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Einmal im Monat trifft sich die Elterngruppe OWL in Gütersloh. - © picture alliance
Einmal im Monat trifft sich die Elterngruppe OWL in Gütersloh. | © picture alliance

Gütersloh Mama, ich bin homosexuell: Wie sich das Outing des eigenen Kindes anfühlt

Für viele Betroffene ist es ein enorm großer Schritt, der Familie zu sagen, dass man lesbisch oder schwul ist. Viele hadern Jahre mit sich. Wie wird es die Mutter auffassen – und was sagt der Vater?

Lena Vanessa Niewald
11.11.2019 | Stand 09.11.2019, 11:21 Uhr

Gütersloh. Mama, ich bin homosexuell. Es ist dieser eine Satz, auf den nur wenige betroffene Eltern vorbereitet sind. Manche spüren es vielleicht oder haben es schon geahnt. Manche gar nicht. Wie reagiert man als Mutter der Vater in einem solchen Moment? Was geht im Kopf vor? Die Mitglieder der Elterngruppe OWL BEFAH haben diesen Satz alle – so oder so ähnlich – schon gehört. BEFAH steht für Bündnis der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen. Ihre Kinder sind lesbisch, schwul, haben eine Transidentität. Heidi P. ist schon seit vielen Jahren dabei – mittlerweile gehört sie mit zum Organisatoren-Team. Ihr Sohn hat sich vor einigen Jahren geoutet. Er ist schwul. Für P. mittlerweile total normal. Sie komme damit zurecht, sehr gut sogar. Und doch tue es immer wieder gut mit Menschen zu sprechen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wie hast du dich gefühlt? Einmal im Monat trifft sich P. mit Müttern und Vätern der Elterngruppe im Haus der Begegnung. Ganz unverfänglich. Ganz locker. „Wir sprechen in einem geschützten Raum über das, was uns bewegt – was wir erlebt haben und wie wir damit umgehen", sagt P. Grundregel Nummer Eins sei, dass alles Gesagte auch in den Räumen bleibt. Nur unter dieser Voraussetzung könne überhaupt Vertrauen entstehen, so die Organisatorin. Wie hast du dich gefühlt, als es dir dein Sohn oder deine Tochter gesagt hat? Wie geht es dir heute? Was stellt dich noch immer vor Herausforderungen? Fragen, auf die die Eltern in der Gruppe ganz ehrlich antworten. „Es tut gut mit Gleichgesinnten zu sprechen. Wir bereden oft Dinge, die wir unseren Kindern gegenüber nicht ansprechen möchten. Einfach, um sie nicht noch mehr zu belasten", sagt P. "Es ist leider noch lange nicht selbstverständlich" Alle in der Gruppe würden offen mit dem Thema „Schwul oder lesbisch sein" umgehen und sich gegenseitig unterstützen. Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit lasse allerdings noch immer in vielen Situationen zu wünschen übrig. „Man wird nicht immer nett behandelt, wenn man offen spricht. Der Begriff schwul ist noch immer sehr häufig negativ belastet – vor allem in der Jugendsprache. Ich sage meist nichts, wenn ich etwas Abwertendes höre. Aber es trifft mich noch immer." Erster Pride Day in Gütersloh Der Umgang mit Männern und Frauen, die gleichgeschlechtliche Partner haben, sei in den vergangenen Jahren offener geworden, sagt P. – aber es sei noch lange nicht selbstverständlich, wenn sich zwei junge Frauen küssen. Prominente Vorbilder in der Politik oder in der Fernsehbranche würden helfen, zu sensibilisieren, trotzdem liege es an jedem Einzelnen, Toleranz zu üben und diese Haltung auch nach außen zu tragen. Der erste Pride Day in diesem Jahr in der Gütersloher Innenstadt sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Viele bunt verkleidete junge und ältere Gütersloher zogen am 17. Mai durch die Straßen und schwenkten fröhliche Regenbogen-Fahnen. Der Tag wurde bewusst ausgewählt, denn am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität als psychische Erklärung aus ihrem Diagnoseschlüssel. Heidi P. „Die Reaktionen waren super. Das macht Mut."

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