Mehrfach betonte Thomas Dürbusch, dass das nicht sein Motorrad, sondern das seiner Frau ist. Seine Harley mit Starrahmen warte noch darauf, endlich fertig gemacht zu werden. - © Andreas Frücht
Mehrfach betonte Thomas Dürbusch, dass das nicht sein Motorrad, sondern das seiner Frau ist. Seine Harley mit Starrahmen warte noch darauf, endlich fertig gemacht zu werden. | © Andreas Frücht

Kreis Gütersloh Das ist der Kult-Treffpunkt für Motorradfahrer im Kreis Gütersloh

Tausende von Motorradfahrern sind über Jahrzehnte zur Brocker Mühle in den Kreis Gütersloh gepilgert - und auch heute treffen sich alle Altersgruppen auf eine Wurst und eine Pommes-Mayo

Kreis Gütersloh. 15 Uhr, 18 Grad, 17 Menschen: Monika Fünfhaus und Richard Lampert stellen ihre Yamaha ab. „Wir kommen aus Halle", sagt Richard. „Vor sechs Jahren habe ich den Führerschein gemacht und angefangen, Motorrad zu fahren." Damals war er 64 Jahre alt. Heute hat er diverse Mopeds in der Garage stehen. „Ich habe mir 2003 eine NSU Quickly von 1959 gekauft", sagt er. Als er seinen Kumpels dann zufällig zuhörte – „das ist schon ein bisschen nervig, dass der Richard immer nur 80 fährt" – meldete er sich bei einer Fahrschule an. Mit neuem Motorrad und Führerschein ging es wieder zur Brocker Mühle. In den Kontaktanzeigen einer Motorradzeitung stand: „Frau sucht Mitfahrgelegenheit, 1,58 Meter groß". Und da seine Kumpels ihm auch gesagt hatten, er könne nicht alleine bleiben, habe er dort angerufen. Heute ist er mit Monika fast sechs Jahre zusammen. "Das ist mir einfach zu gefährlich" 15.35 Uhr, 19 Grad, 125 Menschen: Jörg Arnold kommt auf den Hof gefahren, stellt seine BMW auf den Ständer und nimmt den quietschgelben Helm ab. Darunter, auf gut 190 Zentimetern Höhe, graue Haare. „Privat fahre ich kein Motorrad. Das ist mir einfach zu gefährlich", sagt der Polizeihauptkommissar. Der Händedruck fällt kräftig aus. „Wir sind in der Krad-Gruppe fünf Beamte und versuchen, jede Woche an der Brocker Mühle zu sein", sagt der 53-Jährige. Im Umgang, sagt Arnold, seien fast alle Motorradfahrer sehr angenehm. „Das ist für uns gut, da wir auf Kommunikation setzen. Ältere Fahrer kommen zu uns, eben war eine Gruppe junger Leute hier, die erst seit ein, zwei Jahren ihren Führerschein hat." Ein kleines Kind zieht die Mama in Richtung Polizeimotorrad. Gespräche kommen auf. Man trifft sich, man kennt sich. Präsenz zeigen als Polizist In der Saison fährt der Motorradpolizist zwischen 250 und 300 Kilometer pro Woche. Ja, gefährliche Situationen habe er einige erlebt. „Darum ist es einfach wichtig, Präsenz zu zeigen. Gerade hier, wenn um diese Zeit Feierabend- und Landwirtschaftverkehr und die Motorradfahrer aufeinander treffen." 15.55 Uhr, 20 Grad, 403 Menschen. Thomas Dürbusch sagt, seit 1982 habe sich an der Mühle nichts verändert. Auch, wenn da ab und zu mal mehrere tausend Motorräder stehen. „Wenn du das stressig findest, liegt das an dir. Da musst du mal ganz trocken bleiben." Der Zopf reicht den Rücken runter, Tattoowierungen zeigen sich hinter dem karierten Hemdkragen, auf den Händen. "Die haben hier zum Teil ihre nagelneuen Reifen abgebrannt" „Solche Mengen gab es früher nicht", sagt der 55-Jährige. „Aber das ist gut so, heute. Das zeigt, es ist Nachwuchs da." Natürlich sei das an der Mühle früher etwas anders abgegangen. „Die haben hier zum Teil ihre nagelneuen Reifen abgebrannt. Und dann ist einer mit dem Hut rumgegangen." Modern gesprochen bedeutet das: Es wurde Geld zur Refinanzierung des Burnouts gesammelt. 16.23 Uhr, 20 Grad, alles voll. Bei Familie Lechtenfeld gibt's Pommes-Mayo. „Seit 1990 hat sich hier nichts geändert", sagt auch Rainer Lechtenfeld. Mit einer kleinen Truppe sowie seinen Söhnen Max (15) und Ben (12) ist er seit 13 Uhr unterwegs. Von Dissen aus hat die bunte Truppe eine Ausfahrt unternommen. „Es hat sich nichts geändert, weil es an der Brocker Mühle klassisch ist, man ist es gewohnt und das ist schön so." Ben findet es klasse, „so viele Motorradfahrer zu sehen und die neuen Motorräder kennenzulernen". Max macht gerade seinen Führerschein. Was ist so praktisch daran, einen Moped-Papa zu haben? „Man kommt früh genug zum Motorrad fahren", sagt er und mampft seine Pommes-Mayo.

realisiert durch evolver group