Der Schotterhersteller Zimmermann hat bislang nur eine Genehmigung für die Lagerung des Schutts - der Steinbrecher darf erst in Betrieb gehen, wenn die Auflagen erfüllt sind. - © Andreas Frücht
Der Schotterhersteller Zimmermann hat bislang nur eine Genehmigung für die Lagerung des Schutts - der Steinbrecher darf erst in Betrieb gehen, wenn die Auflagen erfüllt sind. | © Andreas Frücht

Gütersloh Lärm und Staub: Anwohner klagen gegen Schotter-Anlage in Gütersloh

Im Gütersloher Ortsteil Avenwedde wehrt sich eine Gruppe von 30 Familien gegen Lärm und Staub eines Betriebes. Sie fürchten um die Gesundheit ihrer Kinder.

Nicole Hille-Priebe
13.07.2019 | Stand 13.07.2019, 15:43 Uhr

Gütersloh. Im Streit um das Unternehmen Zimmermann Erdarbeiten am Pappelweg in Avenwedde überstürzen sich zurzeit die Ereignisse. Anwohner Hubertus Bettenworth hat die Neue Westfälische gerufen, weil auf dem nur durch einen Wall von seinem Garten getrennten Areal seiner Meinung nach neuerdings verbotenerweise Asphalt gelagert werde. „Ich mache mir Sorgen um die Gesundheit meiner Kinder, denn mein Sohn ist Asthmatiker", sagt der zweifache Vater beim Ortstermin auf dem Wall. Von dort hat man einen guten Blick auf den Betrieb. Hören kann man ihn schon von weitem, denn bei Zimmermann werden jeden Tag Hunderte Tonnen Schutt abgeladen, die später im Steinbrecher zu Schotter werden. Das macht nicht nur mächtig Krach, sondern sorgt auch für große Mengen an Staub und ist für die gesamte Nachbarschaft ein Ärgernis – zumal Zimmermann jahrelang ohne Genehmigung arbeitete. Das Unternehmen wurde vor fünf Jahren gegründet, aber erst im Juli 2017 beantragte Zimmermann eine Genehmigung. Die Anwohner hatten dem Kreis Gütersloh deswegen immer wieder vorgeworfen, einen illegalen Betrieb zu dulden. Der Betrieb ist an strenge Bedingungen geknüpft Ende Juni dieses Jahres genehmigte der Kreis schließlich den Betrieb der Abfallbehandlungsanlage – allerdings nur unter bestimmten Auflagen. So lange die nicht erfüllt sind, darf Zimmermann seinen Steinbrecher nicht anwerfen. Während der Betrieb dieser Brecher- und Siebanlage an die Bedingungen geknüpft ist, darf der Lagerplatz jedoch bereits betrieben werden. Asphalt gehört aber nicht zu den Abfällen, die gelagert werden dürfen, heißt es in einem Schreiben der zuständigen Behörde, das der NW vorliegt. Da der Schutt, der zuletzt angeliefert wurde, von den Bauarbeiten an der Avenwedder Straße um die Ecke stammt, mutmaßen die Nachbarn nun, dass es sich bei den teilweise dunkel verfärbten Brocken um Asphalt handelt. „Gestern Abend hatte sich dann ein schwarzer Belag auf alles gelegt: auf den Terrassentisch, im Sandkasten – alles war schwarz, nachdem man drüben den Schutt abgeladen hatte. Der Westwind trägt alles zu uns rüber – wir wissen gar nicht, ob wir die Kinder überhaupt noch in den Garten lassen können", sagt Bettenworth, der seit 22 Jahren in seinem Haus wohnt. „Aber wir wollen keinen Kleinkrieg, sondern Fakten sprechen lassen." Andere leben bereits seit ihrer Geburt in der Nachbarschaft, die durch den Betrieb stark beeinträchtigt wird. Einer von ihnen ist Andreas Gehle, der sich ebenfalls der Initiative angeschlossen hat. „Wo sind die Kontrollorgane? Was zählt denn der Mensch noch in diesem Land?", fragt der 54-jährige Avenwedder. Zimmmermann betont, dass an den Vorwürfen nichts dran ist Als er mit den Vorwürfen konfrontiert wird, reagiert Kai Zimmermann zunächst lautstark. „Meinen die alle, ich bin bescheuert? Ich will da in Ruhe arbeiten – warum sollte ich jetzt etwas tun, das meine Pläne gefährdet?" Kurze Zeit später meldet er sich noch einmal zurück, jetzt etwas ruhiger. Er lädt die NW ein, sich auf seinem Hof mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass an dem Vorwurf der Nachbarn nichts dran ist. Vor Ort zeigt sich: Sechs Lkw-Ladungen sind von Zimmermann bislang an der Avenwedder Straße abgetragen und auf seinem Hof abgeladen worden. „Das ist alles sauberer Beton, auch wenn manche Stücke dunkel eingefärbt sind. Es handelt sich dabei nur um die Ringsteine – jeder Brocken Asphalt wurde abgekratzt", beteuert der Unternehmer. Auch die Behörde sei bereits zur Kontrolle da gewesen und habe nichts beanstandet. In der Pressestelle des Kreises Gütersloh hieß es hingegen später, man wolle sich die Sache erst noch genauer ansehen. „Das Unternehmen Zimmermann muss sich an seine Genehmigung halten – sonst drohen Konsequenzen", sagte die Sprecherin auf Nachfrage. Die Initiative hat Klage gegen Zimmermann eingereicht Die Initiative der Nachbarn hat den Glauben an Unterstützung durch den Kreis jedoch mittlerweile verloren. Ende Juni hatten die Mitglieder daher bei einem Treffen einstimmig beschlossen, Klage einzulegen. Dies ist nun offenbar geschehen: „Bei uns ist heute eine Klage gegen Zimmermann eingegangen", hieß es aus der Pressestelle. Der Kampf geht also in die nächste Runde.

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