Sven Oliver Kirsch (r.), Vorsitzender des FC Isselhorst und der 2. Vorsitzende Thomas Gottschalk auf dem Rasenplatz des Vereins. - © Andreas Frücht
Sven Oliver Kirsch (r.), Vorsitzender des FC Isselhorst und der 2. Vorsitzende Thomas Gottschalk auf dem Rasenplatz des Vereins. | © Andreas Frücht

Gütersloh Gütersloher Fußballverein kämpft verzweifelt gegen Maulwurfshügel

Seit mehr als zwei Jahren lebt ein Maulwurf unter dem Fußballplatz des FC Isselhorst - laut Verein könnte nur noch ein Mähroboter helfen, das Tier zu vertreiben

Gütersloh. An sich niedlich, trotzdem unbeliebt: Der Maulwurf. Aktuell treiben einer oder mehrere seiner Artgenossen auf dem Fußballplatz des FC Isselhorst ihr Unwesen, jede Nacht wachsen neue Hügel aus dem ansonsten gepflegten Rasen. Die Vereinsführung ist verzweifelt und frustriert, weil sich das Tier einfach nicht vertreiben lässt – und die Stadt kaum helfen kann. Der Ärger begann Ende 2016 mit dem Bau des 500.000 Euro teuren Kunstrasenplatzes auf der Brachfläche direkt neben dem Rasenplatz, berichtet der 1. Vorsitzende Sven Oliver Kirsch. „Weil der Maulwurf dort nicht mehr graben konnte, ist er ein paar Meter weiter unter unseren Rasenplatz gezogen, wo er seitdem fleißig vor sich hin buddelt." Nur ein einziges Spiel der 1. Mannschaft konnte ausgetragen werden Diese Aktivitäten hätten schließlich dazu geführt, dass in der Saison 2017/2018 nur ein einziges Spiel der 1. Mannschaft auf dem Rasen ausgetragen werden konnte. Alle anderen Partien hätten auf den Kunstrasen verlegt werden müssen, da der Platz wegen der „nicht zu überblickenden Anzahl an Hügeln" und der damit einhergehenden Stolper- und somit Verletzungsgefahr unbespielbar gewesen sei. Maulwurfshügel entstehen aus dem Aushub der Gänge, Schlaf-, Nest- und Vorratskammern, die das bis zu 17 Zentimeter lange Tier, das wie fast alle Insektenfresser Einzelgänger ist, im Untergrund gräbt. Mit dem Kopf schiebt es überschüssiges Erdmaterial nach oben und wirft den „Bauschutt" schließlich vor seine eigene Haustür. In diesem Fall der Rasenplatz des FCI. Maulwürfe stehen unter Artenschutz Das Problem ist allerdings, dass dem Nützling nicht so ohne weiteres beizukommen ist, denn Maulwürfe stehen unter Artenschutz. Nach § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es bei Strafe von bis zu 50.000 Euro verboten, „ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten". Sie dürfen also nicht gejagt werden, sondern lediglich vergrault. Beispielsweise durch Lärm: Trainer, Mannschaft und Freiwillige hätten daher in der Vergangenheit immer wieder versucht, das lärmempfindliche Tier durch Trampeln, Hüpfen und Rappeln dauerhaft zu verscheuchen, jedoch vergeblich. Zwar habe sich die Situation mit dem neuen Platzwart, der die täglich neu aus dem Boden wachsenden Hügel regelmäßig platt walzt, etwas verbessert, so dass in dieser Saison nur ein Spiel auf den Kunstrasenplatz verlegt werden musste, doch gelöst werden konnte das Problem damit nicht. Der Maulwurf ist noch immer da. Investitionskosten von mehr als 10.000 Euro Und nun? Ist guter Rat teuer, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Kirsch zufolge haben andere, mit dem gleichen Problem belastete Vereine wie der FC Altenhagen „sehr gute Erfahrungen" mit riesigen Mährobotern gemacht. „Durch den Lärm, den das Gerät macht, wird der Maulwurf vertrieben." Allerdings seien hier Investitionskosten von mehr als 10.000 Euro nötig, der Verein sieht die Stadt in der Pflicht. „Eine Anschaffung würde sich bald rechnen, weil der Platz dann ja nicht mehr jede Woche gemäht werden muss", sagt Kirsch. Die Stadt allerdings will von Mährobotern nichts wissen. Auf Nachfrage heißt es, dass der Verweis auf Einsparungen bei den Pflegearbeiten nicht bestätigt werden kann, weil die Randbereiche auf dem Sportplatz in Isselhorst, die jetzt mit dem Großflächenmäher gemäht werden, auch weiterhin kurz gehalten werden müssen. Im Übrigen brauche auch ein Mähroboter Wartung. Das verdirbt dem Maulwurf den Spaß „Die sicherste Art der Vertreibung ist Bewegung auf dem Platz, die zu Erschütterungen im Erdreich führt. Versuche in Privatgärten haben gezeigt, dass die von einem Mähroboter erzeugten Erschütterungen nicht ausreichen, den Maulwurf zu vertreiben", schreibt die Pressestelle der Stadt. Es wäre ratsam, den Platz täglich auch im Trainingsbetrieb intensiv zu nutzen und nicht von Wochenende zu Wochenende oder auch im Vierzehn-Tage-Rhythmus. „Denn eine regelmäßige Nutzung verdirbt erfahrungsgemäß dem Maulwurf schlichtweg den Spaß." Roger Buse, Inhaber des gleichnamigen Gartentechnikgeschäftes, schwört hingegen auf die Mähroboter. „Wir verkaufen sie seit fast 20 Jahren. Unsere Kunden haben bei Maulwürfen gute Erfahrungen gemacht", sagt er. „Die Tiere mögen das Geräusch nicht und verschwinden." Maulwurfvertreiber mit Ultraschall oder Gerüchen? Möglich wäre übrigens auch die Installation von Maulwurfvertreibern mit Ultraschall oder Gerüchen wie Buttersäure oder ätherische Öle. Allerdings haben diese laut Frank Püchel-Wieling, Mitarbeiter der Biologischen Station, keinen bewiesenen Effekt. Auch Maulwurfsgitter, die unter dem Rasen verlegt werden oder in einer Tiefe von 50 Zentimeter neben dem Platz eingegraben werden, müssten nicht unbedingt helfen. Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch, weil das Tier ja erst vertrieben werden müsse. Bleibt abzuwarten, wie die Partie FC Isselhorst gegen Kleiner Maulwurf ausgeht. Beim FCI ist man sich einig, dass etwas geschehen muss, schließlich sei Fußball ein Rasensport. „Wir sind froh, diesen Platz zu haben, allerdings ist der jetzige Zustand eines Kreisligisten unwürdig", sagt Kirsch.

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