Die Gustav Wolf GmbH, im Volksmund auch Draht Wolf genannt, zählt zu den traditionsreichen Gütersloher Familienunternehmen. - © Andreas Frücht
Die Gustav Wolf GmbH, im Volksmund auch Draht Wolf genannt, zählt zu den traditionsreichen Gütersloher Familienunternehmen. | © Andreas Frücht

Gütersloh Gütersloher Unternehmen: Erhöhte Bleiwerte im Blut einiger Mitarbeiter

Beim Gütersloher Draht- und Seilspezialisten Gustav Wolf GmbH machen sich Beschäftige derzeit Sorgen - um die Sicherheit ihrer Stellen, aber auch um ihre Gesundheit

Rainer Holzkamp
08.05.2019 | Stand 07.05.2019, 17:52 Uhr

Gütersloh. Beim heimischen Draht- und Seilhersteller Gustav Wolf GmbH rumort es. Das traditionsreiche Unternehmen, das nach Angaben des Geschäftsführers Ernst Wolf in den vergangenen Jahren die Belegschaft von 360 auf unter 200 Mitarbeiter verringert hat, plant einen weiteren Stellenabbau. Aktuell betroffen ist die Reifendrahtproduktion. Bis Ende dieses Jahres soll die Abteilung aus Kostengründen dichtgemacht werden. „Zu hohe Löhne angesichts der geringen Fertigungstiefe", nennt Wolf, der bei den Tarifverhandlungen als ein Vizepräsident des Verbands der Metall- und Elektroindustrie NRW selbst mit am Tisch sitzt, als Grund für den Einschnitt. Die Mitarbeiter befürchten, dass bald noch andere Abteilungen von Stellenstreichungen betroffen sein könnten und es zu Kurzarbeit kommen könnte. Einem Mitarbeiter soll es richtig schlecht ergangen sein Überdies gibt es weitere Sorgen hinsichtlich Gesundheitsgefahren. Einem Hinweis an die Redaktion zufolge sollen bei mehreren Mitarbeitern erhöhte Bleigehalte im Blut festgestellt worden sein. Die Werte seien um ein Vier- bis Sechsfaches erhöht gewesen. Einem Mitarbeiter sei es richtig schlecht gegangen. Das Schwermetall Blei schädigt den Organismus schon in geringen Dosen. Mögliche Symptome einer Bleivergiftung sind Darmkoliken, Anämie, Gicht sowie Schäden an der Leber, den Nieren und dem Zentralen Nervensystem. Betriebsvorsitzender: Von einem Störfall könne nicht die Rede sein Als Grund für die festgestellten erhöhten Konzentrationen im Blut wird ein Defekt an einer Absauganlage im Betrieb „Drahtzug Z2" vermutet. In der Abteilung ist eine Durchlauferwärmung für Draht im Einsatz, wo bleihaltige Dämpfe entstehen. Der Betriebsratsvorsitzende Roland Stiens bestätigte, dass „bei einzelnen Mitarbeitern" erhöhte Bleiwerte gemessen wurden. Das sei aber nicht gravierend gewesen. Von einem Störfall oder Ähnlichem könne keine Rede sein. Zudem sei eine Absaugungsanlage inzwischen technisch verbessert worden. Derzeit stünden noch Luftmessungen durch die Betriebsgenossenschaft aus. "Was soll ich machen?" Firmenchef Wolf, stellvertretender Vorsitzender des Unternehmerverbands für den Kreis Gütersloh, geht offenbar von einer anderen Ursache als einer technischen aus. „Was soll ich machen, wenn Leute trotz eindringlicher Warnungen ohne Atemschutz an der Maschine stehen und möglicherweise sogar noch rauchen." Die Firma nehme den Arbeitsschutz jedenfalls sehr ernst und kümmere sich auch darum. Ihn beunruhige die ganze Sache aber nicht. Wolf sprach von „normalen Vorgängen in einem Industriebetrieb". Erst vor rund vier Wochen inspizierten Kontrolleure der Bezirksregierung Detmold das Unternehmen an der Sundernstraße. Laut Betriebsrat hat es sich um eine routinemäßige Überprüfung gehandelt. Die letzte davor habe es vor zehn Jahren gegeben. Keine Erkenntnisse über eine Bleivergiftung Ergebnisse dieser arbeitsschutz- und gefahrstoffrechtlichen Begehung würden derzeit sorgfältig ausgewertet, teilte ein Sprecher in Detmold mit. Auskünfte zu dem Ergebnis werde die Bezirksregierung jedoch aus Gründen des Datenschutzes und Persönlichkeitsrechtes nicht geben. Der Behörde lägen keine Erkenntnisse über eine Bleivergiftung von Beschäftigten vor. Geschäftsführer Wolf vermutet hinter den Hinweisen an die Redaktion eine gezielte Kampagne von unzufriedenen Beschäftigten, um dem Unternehmen zu schaden. Es sei keineswegs, wie darin auch behauptet, von Auftragseinbrüchen die Rede. Vielmehr würden Aufträge in andere ausländische Werke in Polen oder in Nordamerika verlagert, wo die Lohnkosten erheblich geringer seien. „Außerdem sind wir dort näher am Markt." Dort würden Jobs aufgebaut. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe laut Wolf, der auch die „immens hohen Energiekosten" kritisierte, aktuell 1.000 Mitarbeiter. Wie viele Jobs in Gütersloh noch gestrichen werden sollen, war nicht zu erfahren. Gibt es Überlegungen, auch den Firmensitz zu verlagern? Wolf: „Vorerst nicht."

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