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Jeder Schüler einer weiterführenden Schule in Gütersloh soll künftig mit einem Tablet arbeiten. - © Symbolfoto/Pixabay
Jeder Schüler einer weiterführenden Schule in Gütersloh soll künftig mit einem Tablet arbeiten. | © Symbolfoto/Pixabay

Gütersloh 20 Euro pro Kind und Monat für Schul-Tablet: "Können sich viele nicht leisten"

Eltern in Gütersloh sollen künftig die Schultablets ihrer Kinder finanzieren. 20 Euro monatlich würden dann pro Kind fällig - und das jeden Monat. Bei vielen stößt das großes Unverständnis.

Lena Vanessa Niewald
28.01.2020 , 11:30 Uhr

Gütersloh. Jeder Schüler ab Klasse 6 oder 7 einer weiterführenden Schule soll in Zukunft mit einem iPad ausgestattet werden. Die Stadt Gütersloh plant derzeit die Umsetzung dieser Maßnahme - die Finanzierung der elektronischen Geräte sollen dabei allerdings die Eltern tragen.

Bedeutet konkret: Monatlich müssten Eltern pro Kind 20 Euro zahlen. Viel günstiger gehe es nicht, hieß es kürzlich von Heidrun Elbracht, Schulleiterin der Janusz Korczak-Gesamtschule - vor allem weger der Versicherung gegen Glasbruch und wichtiger Ausstattungsmerkmale des Geräts. Der Vorstoß sorgt bei den Güterslohern derzeit für heftige Diskussionen.

240 Euro im Jahr - 720 Euro bei drei Kindern

"Das sind 240 Euro im Jahr. Das können sich doch gar nicht genug Leute leisten", kritisiert etwa eine NW-Leserin. Wenn man drei Kinder habe, komme man direkt auf 720 Euro im Jahr plus die Kosten für Schulbücher, Mappen und Co: "Viel zu teuer", fasst sie zusammen. Ein Mann ergänzt: "Unser Anspruch ist doch, dass das Bildungssystem allen zugänglich ist und nicht nur denen mit einer dicken Geldbörse."

Eine weitere Leserin sieht das genauso und meint, wenn ein Tablet zur Grundausstattung gehören muss, dann solle es auch von den Schulen selbst bezahlt werden. "Im Ernst, wie sollen das Familien am Existenzminimum noch zusätzlich stemmen? Was kommt als Nächstes?".

Werden Schulbücher dadurch ersetzt?

Tatsächlich ist derzeit offenbar für Härtefälle ein Sozialeuro bei der Anschaffung der iPads in der Diskussion; ob diese Unterstützung allerdings auch wirklich angeboten werden kann, ist derzeit noch unklar. "Wenn Geräte irgendwann zur Grundausstattung gehören, kann ich mir vorstellen, dass die Finanzierung auch über das Bildungs- und Teilhabegesetz abgerechnet werden kann", sagte Johannes Reckendrees, Schulleiter der Elly-Heuss-Knapp-Realschule vor wenigen Tagen.

Einige NW-Leser stellen allerdings nicht nur die Kosten in Frage, sondern die digitale Ausstattung für Schüler selbst. "Ich finde es ganz schlimm. Digitale Tafeln, iPads? Warum kann nicht einfach mit Kreide, Zettel, Papier und Büchern gearbeitet werden. Hat uns auch nicht geschadet", meint eine Leserin. Es reiche doch völlig aus, wenn zu Hause der Fernseher laufe und Tablets genutzt würden.

Ein anderer Leser ist der Meinung, dass Tablets und Co. nur Sinn machen, wenn die meisten Schulbücher dadurch ersetzt würden und Schüler keine schweren Schulranzen mehr schleppen müssten. Außerdem würden so die Anschaffungskosten entfallen und die digitalen Bücher wären immer auf dem aktuellsten Stand.

Interaktive Karten, Filme und Co. - besser als Bücher?

Neben all der Kritik gibt es aber auch positives Feedback. Ein Leser beschwert sich, dass viele denken, dass digitale Medien Kindern und Jugendlichen bloß schaden würden. "Aber genau wie bei Lebensmittel kommt es auf die Art und Weise an, wie man sie konsumiert", sagt er.

Ein Fernseher oder ein Tablet könne häufig mehr Wissen vermitteln als Bücher - lebendige Grafiken, interaktive Landkarten, kleine informative Filme über die Geschichte. "Sachen zu verteufeln, von denen man in der Vergangenheit nur Schlechtes gewohnt war, hilft nicht weiter. Und in der Vergangenheit leben erst recht nicht."

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