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Der Neubau aus der Vogelperspektive. Er breitet sich auf einem Grundstück von 4.000 Quadratmetern aus. - © LWL
Der Neubau aus der Vogelperspektive. Er breitet sich auf einem Grundstück von 4.000 Quadratmetern aus. | © LWL

Gütersloh Standort für Psychosomatik-Klinik in Gütersloh wird verlegt

Der Landschaftsverband verlegt den Standort für den Neubau. Dort werden künftig Depressive, Essgestörte, Traumatisierte und andere Patienten behandelt.

Ludger Osterkamp
18.09.2019 | Stand 17.09.2019, 18:08 Uhr

Gütersloh. Das LWL-Klinikum baut seine neue Klinik für Psychosomatik an anderer Stelle als bislang geplant. Statt nahe am Parkplatz Buxelstraße zieht der Landschaftsverband den Neubau nun in der Mitte des Geländes, neben Kreuzkirche und vis-à-vis von Festsaal und See, hoch. Mit 10,035 Millionen Euro sind auch die veranschlagten Baukosten gestiegen, und zwar um knapp 700.000 Euro. Der Landschaftsverband will Anfang 2020 mit dem Bau beginnen; er rechnet mit einer Bauzeit von rund 20 Monaten. Den Beschluss hatten die Fraktionen in der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe bereits im Sommer vergangenen Jahres getroffen, einstimmig. Belegungszahlen steigen seit Jahren Die Klinik wird demnach 48 Betten haben - im ersten Obergeschoss eine Station für Psychosomatik und im zweiten Obergeschoss eine Station für Depressionsbehandlung, beide mit jeweils 24 Betten. Im Erdgeschoss finden sich die zentralen Dienste, die ambulanten Behandlungsangebote und eine Tagesklinik mit zehn Plätzen. Der LWL reagiert damit auf die starke Zunahme von psychosomatischen und depressiven Erkrankungen; die stationären Belegungszahlen steigen seit Jahren um fast zehn Prozent. Gebäude-Puzzle auf dem Gelände Bislang hatte der LWL geplant, die neue Klinik hundert Meter vom Parkplatz Buxelstraße entfernt zu bauen, dort, wo links das Haus 8 für Suchtkranke steht. Dieses Gebäude, aus 1959 stammend und zu aufwändig zum Sanieren, bleibt nun vorerst stehen; es wird erst abgerissen, wenn der Psychosomatik-Neubau fertig ist: Dann nämlich zieht die aktuelle Psychosomatik aus Haus 6 um und wird für die Suchtkranken frei. Nach den ursprünglichen Plänen hätten die Suchtkranken vorübergehend in ein ehemaliges Gebäude der Bernhard-Salzmann-Klinik (Haus 55) umziehen sollen, jedoch habe sich erwiesen, dass dieses Gebäude überraschend umbaureif war, und selbst dann wären die Einschränkungen so groß gewesen, dass die Klinik Erlös-Einbußen in Kauf hätte nehmen müssen. Stattdessen setzt der LWL den Neubau nun auf die unverbaute, teils bewaldete Fläche neben der Kreuzkirche. Ihr Vorteil, so der LWL: Sie liegt in der Nähe von Haus 10 (das Sozialzentrum mit Tagungsräumen, Schwimmhalle, Bibliothek, Kiosk, Frisör und Patientenrestaurant) und der Außensportanlagen. Erschlossen wird auch dieser Bau über die Buxelstraße. 4.000 Quadratmeter Wald wird gerodet Das in den Fokus genommene Gelände liegt außerhalb der definierten Gartendenkmal-Zone. Dennoch kommt der LWL nach eigenen Angaben nicht umhin, in erheblichem Umfang Bäume zu fällen - demnach werden rund 4.000 Quadratmeter Wald gerodet. Der LWL kündigt an, in Abstimmung mit dem Regionalforstamt OWL für jeden gefällten Baum zwei neue zu pflanzen. "Ziel ist es, die Eingriffe in den Naturhaushalt möglichst verträglich zu gestalten", heißt es. Auch bei dem Neubau an ursprünglicher Stelle hätten Bäume, überwiegend Buchen, weichen müssen; dort war sogar von 5.000 Quadratmetern die Rede. In dem künftigen Neubau sollen die beiden Stationen für Psychosomatik und Depression offen geführt werden. Die Patienten sind in Einzel- und Doppelzimmern untergebracht, jedes mit Dusche und WC. Die Zimmer sind alle gleich groß, um sich langfristig Belegungen mit Fettleibigen, Übergroßen und Patienten mit Wahlleistungen offen zu halten. Jede Station hat einen eigenen Tagesbereich, eine Küche mit Speiseraum und zwei Gruppenräume. Wider Erwarten muss die Klinik neue Möbel kaufen Errichtet wird das Gebäude massiv. Das Sockel- (Erd-)geschoss bekommt helle Vormauersteine, die beiden Stationsgeschosse einen hellen Kratzputz. In Material- und Farbwahl lehne es sich an die neue, nahe Bernhard-Salzmann-Klinik an und füge sich "respektvoll und unaufgeregt" in die Landschaftsstruktur ein. Die höheren Kosten erklärt das LWL mit der allgemeinen Baupreisentwicklung, den Anforderungen der Energiesparverordnung und dem Preis der Photovoltaik auf dem Dach. Auch sei klar geworden, dass man die vorhandene Ausstattung und die Möbel wider Erwarten nicht wiederverwenden könne - allein das mache 244.000 Euro aus. Von den 10,035 Millionen Euro übernimmt das Klinikum 7,99 Millionen aus Eigenmitteln. 1,45 Millionen steuert das Land bei, 591.000 Euro (Grundstückskosten) der Landschaftsverband.

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