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Ingrid Schmalhorst-Westhoff ist stolz auf die Qualität ihrer hausgemachten Schinken. Geschlachtet werden nur die eigenen Tiere, die auf dem Familienhof in Rietberg aufwachsen. - © Andreas Frücht
Ingrid Schmalhorst-Westhoff ist stolz auf die Qualität ihrer hausgemachten Schinken. Geschlachtet werden nur die eigenen Tiere, die auf dem Familienhof in Rietberg aufwachsen. | © Andreas Frücht

Gütersloh Wo das Schnitzel in Gütersloh besser schmeckt als bei Oma

Ingrid Schmalhorst-Westhoff hat vor 35 Jahren in die Landfleischerei ihres Mannes eingeheiratet. Ihre hausgemachten Fleisch- und Wurstspezialitäten sind ein Geheimtipp.

Nicole Hille-Priebe
14.09.2019 | Stand 14.09.2019, 10:55 Uhr

Gütersloh. "Meine Kinder sagen, dass die Schnitzel hier besser schmecken als bei Oma", sagt eine Kundin, die verständlicherweise lieber anonym bleiben möchte - denn wer will schon Stress mit der Oma? Auch der hausgemachte Kartoffelsalat und die frisch ausgebackenen Frikadellen, die Ingrid Schmalhorst-Westhoff mittags im Angebot hat, riechen und schmecken wie daheim. "Auf unserem Hof ist die Welt noch in Ordnung" Seit fünf Jahren steht der Wagen der Rietberger Landfleischerei immer donnerstags und samstags direkt am Wasserband auf dem Wochenmarkt auf dem Berliner Platz. Stammkunden schätzen besonders die große Auswahl an selbst gemachten westfälischen Wurstspezialitäten aus eigener Schlachtung. "Auf unserem Hof ist die Welt noch in Ordnung: Wir schlachten und verarbeiten nur unser eigenes Vieh aus unserer Landwirtschaft. Es ist ein Kreislauf: Die rund zwei Dutzend Rinder, 30 bis 50 Schweine und dazu noch Hühner werden mit regional erzeugtem Futter versorgt und können in aller Ruhe auf tiergerechte Art heranwachsen - keine Massenproduktuin und keine Massenhaltung." Geräuchert wird nach altem Hausrezept "Unser Aushängeschild sind unsere Schinken, vom Kochschinken bis zu unseren gesalzenen und geräucherten Schinken nach altem Hausrezept - wie früher mit acht bis neun Monaten Reifezeit." In der Industrie liefe das anders, da werde mit Salzlake gespritzt und der ganze Prozess auf fünf Tage verkürzt. "Das schmeckt man dann aber auch", sagt Schmalhorst-Westhoff, die vor 35 Jahren auf den Hof eingeheiratet hat. Bis heute schlachtet ihr Mann, das Zerlegen und Wursten übernimmt der eine Sohn, der schon mit neunzehn seinen Fleischermeister hatte. Der zweite ist Geflügelwirt. "Und alle sind zu Hause", sagt sie stolz. "Eigentlich wollte ich Modedesignerin werden" Dass Ingrid Schmalhorst-Westhoff später einmal ein Landleben führen würde, war nicht selbstverständlich. "Ich bin in der Siedlung aufgewachsen und wollte eigentlich immer Modedesignerin werden. Ich komme aus einer Schneiderfamilie", erzählt die 56-Jährige. "Als meine beiden Jungs noch klein waren, habe ich oft abends noch etwas für sie genäht." Dafür bleibt ihr heute nur noch wenig Zeit, schließlich machen sich der hausgemachte Kartoffelsalat und die frisch panierten Schnitzel nicht von selbst und gehen immer. Andere Angebote folgen den Jahreszeiten: "Die Grillsaison ist fast vorbei. Jetzt kommt die Zeit für Rinderbraten und Kohleintopf - Mettenden sind bereits stark nachgefragt."

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