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Im unsichtbaren Teil der Anlage warten die Loks auf ihren Einsatz. - © Andreas Frücht
Im unsichtbaren Teil der Anlage warten die Loks auf ihren Einsatz. | © Andreas Frücht

Gütersloh "Sonntags ist immer Fahrbetrieb": Von der Gütersloher Liebe zur Modellbahn

Die Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Gütersloh

Ingo Müntz
01.09.2019 | Stand 31.08.2019, 13:14 Uhr

Gütersloh. In Boppard am Rhein ist gerade Rushhour: Eine Dampflokomotive zieht Rheingoldwaggons vorbei, ein ICE donnert heran, zehn Wagen im Schlepp. Zwischen dem Donnern, Schnaufen und Pfeifen steht Oliver Henke, die Fernbedienung in der Hand. Er gibt Rangierbefehle ein, Anweisungen an den Schattenbahnhof, Abfahrtsignale. „Sonntagvormittag ist immer Fahrbetrieb. Dann treffen wir uns hier im Bahnhof Avenwedde. Manche tüfteln, manche programmieren, manche kommen einfach nur zum Plaudern", sagt der Vorsitzende der Eisenbahn- und Modellbaufreunde. Oben, fast unter dem Dach des Bahnhofs Isselhorst-Avenwedde, steht die Anlage. "Wir haben noch Arbeit für Jahre" Aktuell bauen, sägen und schleifen die Modellbahnfreunde am Bahnhof Boppard herum. „Wir haben noch Arbeit für Jahre", sagt Henke. „Wir haben 28 Mitglieder, und jedes Mitglied hat seine Aufgaben, Neigungen und Schwerpunkte." Sie bedienen sich eines 3-D-Druckers und eines Holzlaser-Cutters für den Nachbau der Gebäude. „Für die Anlage haben wir vor Ort recherchiert. Aktuell bauen wir zum Beispiel Häuser aufgrund von Fotos nach." Die Modellbahnanlage ist komplett digital gesteuert. Kupplungsvorgänge, Licht im Führerhaus, Weichenstellen, alles ist mit dem Computer möglich. Was bringt denn nun einen 41-Jahre alten Mann dazu, Modellbahnen zu bauen, Züge fahrenzulassen? „Ich bin früh davon infiziert worden, freue mich immer, wenn ich Gleise sehe. Und wenn ich hier im Bahnhof bin, baue und die Züge fahren, kann ich entspannen", sagt der Elektriker. „Zudem ist die Eisenbahn ein wichtiger Teil unserer Wirtschaft, unserer Kultur. Das interessiert mich. Und speziell bei den Dampfloks ist es toll was zu sehen und zu hören. Es ist eine Maschine, die ein Stück weit lebt." Neue Mitglieder werben Die Mitglieder bringen ihre Talente ein. „Ein Tischler macht bei uns zum Beispiel die Holzarbeiten für die nachgebauten Gebäude, ein Elektroingenieur macht die Programmierung, andere warten die Fahrzeuge und die Anlage", sagt Henke. Auf den Bürgertag geht der Verein, um neue Mitglieder zu werben. „Das ist das Schöne an unserem Verein. Jeder kann sich vor Ort Tipps holen. Das ist doch viel effektiver, als vor dem Computer zu sitzen. So hat zum Beispiel ein neues Vereinsmitglied unsere digitale Steuerung gesehen und sie auch zuhause installiert." Es sei auch phasenweise ein teures Hobby. „Mancher hat nicht das Geld, mancher nicht den Platz. Und wir tun uns zusammen und können uns eine große Anlage leisten. Neue Investitionen finanzieren wir durch unsere Mitgliedsbeiträge, Spenden und die Jahresausstellung, die jeweils am zweiten Novemberwochenende stattfindet." "Wir möchten zeigen, dass es uns gibt" Am Bürgertag möchten die Vereinsfreunde auf die tolle Anlage aufmerksam machen, fast unter dem Dach. Ganz unter dem Dach haben sie dann noch eine kleine Longe, eine Bar, von der man direkt auf das Gleis der großen Bahn guckt. „Wir möchten zeigen, dass es uns gibt. Manche Menschen wohnen hier seit 30 Jahren und kennen uns nicht. Und da sind bestimmt Modelleisenbahnfreunde drunter!" Infos zum 2. Bürgertag am 7. September auf Dreiecksplatz und Theodor-Heuss-Platz gibt es auf www.guetersloh-marketing.de. Und zum Verein der Eisenbahnfreunde unter www.emfgt.de

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