Die Bürgermeisterwahl von Istanbul ist annulliert worden. Jetzt soll auch die Wahl des Präsidenten geprüft werden. Deutsche Touristen scheint das wenig zu beeindrucken. Reiseland-Angestellte Sandra Hawerkamp: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt viele nachhaltig." - © Andreas Frücht
Die Bürgermeisterwahl von Istanbul ist annulliert worden. Jetzt soll auch die Wahl des Präsidenten geprüft werden. Deutsche Touristen scheint das wenig zu beeindrucken. Reiseland-Angestellte Sandra Hawerkamp: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt viele nachhaltig." | © Andreas Frücht

Gütersloh Urlaub in der Türkei: Kann man das derzeit wagen?

Das vor allem bei deutschen Touristen beliebte Land droht derzeit politisch im Chaos zu versinken. Schreckt das Urlauber ab? Die NW hat im Reisebüro nachgefragt

Ingo Müntz
14.05.2019 | Stand 13.05.2019, 19:27 Uhr

Gütersloh. Nach dem Bombenterror in den türkischen Urlaubsgebieten vor einigen Jahren droht nun eine weitere Destabilisierung der demokratischen Strukturen vor Ort. Regierungsparteien und Opposition werfen sich gegenseitig Korruption und Unstimmigkeiten bei der Wahl vor. Während die politische Entwicklung viele Menschen nachdenklich macht, zeigen sich die deutschen Touristen allerdings nur wenig beeindruckt. „Aktuell ist es wenig wahrscheinlich, dass Reisende ihre Buchungen kurzfristig stornieren", sagt Angela de Sandro, Pressesprecherin der „DER"-Reisebüro-Niederlassung, auf Nachfrage der NW. Trotz vieler Widrigkeiten laufe die Türkei als Reiseland weiter extrem gut. „Viele Menschen unterscheiden zwischen der politischen Situation und der persönlichen Einschätzung. Zumal der Großteil der Menschen ja nicht nach Istanbul reist, sondern einen Badeurlaub geplant hat." Diese Gruppe setze sich zu einem hohen Anteil aus Stammgästen zusammen. Buchungen haben sich fast verdoppelt Die Expertinnen vom Reisebüro „Reiseland" an der Gütersloher Spiekergasse unterstreichen diese Einschätzung. „Während im Jahr 2016 trotz der Unruhen die Buchungen zunächst noch ganz ordentlich waren, war die Zahl in den Jahren 2017 und 2018 für die Türkei rückläufig", sagte Sandra Hawerkamp. "Jetzt haben sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Buchungen von Januar bis Mai 2019 nahezu verdoppelt", so die stellvertretende Leiterin vom „Reiseland". Die Vermutung liege nahe, dass es erst bei massiven Unruhen oder Anschlägen zu Stornierungen kommen würde. „Natürlich sind unter den Reisenden einige Menschen, die sich sagen ’Wir finden das nicht so gut, was der Erdogan da macht’ – doch das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt viele nachhaltig", sagt Kollegin Christine Hanneforth. Touristische Situation in der Türkei stabilisiert sich „Eigentlich stabilisiert sich die touristische Situation in der Türkei gerade", sagt auch Rulf J. Treidel, Professor für Internationales Tourismusmanagement an der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstandes. „Natürlich könnten sich viele Menschen bei der Buchung künftig zurückhalten. Allerdings sind wir jetzt von den Stornierungswellen nach den Anschlägen in Istanbul 2016 weit entfernt." Treidel betrachtet die Entwicklungen sehr genau. „Die Entwicklungen in der Türkei werden in der Öffentlichkeit sehr wohl wahrgenommen. Dennoch nimmt der Badetourismus gerade in der Türkei weiter stark zu." Die Tatsache, dass insbesondere diktatorisch oder undemokratisch geführte Länder angesteuert werden, sei nicht unüblich. „Reisen in den Iran boomten vergangenes Jahr, Russland in diesem Jahr. Bereits zu Zeiten der Apartheid war Südafrika ein beliebtes Ziel." Entscheidend seien häufig Attraktivität und Portemonnaie. Bekommt man überhaupt etwas von den politischen Unruhen mit? Einen Rückgang erwartet der Tourismusexperte allerdings bei Kultur- und Städtereisen. Und auch „Reiseland" in Gütersloh vermittelt nur selten Städtereisen. „Die meisten Kunden buchen Strandurlaub in der Türkischen Ägäis oder Riviera, darunter viele Stammgäste", sagte Hanneforth. Sicherlich gebe es Urlaubs-Kunden, die nach Alternativen suchen, „zum Beispiel in Griechenland oder Spanien. Allerdings sind dort die Vier-Sterne- und All-inclusive-Angebote, zum Beispiel für eine Familie mit zwei Kindern, deutlich teurer." Und eines wiege nach wie vor viele Urlauber in Sicherheit. Christine Hanneforth: „In den Touristenbereichen bekommt man nur wenig von politischen Unruhen mit. Als vor drei Jahren in Antalya eine Bombe explodierte, habe ich das am Strand nur über eine Handynachricht durch Freunde in Deutschland mitbekommen."

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