0
Ursula Küster (l.) übergab die Marienfigur dem Stadtmuseum des von Renate Horsmann (r.) geleiteten Heimatvereins, Willi Kramme regte dazu eine plattdeutsche Maiandacht an, die Gemeindereferentin Daniela Reineke vorbereitet hat (v. l.). - © FOTO: ROLF BIRKHOLZ
Ursula Küster (l.) übergab die Marienfigur dem Stadtmuseum des von Renate Horsmann (r.) geleiteten Heimatvereins, Willi Kramme regte dazu eine plattdeutsche Maiandacht an, die Gemeindereferentin Daniela Reineke vorbereitet hat (v. l.). | © FOTO: ROLF BIRKHOLZ

Die Madonna vom Hellweg

Gestohlene Gütersloher Statue tauchte auf einem Trödelmarkt im Sauerland wieder auf

VON ROLF BIRKHOLZ
15.05.2009 | Stand 14.05.2009, 21:06 Uhr

Gütersloh. Als die Familie Hellweg eines Sonntags Anfang der 70er Jahre von der heiligen Messe zurückkam, fand sie das Gitter ihres Heiligenhäuschens an der Weggabelung Schledebrückstraße und Hellweg (am heutigen Kreisverkehr) geöffnet. Die Marienstatue, die wohl seit rund 200 Jahren darin gestanden hatte, war verschwunden, offenbar gestohlen. Wie die Madonna vom Hellweg wieder auftauchte und wo sie ihren neuen öffentlichen Platz findet, war jetzt im Stadtmuseum zu erfahren.

Dort erzählte Ursula Küster, geborene Hellweg, die ihr bekannten Bruchstücke der Geschichte dieser eichenen Figur, die wegen ihrer damaligen Bemalung in blauen- und rosa Pastelltönen in der Familie für eine Gipsfigur gehalten worden war. Berühren habe man sie ja hinter ihrem Gittertürchen nie können, so Ursula Küster, die als Kind mit ihrer Schwester Margret Borghardt oft die Blumen vor der Staue goss.

So kam es, dass sie ihre Maria erst gar nicht wieder erkannten, als sie Jahre später von der Polizei gebeten wurden, ins Sauerland zu kommen. Dort waren zahlreiche aus Kirchen oder Bildstöcken entwendete Gegenstände beschlagnahmt worden. "Das ist sie nicht", hätten ihre Eltern Hermann und Anna Hellweg zunächst gedacht, als ihnen eine Marienfigur gezeigt wurde. Denn die war aus Holz. Die Diebe, von denen sie auf einem Trödelmarkt angeboten worden war, hatten nämlich die Farbe entfernt.

Die Polizei aber identifizierte die Hellweg-Madonna. Doch sie an ihren Standort im wohl 1715 errichteten Häuschen zurückstellen, das wollte Küster aus Sicherheitsgründen nicht. Sie ließen von einem Herzebrocker Bildhauer ein Ersatz-Relief zur Verehrung an der Weggabelung anfertigen, brachten die Figur indes in ihrer Wohnung unter.

Dort passte sie nun nicht mehr recht zur Einrichtung. Sie im Keller verschwinden lassen wollte Ursula Küster aber nicht. Die Statue, die laut Inschrift im Häuschen aus dem Jahr 1759 stammen könnte, nach Einschätzung von Museumsleiter Dr. Rolf Westheider aber auch älter oder etwas jünger sein kann, sollte öffentlich zugänglich sein. So wandte sie sich ans Stadtmuseum. Dort wird die Skulptur, von Malermeister und Restaurator Siegfried Altewischer unentgeltlich restauriert, ihren Platz in der im Aufbau befindlichen Dauerpräsentation zum konfessionellen Leben in Gütersloh erhalten. "Da passt sie hervorragend hin", sagt Heimatvereinsvorsitzende Renate Horsmann.

Daniela Reineke, die als Gemeindreferentin in Liebfrauen eine Maiandacht um die Madonna vorbereitet, erläutert anhand von Kapitel zwölf der Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel, dass die Schlange, auf der Maria betend steht, als Zeichen des (überwundenen) Bösen zu deuten sei.

Westheider empfiehlt, "dieses kleine Kunstwerk auch als deutliches Zeichen einer katholischen Volksfrömmigkeit" wahrzunehmen. Heiligenhäuschen und Bildstöcke sehe man in katholisch geprägten Gegenden noch häufig. "Wenn man mit dem Rad unterwegs ist, einfach mal absteigen und anschauen."

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group