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Firmengelände: Die Zimmermann Erdarbeiten GmbH hat ihren Sitz am Pappelweg in der Nähe des Gehle-Kreisels. - © Andreas Frücht
Firmengelände: Die Zimmermann Erdarbeiten GmbH hat ihren Sitz am Pappelweg in der Nähe des Gehle-Kreisels. | © Andreas Frücht

Gütersloh Anwohner wollen gegen Genehmigung für Steinbrechanlage in Gütersloh klagen

Schotter-Anlage: Fünf Jahre nach ihrer Gründung arbeitet eine Avenwedder Firma nicht mehr illegal. Die Anwohner sind empört und kündigen Klage an

Ludger Osterkamp
27.06.2019 | Stand 27.06.2019, 10:05 Uhr

Gütersloh. Am Pappelweg in Avenwedde dürfen künftig Steine und Bauschutt gebrochen werden. Der Kreis Gütersloh hat den Betrieb einer Abfallbehandlungsanlage trotz massiver Beschwerden von Nachbarn über Lärm und Staub nun genehmigt, vorausgesetzt, die Firma erfüllt einige Auflagen. Die Anwohner kündigten umgehend an, gegen den Bescheid zu klagen. Die Genehmigung wurde der Zimmermann Erdarbeiten GmbH erteilt, vor fünf Jahren von Kai Zimmermann gegründet; ihr Geschäftsmodell besteht im Wesentlichen darin, Schotter für den Straßenbau herzustellen. Sie liegt nahe der Avenwedder Straße unweit des Gehle-Kreisels und hat mit dem gleichnamigen Sondermüllentsorger nichts zu tun. Rund 30 Familien wohnen in der Nähe Die Firma hatte bislang keine Genehmigung vorliegen, sie auch erst im Juli 2017 beantragt. Die Anwohner hielten dem Kreis deswegen immer wieder vor, einen illegalen Betrieb zu dulden. Rund 30 Familien wohnen in der Nähe des Unternehmens, sie haben sich in der „Initiative für gesundes und sauberes Wohnen" zusammengeschlossen. Mit dem aktuellen Bescheid hat der Kreis nun eine „Anlage zur Behandlung und zur zeitweiligen Lagerung von Abfällen" genehmigt. Demnach ist der Firma gestattet, den Steinbrecher werktags von 7 bis 18 Uhr zu betreiben, allerdings höchstens acht Stunden am Tag. Die Durchsatzmenge zum Brechen von Bauschutt ist auf 150 Tonnen pro Stunde begrenzt, die Lagermenge auf 5.308 Tonnen. Die Fahrzeugbewegungen sind ebenfalls limitiert: Ist der Brecher in Betrieb, sind 40 Lkw-Fahrten pro Tag erlaubt, falls nicht, 80. Ein Sicherheitsnachweis für die Statik der Anlage ist notwendig Außerdem schreibt der Kreis der Firma vor, einen Sicherheitsnachweis für die Statik der Anlage zu liefern. Als weitere Auflage verlangt er von ihr, eine Sicherheitsleistung zurückzulegen, sollte sie den Betrieb einstellen; sie beläuft sich auf 57.259 Euro und ist in Form einer Bankbürgschaft zu leisten. Als Kosten der Anlage sind im Genehmigungsbescheid 286.000 Euro genannt. Auflagen hat auch der Landesbetrieb Straßen NRW gemacht. Er schreibt Zimmermann vor, die Zufahrt zur Avenwedder Straße (L 788) nach vorgegebenen Plänen auszubauen und darauf zu achten, dass die Sichtfelder frei bleiben. Bevor die Firma ihren Betrieb aufnimmt, muss sie der Straßenmeisterei Wiedenbrück nachweisen, dass sie diesen Job ordentlich erledigt hat. Auch die Steinbrecher-Anlage darf sie erst anwerfen, wenn sie alle Bedingungen erfüllt und eine Woche vor Inbetriebnahme Bescheid gegeben hat. Die Lärmbelästigung, die bei den Nachbarn – Spedition Buschmaas, Krandienst Flötotto und Wohnhaus Hubertus Bettenworth – ankommt, darf 60 Dezibel nicht überschreiten. Sollte sich Staub entwickeln, muss die Firma Wasser sprühen oder aber den Betrieb einstellen. Die Anwohner sind nicht zufrieden Trotz all dieser Auflagen sind die Anwohner nicht zufrieden. „Wir glauben im Gegenteil, dass die Belastung mit der nun vorliegenden Genehmigung steigen wird", sagt Anke Buschmaas. Bei einem Treffen der Initiative am Dienstagabend sei einstimmig beschlossen worden, Klage einzulegen. Der Kreis mache es sich einfach, kritisiert Hubertus Bettenworth, dessen Wohnhaus nur durch einen Erdwall vom Firmengelände getrennt ist. „Er hat vier Jahre Illegalität hingenommen und erklärt den Betrieb nun für rechtmäßig." Er habe daher allen Grund zur Befürchtung, dass sich die Firma künftig weder an die Auflagen halten noch der Kreis sanktionieren werde. Bettenworth sagte, Zimmermann habe mittlerweile ein weiteres Grundstück im Gewerbegebiet Gottlieb-Daimler-Straße gepachtet, aber offenbar nutze er es lediglich als Lager und Depot. „Wir Anwohner hingegen dürften vermehrt Staub, Dreck und Lärm ausgesetzt sein, in einem Maße, das es unmöglich macht, an manchen Tagen draußen zu sitzen." Firmenchef Kai Zimmermann lehnte eine Stellungnahme ab.

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