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Gericht schützt säumige Mieter

Paar lebt auf Kosten des Hausbesitzers / Eigentümer hat keinen Zutritt zur Wohnung

VON ANETTE ISRINGHAUSEN
01.08.2009 | Stand 31.07.2009, 20:23 Uhr
Seit Monaten wartet Jürgen Pähler vergeblich auf Miete. Jetzt hat er nicht mal mehr einen Wohnungschlüssel. - © FOTO: VORNBÄUMENl
Seit Monaten wartet Jürgen Pähler vergeblich auf Miete. Jetzt hat er nicht mal mehr einen Wohnungschlüssel. | © FOTO: VORNBÄUMENl

Gütersloh. Die Miete wurde nur einmal gezahlt, Strom und Wasser überhaupt nicht, die Kaution steht noch aus und auf dem Mietvertrag fehlt die Unterschrift des Eigentümers. Trotzdem darf die Mieterin Barbara S. laut richterlicher Verfügung in der Wohnung bleiben, der Besitzer kann sie nicht einmal mehr betreten. Denn der Schlüssel wurde ihm von einem Gerichtsvollzieher abgenommen.

Architekt Jürgen Pähler ist das Vertrauen in die Justiz abhanden gekommen. Er sieht sich als Opfer von "Mietnomaden" (siehe NW vom 10.7.) und einer richterlichen Fehlentscheidung. Ende Mai hatte er Barbara S. den Schlüssel zu der Zwei-Zimmer-Wohnung in Spexard ausgehändigt. Ausdrücklich nur zu Renovierungszwecken.

Den Mietvertrag hätte Pähler erst nach der Übergabe der Kaution unterschrieben. Statt zu renovieren zog S. mit ihrem Lebenspartner Andreas S. ein. Die Miete des arbeitslosen Paares wurde einmal von der Arbeitsagentur GT aktiv überwiesen, die Kaution gar nicht, eine Anmeldung bei den Stadtwerken blieb aus. Der Verbrauch wurde vom Konto Pählers abgebucht. Als er die Sicherungen herausdrehte und die Wasserzufuhr im Keller sperrte, manipulierte das Paar, so Pähler, die Sicherungen und brach das Schloss für die Wasserzufuhr auf. Die Stadtwerke sperrte daraufhin aus Sicherheitsgründen die Stromzufuhr. Auf Antrag Pählers erließ das Amtsgericht überdies eine einstweilige Verfügung gegen Barbara S., die originalen Sicherungen wieder einzuschrauben und die illegale Überbrückung mit Drähten zu entfernen.

Die Mieterin, so Pähler, habe die Verfügung bis heute ignoriert. Die mehrfachen Aufforderung, die Wohnung zu räumen ebenso. Strom gebe es über die reguläre Leitung nicht, dennoch brenne abends Licht. "Ich gehe davon aus, dass jetzt ein Stromkabel im Spitzboden angezapft wurde." Zudem habe er anhand der Wasseruhr festgestellt, dass ein Kubikmeter Wasser verbraucht worden sei.

Damit nicht genug. Am Donnerstag, 23. Juli, bemerkte Pähler, dass in Abwesenheit der Mieter das Dachfenster offenstand. Da starker Regen vorhergesagt war, rief er bei der Polizei an. Eine Beamtin habe ihm versichert, dass er in diesem Fall die Wohnung betreten dürfe, um Schaden abzuwenden.

Doch die Mieter hatten zwischenzeitlich das Schloss ausgewechselt. "Ich habe umgehend das Schloss aufgebohrt und ausgewechselt." Am Samstag ließ wiederum Barbara S. das Schloss durch einen Schlüsseldienst austauschen, Pähler zog am Montag nach. Vergangenen Dienstag musste er einem Gerichtsvollzieher den Schlüssel aushändigen. Barbara S. hatte bei Gericht eine Verfügung erwirkt. "Dass sie keinen gültigen Mietvertrag vorlegen konnte, sich also unrechtmäßig in der Wohnung aufhielt, interessierte das Gericht offenbar nicht." Die dort von Barbara S. gemachten Angaben seien nicht überprüft worden.

Nun steht Pähler als Wohnungseigentümer ohne Schlüssel da. Die Frage, wann die von ihm eingereichte Räumungsklage entschieden wird, habe man ihm nicht beantwortet.

Die Mieter, die in einem Gespräch mit der NW am 8. Juli noch behauptet hatten, vom Vermieter "tyrannisiert" zu werden., waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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