppe beobachtet.

Die steht in drei Reihen vor den Zielscheiben: vorne vier Schützen, dazwischen zwei Jugendliche die die Pfeile von den Teampartnern der Schützen, die in der dritten Reihe stehen, annehmen und weiterreichen. Links und rechts der Schützen sind zwei Jungen damit beschäftigt, ihre Mitschüler zu beobachten. "Um Fehler zu sehen und sich anschließend darüber auszutauschen", erklärt Maier-Kühn. Es ist zwar erst die zweite Übungsstunde, doch die Ergebnisse der Schüler können sich schon sehen lassen. Desöfteren trifft der Pfeil, der laut Lehrer zwischen "35 bis 70 Meter pro Sekunde zurücklegt", genau in die Mitte der Zielscheibe. Ein zufriedenes Schmunzeln zeigt sich auf den Gesichtern der Schüler und als Meier-Kühn zum Ende der Stunde bittet ihm die Daumen zu drücken, machen erstaunte und bewundernde Blicke die Runde: Auf einem Wettkampf am nächsten Wochenende will der Sportlehrer die 200-Meter-Marke schaffen. Also aus 200 Metern Entfernung versuchen, direkt in die Mitte schießen.

Da wirken fünf Meter in der Turnhalle fast schon läppisch, dennoch, die Gruppe ist motiviert: "Da kommen wir bestimmt auch noch hin", meint einer der Jugendlichen. Es scheint, ein Ziel des Unterrichts ist bereits erreicht: Selbstvertrauen zu stärken.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.