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GÜTERSLOH Eltern und Lehrer kämpfen gegen Sparmaßnahmen

Rund 2.000 Demonstranten vor Gütersloher Rathaus

VON FRIEDERIKE EDLER
03.03.2010 | Stand 03.03.2010, 07:33 Uhr
Eltern und Lehrer kämpfen gegen Sparmaßnahmen - © GÜTERSLOH
Eltern und Lehrer kämpfen gegen Sparmaßnahmen | © GÜTERSLOH

Gütersloh. Mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert, bunten Plakaten und lauten Rufen des Unmuts demonstrierten gestern rund 2.000 Schüler, Lehrer und Eltern der neun weiterführenden Schulen vor dem Rathaus gegen die geplanten Sparmaßnahmen der Stadt im Bereich Bildung. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen" – so die einhellige Meinung.

"An der Bildung sparen wird teuer", "Wer lesen kann ist klar im Vorteil" oder "Wir wollen Bücher, kein Entertainment", hatten die Schüler auf die Plakate geschrieben, die zahlreich vor dem Rathaus wehten. Während einige der Jugendlichen noch schmunzeln konnten, stand den meisten Beteiligten Wut und Unverständnis deutlich ins Gesicht geschrieben.

"Durch die Einsparungen geht ganz klar die Chancengleichheit verloren. Das bestürzt viele Eltern und Lehrer", betonte Christiane Henkenjohann, Mitglied der Elternpflegschaft in der Klasse 6a an der Geschwister-Scholl-Realschule. In der Mediothek der Schule würden die Klassen 5 und 6 bereits früh lernen, selbstständig Themen zu erarbeiten und Referate vorzubereiten. "Wenn es kein Geld mehr gibt, fällt die Lernwerkstatt weg", so Henkenjohann. Sie und viele andere Eltern seien wütend, dass gerade hier, bei der Jugend, gestrichen würde.

"Das können die Lehrkräfte gar nicht leisten"

Das sieht Nicole Buchholz, Lehrerin an der Geschwister-Scholl-Schule genauso: "Noch übernehmen die Bibliothekarinnen die Planung von Leseabenden und Literaturveranstaltungen, beraten die Schüler über aktuelle Neuerscheinungen. Das können die Lehrkräfte gar nicht leisten." "Für Kinder mit Leseschwierigkeiten ist das eine Katastrophe", meint Ute Schomann, Elternvertreterin der Pestalozzi-Schule. Dass das Angebot künftig nicht mehr dasselbe sein wird, befürchtet Dominik Burcek, Schüler an der Freiherr-vom-Stein-Realschule.Der 13-Jährige: "Es wird wohl nicht mehr so viele Bücher geben wie bisher."

Schüler, Lehrer und Eltern machen ihrem Unmut mit Plakaten und Pfiffen Lust. "Keine Bildung ohne Bücher" oder "Chancengleichheit für alle" steht auf den Schildern. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Schüler, Lehrer und Eltern machen ihrem Unmut mit Plakaten und Pfiffen Lust. "Keine Bildung ohne Bücher" oder "Chancengleichheit für alle" steht auf den Schildern. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Vier prall gefüllte weiße Ordner mit 16.700 Unterschriften gegen die Einsparungen übergab Elke Corsmeyer, Vorsitzende des Gütersloher Literaturvereins, unter zustimmenden Pfiffen an den Bildungsausschuss. Der Leiter der Demonstration, der Schulpflegschaftsvorsitzende der Anne-Frank-Gesamtschule, Olaf Grumbach, zeigte sich überwältigt: " Lehrer, Schüler und Eltern haben die Demo super unterstützt. Wir hoffen, dass wir so noch etwas bewirken können. Der große Einsatz hier zeigt doch, dass den Schülern nicht nur Playstation und Nintendo wichtig sind, sondern vor allem auch Bücher."

Derweil hatten die acht Polizisten am Eingang des Rathaus alle Mühe, die Demonstranten zurückzudrängen. Nach und nach wurden einzelne Schüler, Lehrer und Eltern eingelassen, um an dem anschließend tagenden Bildungsausschuss teilnehmen zu können.

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