Manch Schüler fürchtet sich vor schlechten Noten auf seinem Zeugnis, oft haben sie Angst, Ärger mit den Eltern zu bekommen. - © picture alliance / Philipp Brandstädter/dpa
Manch Schüler fürchtet sich vor schlechten Noten auf seinem Zeugnis, oft haben sie Angst, Ärger mit den Eltern zu bekommen. | © picture alliance / Philipp Brandstädter/dpa

Gütersloh Warum Eltern auch bei schlechten Noten entspannt bleiben sollten

Tausende Schüler erhalten heute ihre Zeugnisse. Christiane Piepenbrock, Schulleiterin der Gütersloher Geschwister-Scholl-Schule, rät von Vorwürfen und Strafen ab.

Oliver Herold
12.07.2019 | Stand 12.07.2019, 10:20 Uhr

Gütersloh. Hurra. Letzter Schultag. Sommerferien. Doch zuvor, oje, bekommen 41.793 Schüler im Kreis Gütersloh ihre Zeugnisse überreicht. Die Angst vor schlechten Noten lassen manche in ängstliche Aufregung und einige Eltern in wütende Wallung geraten. Was gar nicht nötig ist, wie Christiane Piepenbrock, Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Schule (GSS), betont. „Bleiben Sie entspannt, auch wenn das Zeugnis nicht ihren Erwartungen entspricht", rät Piepenbrock. Denn ein schlechtes Zeugnis sei für jedes Kind ein Schlag gegen das Selbstvertrauen. Damit es diese Erfahrung meistern kann, ohne Schaden zu nehmen, braucht es nun vor allem eines: Hilfe und Unterstützung. „Natürlich können Sie ihrem Kind sagen, dass Sie andere Vorstellungen haben und sich über bessere Noten gefreut hätten, das ist legitim." Gemeinsam Lösungen suchen Aber: Strafen wie Handyverbote oder Hausarrest seien kontraproduktiv, sie erzeugen Angst und blockieren. Vielmehr müsse man versuchen, im Gespräch die Ursachen zu klären und Lösungen erarbeiten – in ruhigem Ton und ohne Vorwürfe. „Sprechen Sie mit Ihrem Kind, hören Sie zu und überlegen Sie gemeinsam, was es hätte anders machen können, um beispielsweise die Fünf in Chemie zu vermeiden", sagt die Schulleiterin. „Stellen Sie dann gemeinsam einen Plan auf, was zu tun ist, damit es im nächsten Schuljahr besser werden kann." Beispielsweise mit Nachhilfe oder mit gemeinsamem Lernen. Gefragt sei nun Motivation, nicht Frustration. Gleichwohl habe Piepenbrock, die seit 1991 Schulleiterin der GSS ist, in den vergangenen Jahren eine veränderte Erwartungshaltung der Eltern beobachtet, der Druck steige. „Bei einigen zählen nur Einsen oder Zweien, eine Drei ist oft schon eine schlechte Zensur", sagt sie. Zuweilen würden sich Eltern sogar bei der Schule beschweren. „Das ist selten, kommt aber vor." In diesem Fall lade man die Eltern in die Schule ein und setzte sich mit den Lehrern zusammen, damit „alle Fakten auf den Tisch kommen". Schließlich sollen die Eltern Vertrauen in die Schule haben und verstehen, wie bestimmt Noten zustande kommen. Gegen Zensuren geklagt habe bisher noch niemand, obwohl es diese Möglichkeit gibt. Eine Drei oder eine Vier muss nicht zwangsläufig eine schlechte Note sein Doch wie definiert man ein gutes Zeugnis, wie ein schlechtes? „Das ist individuell und hängt immer vom Leistungsvermögen und der Persönlichkeit des Kindes ab", sagt Piepenbrock. So hätten manche Kinder eher eine Affinität zu Mathe, andere mehr zu Deutsch, wieder andere zu Englisch oder Französisch. „Eine Drei oder eine Vier muss also nicht zwangsläufig eine schlechte Note sein, denn eine Drei ist befriedigend und eine Vier ausreichend." Auch sei es wichtig, nicht nur auf die Noten zu schauen, sondern zu erkennen, dass sich Sohn oder Tochter das Schuljahr über angestrengt oder schulisch engagiert haben. Hat das Kind an AGs oder Gruppenarbeiten teilgenommen, war es Sporthelfer, in welchem sozialen Kontext steht es zu seinen Mitschülern? Also gibt es gar keine schlechten Zeugnisse? „Doch", sagt Piepenbrock, „die gibt es." Und zwar dann, wenn Intelligenz und Potenzial vorhanden seien, das Kind aber keinerlei Anstrengung unternommen habe oder schlichtweg faul war. „Erläutern Sie in diesem Fall ihrem Kind, dass es selbst die Verantwortung für seinen Erfolg hat." Und dann gibt es natürlich noch diejenigen Schüler, die das Schuljahr nicht schaffen und sitzenbleiben. Allerdings habe die Zahl der Sitzenbleiber in den vergangenen Jahr immer mehr abgenommen, da die individuelle Förderung intensiver geworden sei und Defizite deutlich früher erkannt würden. An der GSS liege die Zahl konstant bei unter zwei Prozent. Auch wenn es Eltern nicht gern sehen, macht die Wiederholung eines Schuljahres zuweilen Sinn, beispielsweise dann, wenn das Kind aufgrund einer längeren Krankheit viel Lernstoff verpasst hat. Geld für guten Noten - das muss nicht sein Übrigens hält Piepenbrock nichts von Geld für gute Noten. „Zehn Euro für eine Eins zu geben finde ich nicht gut, weil es ja nicht darum geht, Spitzenwerte zu erzielen", sagt sie. Manchmal sei vielleicht auch eine Drei 20 Euro wert. „Man muss die Noten immer in Relation mit dem Leistungsvermögen der Kinder sehen." Bezirksregierung schaltet wieder das Zeugnistelefon Die Bezirksregierung Detmold schaltet auch dieses Jahr wieder das Zeugnistelefon. Eltern und Schüler der Real-, Sekundar- und Gesamtschulen sowie Gymnasien und Berufskolleg können sich am 12., am 15. sowie am 16. Juli zwischen 8 und 16 Uhr mit rechtlichen Fragen zur Versetzung, Notengebung und Schullaufbahn unter Tel. (0 52 31) 71 48 48 melden.

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