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20 Farmen beliefern den Betrieb. - © Thorsten Ulonska
20 Farmen beliefern den Betrieb. | © Thorsten Ulonska

Kreis Gütersloh Wetten, dass Sie schonmal ein Ei von diesem Hof gegessen haben?

Der Landwirt Thomas Determeyer hat aus seinem Bauernhof einen Betrieb gemacht, der 18 Mitarbeiter beschäftigt. Owi-Ei macht inzwischen zwölf Millionen Euro Umsatz.

Ludger Osterkamp
18.07.2019 | Stand 18.07.2019, 18:42 Uhr

Kreis Gütersloh. 250.000 bis 300.000: Die Zahl der Eier, die die Erzeugergemeinschaft Owi-Ei täglich sortiert, verpackt und ausliefert, ist enorm. Binnen weniger Jahre hat Thomas Determeyer (42) aus dem Bauernhof seiner Eltern einen veritablen Mittelständler geformt. Jetzt empfing er Besuch von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. Die beiden Herren verstanden sich. Laumann, Bauernsohn, CDU-Politiker und gelernter Agrar-Maschinenschlosser aus dem Kreis Steinfurt, fachsimpelte über Landmaschinen und Schützenfeste, über Biogasanlagen und darüber, wie diese in viehstarken Gegenden die Bodenpachtpreise in die Höhe treiben. Gekommen war er indes aus einem anderen Grund: Laumann wollte hören, wie sein Förderprogramm wirkt. Es heißt "Potenzialberatung". Von Marktkauf bis Edeka: Der Betrieb beliefert 80 Supermärkte in der Region Diese Beratung können Unternehmer kleiner und mittlerer Größe in Anspruch nehmen, wenn sie Dinge digitalisieren. Zehn Beratungstage fördert das Land, Kosten: 5.000 Euro. Owi-Ei hat dieses Programm bereits dreimal in Anspruch genommen, 2011, 2016 und 2019. "Es hilft uns", sagt Thomas Determeyer. Für Owi-Ei hat die Beratungsfirma InnovaKom unter anderem ein digitales Qualitätsmanagement eingeführt, ein Handbuch dafür erstellt und nun auch Aspekte wie die Rückverfolgbarkeit für jedes einzelne Ei (gegen "Food fraud") darin aufgenommen. Dass ein Unternehmen wie Owi-Ei sich solchen Themen stellen muss, ist klar. 18 Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb, er beliefert 80 Supermärkte in der Region. Marktkauf, Real, Edeka, Rewe, Combi, die Elli-Märkte: Sie alle sind dabei. Die Hälfte der täglich bis zu 300.000 Eier geht an diese Einzelhändler, die andere an Wiederverkäufer (z.B. Marktstände) und die Lebensmittelindustrie. Owi-Ei sammelt dafür die Eier seiner 20 Legebetriebe aus Ostwestfalen ein, von Stemwede bis Nieheim. Die Streuung über diese große Region hilft der Erzeugergemeinschaft, lieferfähig zu bleiben, bräche in einem der Orte die Geflügelpest aus. Der weitaus größte Teil stammt aus Boden- und Freilandhaltung, die wenigen Bio-Eier bezieht Owi-Ei über Partnerbetriebe. "Ich brauchte eine Firma mit einem einprägsamen Namen" Thomas Determeyer berichtet seinem prominenten Gast beim Rundgang gerne über die Anfänge des Betriebes. Mit seinem Bruder Sebastian hat der staatlich geprüfte Landwirtschaftsmeister und ehemalige Raiffeisen-Beschäftigte 2003 auf dem elterlichen Hof am Sporkfeld mit der Geflügelwirtschaft angefangen. 2007 entschieden sie sich, eine eigene Firma zu gründen, mit eigenem Markenauftritt. "Ich brauchte einen einprägsamen Namen. Owi-Ei steht für das Ei aus Ostwestfalen mit dem i-Tüpfelchen." Als ersten großen Abnehmer gewann er Marktkauf. Als wenig später dessen Mutter, die AVA, die Freigabe für alle Marktkauf-Häuser gab, nahm das Geschäft Fahrt auf. Bald folgten die anderen Ketten. Zwölf Millionen Euro Umsatz macht Owi-Ei inzwischen. Ein Bauernhof ist das nicht mehr, vielmehr ein Handelsbetrieb mit Zentrallager in Langenberg. In den alten Schweineställen und Scheunen hat Determeyer moderne Verpackungsmaschinen aufgestellt, die kartonierten Eier rollen dort über Bänder und werden nach Größe und Abnehmer für die Auslieferung vorbereitet. Marcel Rump, ein junger, dennoch langjähriger Mitarbeiter, sorgt dafür, dass der Laden läuft. Daneben hält Determeyer, ein Junggeselle, noch 180 Mastbullen; Kühe hat er schon lange nicht mehr. Sein Bruder Andreas ist 2010 aus dem Betrieb ausgestiegen, widmet sich stattdessen der Junghennenaufzucht. Sein Problem ist die schlechte Anbindung ans Internet Laumann macht sich schlau über Transportwege, Fuhrpark, Lagerung, Maschinisierung. Was Determeyers größtes Problem bei der Digitalisierung sei? "Das schlechte Internet", sagt der Firmenchef. Eine Leitung mit sechs Megabit, was sei das schon? Demnächst werde er sich selbst darum kümmern, an die Glasfaser zu kommen, einen Graben von 250 Metern muss er dafür ziehen. "Geht ja sogar noch", kommentiert Laumann. In manchen Orten auf dem Lande seien größere Entfernungen zu überbrücken. Der Minister, kürzlich auf Auslandsreise, erzählt von seinem Besuch in Rumänien, wo es überall Empfang und gutes Netz gebe. "Deutschland ist davon leider noch sehr weit entfernt." Schwierig am Prozess der Digitalisierung sei es, die Beschäftigten mitzunehmen, sagt Laumann. Die "Potenzialberatung" diene auch diesem Zweck. Andreas Lühmann von der vermittelnden Regionalagentur OWL ("Gesellschaft zur Förderung der Region") sagt, theoretisch seien landesweit 800 Beratungen pro Jahr im Topf. Ergäbe in Summe ein Fördervolumen von vier Millionen Euro, aber: Der Topf werde oft nicht ausgeschöpft. "Ein Kommunikationsproblem der Kammern", vermutet Laumann. Sie müssten das Programm bekannter machen. Beraterfirma ist auf die Lebensmittelindustrie spezialisiert Bei Owi-Ei ist es Imke Maria Lankamp, die das Programm umsetzt. Die Projektleiterin von InnovaKom hat sich auf Betriebe der Lebensmittelindustrie spezialisiert, derzeit berät sie rund 20 Unternehmen. Meistens gehe es um Qualitätsmanagement, um Prozessoptimierung, Energie- und Unterhaltungsaufwand. "Viele kleine und mittlere Betriebe sind auf Unterstützung bei der Digitalisierung angewiesen", sagt Lankamp. "Es ist ein Irrglaube, die Umstellung auf die moderne Arbeitswelt gelingt von ganz alleine."

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