0
Uli Marquard und Gerhard Nübel (v. l.) von der Alzheimer-Gesellschaft setzen sich für die Bewegungsfreiheit von Alzheimerpatienten und Demenzkranken ein. Das Bett auf dem Bild entspricht ihren Anforderungen, da die Seitensicherung dreigeteilt ist und somit Schutz vor Stürzen, aber auch die Möglichkeit des freien Ausstiegs bietet. - © FOTO: ANNEKE QUASDORF
Uli Marquard und Gerhard Nübel (v. l.) von der Alzheimer-Gesellschaft setzen sich für die Bewegungsfreiheit von Alzheimerpatienten und Demenzkranken ein. Das Bett auf dem Bild entspricht ihren Anforderungen, da die Seitensicherung dreigeteilt ist und somit Schutz vor Stürzen, aber auch die Möglichkeit des freien Ausstiegs bietet. | © FOTO: ANNEKE QUASDORF

Weg mit den Gittern

Alzheimer-Gesellschaft: Vortrag gegen freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege

VON ANNEKE QUASDORF
17.09.2009 | Stand 16.09.2009, 20:12 Uhr

Gütersloh. Das Festbinden eines Menschen im Bett oder am Stuhl ist keine mittelalterliche Erziehungsmaßnahme für Kinder, sondern in vielen Fällen Alltag in der Altenpflege. Mit einem Vortrag des Altenpflegers Manfred Borutta am kommenden Dienstag in der Stadthalle möchte die Alzheimer-Gesellschaft Kreis Gütersloh gegen diese Umstände ankämpfen.

"Es handelt sich dabei um eine archaische Maßnahme aus dem 19. Jahrhundert, die alten Menschen ihre Würde nimmt und ihnen letztlich mehr schadet als nutzt", sagt Gerhard Nübel, Arzt der Gerontopsychiatrischen Ambulanz.

"Damals galt die Einschätzung, dass die Fixierung erregte Patienten beruhigen würde." Heute binden Pflegekräfte vor allem Demenz- und Alzheimerpatienten fest, um Stürze oder Weglaufen zu vermeiden.

Doch dabei entsteht in den Augen Nübels und seiner Mitstreiter der Alzheimer-Gesellschaft anderer Schaden. So lösten freiheitsentziehenden Maßnahmen schwere Ängste bei den Betroffenen aus, sagt Uli Marquard, stellvertretender Vorsitzender und Leiter eines ambulanten Dienstes. Die Folge seien Erregungszustände, Blutdruckkrisen oder sogar Herzinfarkte. Verwirrtheit und Desorientierung nähmen zu.

"Wir wollen dafür sorgen, dass in diesem Bereich ein Umdenken stattfindet, dass Pflegepersonal Alternativen kennenlernt und auch nutzt", sagt Erika Fischer vom Vorstand. Denn Alternativen gebe es - und die seien unabhängig von der personellen Ausstattung und ohne Mehraufwand anwendbar. "Und das Wichtigste: Sie lassen den alten Menschen ihre Würde."

An erster Stelle steht hier der Gedanke, den Patienten ihre Bewegungsfreiheit zu erhalten. "Um die Umgebung sicher zu gestalten, gibt es viele Tricks", sagt Erika Fischer, die einige davon in den von ihr betreuten ambulanten Wohngruppen einsetzt.
Sichere Beleuchtung des nächtlichen Weges zur Toilette, rutschfeste Socken und Spezialpflegebetten minderten die Gefahr eines Sturzes. Um ein Weglaufen zu verhindern, könnten zum Beispiel Vorhänge vor Türen gehängt werden. "Dann nehmen die Patienten sie nicht mehr als Ausgänge wahr."

´Der Vortrag "Fesselnde Sorge. Gurte, Gitter und Co." von Manfred Borutta richtet sich an Angehörige von Demenzkranken, Altenpflegekräfte und alle Interessierten. Beginn ist um 19 Uhr.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group