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Gemessen wurden in der Nacht 1,7 Promille. - © picture alliance
Gemessen wurden in der Nacht 1,7 Promille. | © picture alliance

Gütersloh Dubioser Fall: Mann mit 1,7 Promille im Straßenverkehr unterwegs

25 Jahre hat der Mann eine Bekannte nicht gesehen - dann soll es plötzlich eine Verabredung gegeben haben. Das Komische: Die Frau ist gar nicht zu Hause. Der Mann betrinkt sich und steigt ins Auto.

Rolf Birkholz
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 09:47 Uhr

Gütersloh. Am 26. Januar war ein Mann nachts aus Biele­feld nach Gütersloh gefahren, um nach seinen Angaben eine alte Bekannte zu besuchen und, wie mit der verabredet, dort zu übernachten. Beim Klingeln an der vermeintlichen Adresse reagierte zwar niemand, aber sein Auftreten machte andere aufmerksam. Die Polizei wurde gerufen. Wegen alkoholbedingter Fahrlässigkeit im Verkehr und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte stand der 40-Jährige jetzt vor Gericht. Die Widerstandshandlung räumte der Angeklagte auch gleich ein. Der heikle Punkt in diesem Fall ist der Alkoholisierungs­grad. Gemessen wurden in der Nacht 1,7 Promille. Der Bielefel­der gab aber an, er sei nach dem vergeblichen Läuten an der Tür seiner seit Schultagen nicht mehr gesehenen Bekannten (Rich­ter: „Das war der spontan verabredete erste Besuch seit 25 Jah­ren?" Angeklagter: „Ja.") zu seinem Auto gegangen und habe mindestens ein Drittel einer mitgebrachten 0,7-Liter-Flasche Whiskey getrunken. Jetzt soll ein Gutachten helfen Ein Zeuge, der gesehen hatte, wie der Mann seinen Wagen im Umfeld des Hauses an der Dammstraße umparkte und von ihm torkelnd und lallend angesprochen worden war, erklärte: „Der war betrunken." Er sei distanzlos, jedoch nicht aggressiv gewe­sen. Die mit der Sache befassten beiden Polizistinnen konnten nicht mehr sagen, ob sie in das Auto des Angeklagten geschaut und dort eine Getränkeflasche wahrgenommen hatten. Einen Durchsuchungsbefehl hätten sie jedenfalls nicht gehabt. Die Verhandlung wurde ausgesetzt, um ein Gutachten anzufor­dern. Es soll klären helfen, ob ein relevanter Nachtrunk stattge­funden hat, der gemessene Promillewert so mithin niedriger an­zusetzen wäre. Darum geht es dem Verteidiger. Er will mög­lichst einen längeren Entzug der Fahrerlaubnis seines Mandan­ten und vor allem eine medizinisch psychologische Untersu­chung (MPU) verhindern.

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