Das Projekt „Small Kingdom“ von Drummer Andy Winter (r.) fand auf dem Dreiecksplatz eine angemessen große Throngesellschaft.
© Andreas Frücht

"Woche der kleinen Künste" Zwei außergewöhnliche Bands begeistern auf dem Gütersloher Dreiecksplatz

Auch das Mittwochs-Programm des beliebten Musik-Festival lockt etliche Kultur-Fans auf den Gütersloher Dreiecksplatz. Dieses Mal am Start: "Small Kingdom“ und Meena Cryle.

Matthias Gans

2022-08-11 18:21:45

Gütersloh. Auf Labels verzichtet die „Woche der kleinen Künste" schon seit Jahren. „Wenn ich eine Jazz- oder eine Rockabend ankündige, dann hält das womöglich Leute vom Besuch ab, denen die Musik vielleicht doch gefallen hätte", begründet Hans-Hermann Strandt, Vorsitzender der Kulturgemeinschaft Dreiecksplatz, diese Entscheidung. Recht hat er. Zum anderen: Welches Label will man einer Gruppe wie „Small Kingdom" aufdrucken? Jazz, Rock oder Weltmusik?

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Ein bisschen von allem befindet sich in der Wundertüte des „South African Project" des Österreichers Andy Winter. Und da auch das „Bowheme Berlin String Trio" beteiligt ist, hat das Ganze zuweilen auch einen Klassik- wie auch Avantgarde-Touch. Überraschend ist, wie gut der Materialmix in diesem Klanggewand genäht ist. Da reißt nichts und kneift nichts – die Musiker können sich wie maßgeschneidert darin bewegen, ohne ihre Individualität zu verlieren.

Small Kingdom

Die Stimme von Melanie Scholtz und das Sax-Spiel von prägen den Sound von "Small Kingdom". © Andreas Frücht

Nicht Schönwetter-Folklore wird geboten, schließlich geht es auch um die Demokratisierungsgeschichte Südafrikas. Und die forderte durchaus auch Hörbereitschaft, etwa wenn Regis Molina seine expressiven Saxofonsoli spielte oder Ron Spielmanns großes Gitarrensolo kurz vor Schluss den Ausdrucksrahmen erheblich weitete.

Doch in all dem ging die wunderbar weiche Stimme von Melanie Scholtz nicht unter. Der Südafrikanerin, die wohl das schönste Kleid in dieser "Woche der kleinen Künste" trug, merkte man ihre klassische Gesangsausbildung an. Doch nichts klang nach Oper oder in irgendeiner Weise gekünstelt. Ohne Zugabe ging es nicht von der Bühne.

Meena Crycle

Blues aus Österreich? Da zucken die meisten ratlos mit den Schultern. Mit Meena Cryle hatte die Kulturgemeinschaft indes die erfolgreichste Künstlerin des Landes in dieser Sparte, der auch Soul, Southern Rock und Country einkreist, gefunden. Als bislang einzige österreichische Musikerin ist die zu den American Blues Awards in Memphis, Tennessee, eingeladen worden. Wer ihren Auftritt auf dem Dreiecksplatz erlebte, wusste: Diese Ehre war verdient.

Mit einer Stimme, die direkt aus dem Mississippi-Delta hätte stammen können, sang sie ihre tiefempfundenen Songs. In Gitarrist Chris Fillmore hat sie einen Partner an ihrer Seite, der im gleichen Herzschlag diese Musik begleitet. Das hat Groove und Seele und wirkt so authentisch, dass der Vergleich mit Janis Joplin, Etta Jones oder Tina Turner nicht zu hochgegriffen ist.

Spätestens als in Bruce Springsteens "I'm on Fire" das Publikum ohne Aufforderung auf dem einmal mehr rappelvollen Dreiecksplatz den Refrain mitsang, dürfte es auch um die Oberösterreicherin geschehen sein. "Ich war noch nie in Gütersloh, aber ich liebe diesen Ort", gestand sie dem Publikum. Jubel war die Antwort.

Und dass sogar Balladen auf diesem großen Platz funktionieren, zeigte "Enough is Enough". Nicht nur hier zeigte Chris Fillmore seine Virtuosität und sein Bluesfeeling. Und mit einem Bassmann wie Angus "Bangus" Thomas an der Seite, der schon Miles Davis begleitete, muss man sich um den Groove ohnehin keine Sorgen machen. Americana mit oberösterreichischen Wurzeln – solche Überraschungen gibt es nur bei der „Woche". Auch hier: frenetisch geforderte und begeisternd gespielte Zugaben.

Das gibt es am Donnerstag, 11. August

Pohlmann, der Singer-Songwriter aus der Nachbarstadt Rheda-Wiedenbrück, ist der Opener am Donnerstag um 19.30 Uhr. Einen „wilden Mix aus Blues, Soul, Rock und R’n’B" versprechen Thorbjørn Risager & The Black Tornado aus Dänemark ab 21.15 Uhr.

Die NW dankt Wendy Godt für die freundliche Unterstützung, diesen Bericht in ihrem Geschäft „freude pur" aktuell an jedem Abend schreiben zu können.

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