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Halb fertig: Richard Holmes will das 7 mal 15 Meter große Bild an der ESG-Turnhalle im Laufe des Donnerstags zuende stellen. - © Matthias Gans
Halb fertig: Richard Holmes will das 7 mal 15 Meter große Bild an der ESG-Turnhalle im Laufe des Donnerstags zuende stellen. | © Matthias Gans

Gütersloh Britischer Künstler sprayt Riesenbild auf Gütersloher Turnhallenwand

Richard Holmes verewigt am Evangelisch Stiftischen Gymnasium markante Merkmale der Schule in einem Wandbild. Für den Künstler ist es die erste Arbeit in Deutschland – und seine bislang größte.

Matthias Gans
10.07.2019 | Stand 10.07.2019, 09:11 Uhr

Gütersloh. „Sieht super aus", ruft ein Radfahrer im Vorbeifahren dem Künstler in seinem Arbeitskorb in fünf Meter Höhe zu und hält dabei einen Daumen hoch. Richard Holmes ruft erfreut ein „Thank you" zurück. Obwohl der Brite kein Deutsch spricht, hat er das Lob offenbar verstanden. Schließlich hört der in Dänemark lebende Künstler in Gütersloh seit Sonntag kaum andere als anerkennende Worte. Und die hat Holmes auch verdient. Denn so groß wie jetzt hat er noch nie gearbeitet – und das bei seinem ersten Auftrag in Deutschland. Ein 15 mal 7 Meter großes Bild will der in ganz Europa tätige Street Art-Künstler in dieser Woche an die Außenwand der Turnhalle des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums (ESG) sprayen. Zu sehen sind typische Merkmale, die das ESG auszeichnen: bauliche wie der Turm mit Uhr. Aber auch inhaltliche wie ein Laptop. Oder ein Saxofon, das auf die musische Sparte der Schule und die ESG Big Band verweist. "Die Motive spiegeln wider, was zu Gütersloh gehört" „Die Motive spiegeln wider, was zu Gütersloh gehört", sagt Lena Jeckel, Leiterin des Fachbereich Kultur. Die Motive hat eine Kunstklasse des ESG unter der Anleitung von Kunstpädagogin Elvira Hartmann entworfen. „Ich habe sie genommen und arrangiert, damit das Werk auf der Wand einen Flow bekommt", erläutert der 40-Jährige. Seine Arbeit ist Teil der „Internationalen Platzbesetzung", die seit Montag vergangener Woche fünf Künstler aus Großbritannien, der Türkei und Polen auf den Kirchplatz in Isselhorst arbeitend zusammenführt. Während die Stadt die Aktion mit 5.000 Euro und tatkräftiger Hilfe unterstützt, liegt die Organisation bei Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke. Der britische Künstler hat auch schon für Formel 1-Fahrer Lewis Hamilton gearbeitet Hilfe bekommt die Isselhorster Künstlerin von ihrer Tochter Nuray Dreesbeimdieke, die jetzt in ihrer Rolle als Künstlerassistentin aufgeht. Noch bevor Holmes loslegen konnte, war sie aktiv. So hat sie die Wand geweißt, damit der Künstler, der bereits für Formel 1-Fahrer Lewis Hamilton gearbeitet hat, kurz nach seiner Ankunft in Gütersloh loslegen konnte. Nun bringt sie ihm Essen, räumt die leeren Spraydosen weg und erklärt Passanten, was hier passiert. Letzteres passiert häufiger, denn der Austausch über Kunst ist ein Ziel der Platzbesetzung. „Auch die Kunstklasse war schon da und hat gestaunt, wie viele ihrer Motive Richard Holmes übernommen hat", sagt Inga Michaelis, die Projektverantwortliche bei der Stadt. Als Vorlage für seine Arbeit dient Holmes eine Skizze, die er auf seinem Laptop während der Arbeit immer wieder abgleicht. Kleine Abweichungen, „künstlerische Freiheiten" wie er sagt, leistet er sich dabei durchaus. „Ich schaue immer, wie das Bild auf der Wand wirkt." Die Umrisse bringt er am Vorabend, wenn es dunkel ist, per Projektion auf die Wand, denn mit freier Hand wäre schon das Beibehalten der Proportionen aufgrund der Ausmaße kaum möglich. Am Freitag und Samstag geht die Platzbesetzung an der Stadthalle zuende Mindestens zehn Stunden arbeitet Holmes täglich, denn am Donnerstag muss das Werk fertig sein, der nächste Termin steht an. „Im Sommer ist Holmes total ausgebucht", sagt Nuray Dreesbeimdieke. Er selbst ergänzt: „Mehr als die Hälfe der Zeit im Jahr bin ich nicht zuhause." Was ihn besonders schmerzt, da er auch seine beiden Söhne dann nicht sieht. An deren Grundschule hat er sich ebenfalls schon künstlerisch verewigt. Am Freitag werden die fünf verbliebenen Künstler ab ca. 13 Uhr sowie ganztägig am Samstag ihre Arbeit auf dem Theodor-Heuss-Platz präsentieren. Besucher sind erwünscht.

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