Die großen Vorkommen der Heidenelke auf dem ehemaligen Flugplatz sollen auf Dauer erhalten werden. - © Patrick Menzel
Die großen Vorkommen der Heidenelke auf dem ehemaligen Flugplatz sollen auf Dauer erhalten werden. | © Patrick Menzel

Gütersloh Streit unnötig: Schutzkulisse am Flugplatz Gütersloh wurde nie verkleinert

Konversion: Wie eine Recherche beim Bundesforst ergeben hat, ist der Streit über das Nationale Naturerbe unnötig vom Zaun gebrochen worden. Der Betriebsbereichsleiter OWL erläutert die wahren Hintergründe

Rainer Holzkamp
10.07.2019 | Stand 09.07.2019, 20:03 Uhr

Gütersloh. Die Wellen der Empörung schlagen weiter hoch. In Pavenstädt, bei Umweltverbänden und auch in Teilen der Politik ebbt die Kritik an der angeblichen Verkleinerung der Schutzkulisse des Nationalen Naturerbes (NNE) auf dem ehemaligen Flugplatz zugunsten einer Erschließungsstraße für das geplante Industriegebietes nicht ab. Der Hauptausschuss hatte sich Montag mit einer Anfrage der Grünen zu der Thematik zu befassen. Was in der Debatte nicht zur Sprache kam: Die Kulisse ist gar nicht verkleinert worden. Das ergab eine Recherche beim zuständigen Bundesforst Rhein-Weser, einer Fachsparte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Auf Anfrage stellte der Betriebsbereichsleiter für OWL, Christian Lücke, klar: Die Kulisse habe bisher die 16 Hektar im Osten des Flutplatzareals überhaupt nicht umfasst, über die seit Wochen so heftig diskutiert wird. Diese Fläche stelle lediglich eine Option dar, das NNE zu erweitern. Zum Hintergrund erläuterte Lücke: Die Stadt Gütersloh habe vor zwei Jahren, als eine Ausweisung als Naturerbe noch nicht erfolgt, aber bereits im Gespräch gewesen sei, angefragt, ob im Süden des Flugplatzes, wo mehrere die Shelter (Flugzeugunterstände) stehen, künftig Freizeitnutzungen untergebracht werden könnten, beispielsweise ein BMX-Parcours oder eine Bogenschießanlage. „Das haben wir abgelehnt, da dies den NNE-Vorgaben widerspricht", sagte Lücke. Außerdem könnten von den militärischen Anlagen Gefahren ausgehen. Gelände der Stadt zum Kauf angeboten Stattdessen habe der Bundesforst in Absprache mit dem Bundesamt für Naturschutz das 16 Hektar große BImA-Areal im Osten der Stadt zum Kauf angeboten. Dort könnten Anlagen zur Naherholung unter der Bedingung etabliert werden, dass die Belange des Naturschutzes berücksichtigt würden. Sollte der Kauf nicht zustande kommen, werde das Gelände an das inzwischen ausgewiesene, gut 200 Hektar große NNE-Gebiet angegliedert, so Lücke. Tatsächlich ist bislang kein Kaufvertrag abgeschlossen worden. Laut Lücke werde wohl erst dann darüber verhandelt, wenn es konkret um den Aufbau des Industriegebietes auf den bebauten Flugplatzflächen südlich der Marienfelder Straße gehe. Derzeit liege der Fokus noch auf dem nördlichen Bereich mit der Siedlung Parsevalstraße sowie dem ehemaligen großen NAAFI-Shop im Süden. Auslöser der Diskussion Ausgelöst hatte die Diskussionen um das NNE ein Bericht des Leiters der Abteilung Umwelt beim Kreis Gütersloh vor dem Beirat der Unteren Landschaftsbehörde. Für eine mögliche verkehrliche Erschließung sei eine Teil der Fläche aus dem NNE herausgenommen worden, sagte Wilhelm Gröver Mitte Juni. Dies gehe auf eine Entscheidung der BImA in Bonn zurück. Der neue Landschaftsplan des Kreises werde diese Abgrenzung berücksichtigen. Im Hauptausschuss sagte Stadtbaurätin Nina Herrling jetzt, sie kenne keinen Beschluss, nach dem die Schutzkulisse geändert worden wäre. Vor einem Jahr habe es erste Signale gegeben, dass der Stadt Flächen zu Kauf angeboten werden sollten. Laut Herrling steht zudem noch nicht fest, dass das neue Gewerbegebiet über eine ausgebaute Spange zwischen Marienfelder- und Herzebrocker Straße erschlossen werde. Zwar habe der Verkehrsgutachter das empfohlen. Doch gebe es noch weitere Möglichkeiten, verwies die Beigeordnete auf eine Skizze im „Integrierten Handlungskonzept Flugplatz". Demnach sind auch Zufahrten von Westen her (Herzebrock-Clarholz) oder von der Marienfelder Straße aus möglich. Genauere Erkenntnisse erhofft sich die Verwaltung von einem Mobilitätskonzept. Fördermittel dafür seien genehmigt worden, sagte Herrling. Die Ausschreibung erfolge bald. "Verkehrsgutachten mit veralteter Sichtweise" Das vorliegende Verkehrsgutachten reiche keinesfalls aus für eine Entscheidung über den Neubau einer Erschließungsstraße, sagte Birgit Niemann-Hollatz (Grüne). Darin werde allein die Sicht des Autofahrers berücksichtigt. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr müssten auch Alternativen, vom ÖPNV bis zum Radverkehr in den Fokus genommen werden. Sollte die Erschließung am Ende doch über eine ausgebaute Verbindung Am Stellbrink/Auf der Kosten in Pavenstädt erfolgen, würden dafür jedenfalls nicht die gesamten 16 Hektar Optionsfläche benötigt. Laut Bundesforst reichten rund 2 Hektar aus.

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