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Achtung, ICE auf Gleis 3: Bislang muss er in Gütersloh auf Bummelzüge vor ihm Rücksicht nehmen, doch das soll sich ändern. - © Raimund Vornbäumen
Achtung, ICE auf Gleis 3: Bislang muss er in Gütersloh auf Bummelzüge vor ihm Rücksicht nehmen, doch das soll sich ändern. | © Raimund Vornbäumen

Gütersloh Bahn überrascht mit großen Plänen für Gütersloher Bahnhof

Der Hauptbahnhof und der Bahnhof Isselhorst-Avenwedde sollen für 25 Millionen Euro aufgewertet werden.

Ludger Osterkamp
02.07.2019 | Stand 02.07.2019, 14:15 Uhr

Gütersloh. Der Gütersloher Bahnhof soll größer werden. Dem Verkehrsausschuss des Landtages liegt für seine Sitzung am Mittwoch ein Vorschlagspaket von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst vor, das unter anderem vorsieht, in Gütersloh zwei zusätzliche Bahnsteige zu bauen. Die Kosten inklusive Planung sollen bei 25,31 Millionen Euro liegen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Verkehrsausschuss und Landtag zustimmen. Ferner spricht sich Wüst dafür aus, auf der Strecke der Teutoburger Wald Eisenbahn (TWE) wieder Personenzüge fahren zu lassen. Die Züge sollen im 60 Minuten-Takt zwischen Harsewinkel, Gütersloh und Verl pendeln. An vorläufigen Investitionskosten sind dafür 34,5 Millionen Euro veranschlagt. Auch hier gilt die Zustimmung der Landtagsgremien als wahrscheinlich. Die Nummern fünf und sechs Während über die TWE-Strecke seit Jahren diskutiert wird und etliche vorbereitende Beschlüsse gefasst wurden, ist die Vergrößerung des Gütersloher Bahnsteiges ein völlig neues Thema. Konnten die Fahrgäste bislang nur an den Bahnsteigen eins bis vier einsteigen, so kommen künftig die Nummern fünf und sechs hinzu. Die Gleise dafür liegen schon, werden nur umgewidmet und angepasst. Auch der Bahnhof Isselhorst-Avenwedde soll zwei zusätzliche Bahnsteige bekommen. Damit die Passagiere zu den zusätzlichen Bahnsteigen gelangen, wollen die Investoren den Bahnhofstunnel verlängern. Er rückt damit ein gehöriges Stück näher zur anderen Bahnhofsseite mit dem neuen Quartier "Gleis 13". Für die Stadt dürfte damit die vor einiger Zeit aufgeworfene Frage nach einem durchgehenden Tunnel neue Bedeutung gewinnen. Eines der wichtigsten Vorhaben im ganzen Land Die Vergrößerung der Bahnsteige in Gütersloh und Isselhorst-Avenwedde ist das einzige Projekt aus Ostwestfalen-Lippe, das bei Bahn und Verkehrsministerium unter der Überschrift "Robustes Netz NRW" steht. In diesem Paket haben die Planer 16 Maßnahmen verankert, die aus ihrer Sicht besonders wichtig sind, um die Bahn robuster und schneller zu machen. "Gütersloh gehört mit Isselhorst-Avenwedde zu den wichtigsten Vorhaben landesweit", sagt Kai Schulze, Leiter des Kompetenzcenters ITF (Integraler Taktfahrplan) NRW. Mit den zusätzlichen Bahnsteigen werde ein gravierender Engpass behoben. Denn: Aktuelle staue sich der Verkehr dort. Da sich Fern- und Nahverkehrszüge die wenigen Bahnsteige teilen müssen, würden die schnellen ICEs immer wieder ausgebremst. Die "Slots", sprich: die Zeitfenster, in denen die Züge hintereinander einfahren können, seien in Gütersloh und Isselhorst-Avenwedde derart knapp getaktet, dass sich jede Verzögerung auf den Folgeverkehr auswirke. Schulte: "Wir bringen unsere Schnellzüge aus dem Galopp. Die Verspätungen, die wir uns in Gütersloh einfangen, tragen wir bis ins Ruhrgebiet und nach Berlin hinein. Das muss aufhören." Dann gibt es schnelle und langsame Gleise Bislang, so Schulte, sind im Gütersloher Bahnhof die Gleise nach Güter- und Personenverkehr aufgeteilt. Das werde sich ändern. Mit den zusätzlichen Bahnsteigen fünf und sechs vollziehe die Bahn eine Neuaufteilung in "schnelle" und "langsame" Gleise; die schnellen seien dem Fernverkehr mit den ICE, die langsamen dem Regional- (RB 67 und 69) und dem Güterverkehr vorbehalten. Der Baubeginn ist für März 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Dezember 2028. Von den 25,31 Millionen Euro entfallen 5,36 Millionen auf Planungs-, 19,95 Millionen auf Baukosten. Wie diese Kosten zwischen Bund, DB Netz und Land aufgeteilt werden, ist noch offen. Zu den Baukosten zählen der Bau von Aufzügen - sowohl in Gütersloh als auch in Isselhorst-Avenwedde - , sowie der Bau von neuen Weichen, Signalen und Oberbauten entlang der Strecke. Auch Hamm soll profitieren Insgesamt umfasst "Robustes Netz NRW" einen Aufwand von 179,78 Millionen Euro. Die Planer verstehen die 16 Maßnahmen als Bündel, das nur in Summe seinen Effekt erzielt, weshalb der Verkehrsausschuss morgen ein Gesamtpaket beschließen soll. Speziell auf Gütersloh und OWL dürfte sich auch der vorgesehene Einbau zusätzlicher Weichen und einer Doppelkreuzweiche westlich des Bahnhofes Hamm für 25,04 Millionen Euro auswirken. Diese zusätzlichen Weichen sollen ab Dezember 2029 das gleichzeitige Ein- und Ausfahren von Zügen in Hamm und einen mehrminütigen Zeitgewinn bescheren.

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