Marode: Die Emsbrücke in Pixel unweit des Flugplatzes. Nur Fußgänger und Radfahrer dürfen sie passieren. - © Andreas Frücht
Marode: Die Emsbrücke in Pixel unweit des Flugplatzes. Nur Fußgänger und Radfahrer dürfen sie passieren. | © Andreas Frücht

Gütersloh/Herzebrock-Clarholz Emsbrücken im Kreis Gütersloh drohen einzustürzen

Zwei Bauwerke mussten aus Sicherheitsgründen bereits gesperrt werden. Die Stadt Gütersloh lehnt einen Neubau in Pixel südlich des Flugplatzes ab. Die betroffenen Landwirte gehen in die Offensive.

Rainer Holzkamp
16.06.2019 | Stand 16.06.2019, 14:38 Uhr

Gütersloh/Herzebrock-Clarholz. „E 2" ist marode, nicht zu sanieren. Und auch bei den anderen drei kleinen, in der Vergangenheit vorwiegend von Landwirten genutzten Emsbrücken in der Nachbargemeinde Herzebrock-Clarholz sieht es nicht viel besser aus. Aber „E 2" in Pixelheide südlich des Flugplatzes musste aus Sicherheitsgründen bereits für landwirtschaftliche Fahrzeuge gesperrt werden, ebenso wie die Brücke am Bredeck in der Nähe von Marienfeld. Die betroffenen Bauern fordern einen Neubau an gleicher Stelle, zumindest im Fall "E 2". Die Gemeinde ist in der Hinsicht jedoch sehr zurückhaltend. Das gilt auch für die Stadt Gütersloh. Was die mit der Sache zu tun hat? Die Hälfte der Brücke gehört ihr, denn die Grenze zwischen beiden Kommunen verläuft hier mitten durch den Fluss, der hier eher als Bach daherfließt. Die Angelegenheit mit den Brücken sei heikel und komplex, sagt Karl-Hermann Schlepphorst, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen und Umwelt in Herzebrock-Clarholz. Mal lägen die Zufahrten auf öffentlichem Grund, mal seien sie komplett in Privatbesitz, in einem Fall im Süden spielten auch wasserrechtliche Aspekte eine Rolle, da das Bauwerk dort mit einem Wehr ausgestattet ist. Und dort gibt es wie im Fall „E 2" einen weiteren Eigentümer, was die Sache noch vertrackter macht. In diesem Fall handelt es sich um die Stadt Rheda-Wiedenbrück. Gemeinde lässt Rechtsgutachten erstellen Aber was passiert nun mit den Brücken? Um die Antwort zu finden, hat die Gemeinde ein Rechtsgutachten erstellen lassen. Daraus gehe hervor, dass die Kommune nicht verpflichtet sei, jeweils eine neue Brücke zu bauen, heißt es, jedenfalls solange die betroffenen Landwirte ihre Felder ohne unzumutbare Umwege erreichen können. Doch was ist zumutbar? Ohne Brücke fallen jedenfalls nach Aussage von Bauer Gerd Meierzuherde, "circa acht Kilometer Strecke an, teils über nicht befestigte Wege, und zwar für jede Anfahrt". Der Landwirt ist Sprecher einer eigens gebildeten „Interessengemeinschaft Emsbrücke". Und die will aktiv werden: "Wir beantragen, schnellstmöglich einen Neubau an gleicher Stelle zu planen und zu erstellen." Neben juristischen fallen insbesondere finanzielle Gründe beim weiteren Procedere ins Gewicht. Ein Neubau koste mindestens eine halbe Million Euro, sagt Fachbereichsleiter Schlepphorst. Das ist mehr als das Vierfache des jährlich zur Verfügung stehenden Brücken-Budgets der Gemeinde. Und in Anbetracht rasant wachsender Schulden in den kommenden Jahren kommt eine Erneuerung wohl eher nicht in Frage. Zumindest nicht allein auf Kosten der Gemeinde und des jeweiligen Miteigentümers. Ob eventuell die Landwirte zur Mitfinanzierung herangezogen werden könnten, dazu gab es keine eindeutigen Aussagen. Die Stadt Gütersloh lehnt Neubau ab Für die Stadt Gütersloh scheidet ein Neubau von „E 2" eindeutig aus. Damit würde der Bogen überspannt, verweist Norbert Löhr vom Fachbereich Tiefbau auf den beträchtlichen Kostenaufwand und die geringe Nutzung. Die Stadt halte lediglich eine Ertüchtigung des bestehenden Bauwerks für Fußgänger und den Radverkehr für angemessen. Dafür sei mit Kosten in Höhe von 20.000 bis 50.000 Euro zu rechnen. Aber ganz genau lasse sich das erst nach einer eingehenden Untersuchung sagen. Das Problem: Für die Brücken, sie stammen aus Vorkriegszeiten und aus der Zeit der Flurbereinigung in den 1970er Jahren, liegen keinerlei Pläne vor. „Wir wissen daher auch nicht, wie die Bewehrung der Stahlbetonkonstruktionen aussieht und welcher Belastung sie noch standhalten", sind Löhr und Schlepphorst einer Meinung. Daher auch die Sperrung von „E 2". Man könne für nichts garantieren, selbst wenn nur ein Auto drüber fahre. Auch der Feuerwehr liegt die Brücke am Herzen Erst recht nicht, wenn die Feuerwehr mit ihren schweren Fahrzeugen anrückt. Der Löschzug Quenhorn hat in einer schriftlichen Stellungnahme jedoch zu verstehen gegeben, „dass es uns sehr am Herzen liegt, dass im Bereich Pixel eine Emsbrücke bestehen bleibt". Dafür sprechen laut Löschzugführer Guido Hunkenschröder verschiedene Punkte: Unter anderem könnten an der Brücke Schadstoffe aus Richtung Gütersloh und Dalke mit der vorhandenen Ölsperre abgefangen werden. Auch das Anlegen eines Rettungsbootes wäre einfacher. Außerdem wäre eine Überfahrt bei Flächenbränden erforderlich, da das Naturschutzgebiet am Flughafen von der Gütersloher Seite schwer zugänglich sei. Ein Fünkchen Hoffnung gibt es immerhin. So haben sich die Vertreter beider Kommunen darauf verständigt, bei Projekten in Zusammenhang mit der Konversion auf dem ehemaligen Militärflugplatz, zum Beispiel der Verlegung des Emsradweges oder der Emsrenaturierung, die Sanierung oder Erneuerung von „E 2" mit zu berücksichtigen. Eventuell sei eine Förderung drin. Mit der Angelegenheit befasst sich am Montag, 17. Juni, der Bau- und Umweltausschuss in Herzebrock-Clarholz.

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