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Die Evangelische Kirche Isselhorst soll von einer "Sonntagskirche" in eine "Alltagskirche" umgebaut werden. - © Andreas Frücht
Die Evangelische Kirche Isselhorst soll von einer "Sonntagskirche" in eine "Alltagskirche" umgebaut werden. | © Andreas Frücht

Gütersloh Emotionale Diskussion: Abriss des Gemeindezentrums als finanzielle Notbremse?

Die Evangelische Kirchengemeinde Isselhorst trennt sich von ihren Immobilien. Dazu zählen zwei Pfarrhäuser, aber auch das Gemeindezentrum. Doch wohin stattdessen?

Jeanette Salzmann
19.03.2019 | Stand 18.03.2019, 21:41 Uhr

Gütersloh. Der Gürtel muss enger geschnallt werden. Die Evangelische Kirchengemeinde Isselhorst rechnet mit rückläufigen Kirchensteuern und will sich entsprechend vorbereiten. "Insgesamt muss sich die Kirchengemeinde Isselhorst verkleinern", argumentiert Pfarrer Reinhard Kölsch, "unser Immobilienbestand belastet uns durch hohe Rückstellungen und Unterhaltungskosten." Auf der jüngsten Gemeindeversammlung wurde den rund 100 anwesenden Kirchenmitgliedern deshalb eine Idee unterbreitet: Veräußerung oder Abriss des Gemeindezentrums und der zwei leer stehenden Pfarrhäuser an der Steinhagener Straße. Im Gegenzug soll das Gemeindeleben am Kirchplatz gebündelt werden. Eine Veränderung im Innenraum der Kirche wird angedacht oder ein Anbau. "Entschieden ist noch gar nichts" "Es gibt Überlegungen in verschiedene Richtungen", sagt Pfarrer Kölsch. Er beteuert: "Entschieden ist noch gar nichts." Das Gemeindezentrum an der Steinhagener Straße liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Kita "Unterm Regenbogen". Sollte ein Abriss erfolgen, böte sich für den evangelischen Kindergarten die Möglichkeit der Erweiterung. Eine fünfte Gruppe liegt im Interesse der Stadt Gütersloh, die bereits beim Presbyterium angefragt hatte. "Die Gespräche mit der Stadtverwaltung stehen aber noch ganz am Anfang", so Kölsch. Der Saal des Gemeindezentrums mit seinen etwa 180 Quadratmetern wird heute für Chorproben genutzt, Kaffeetafeln oder allerlei Sitzungen. "So einen großen Raum könnten wir in Zukunft gewiss nicht mehr vorhalten", bei Großveranstaltungen könne etwa die Festhalle in direkter Nachbarschaft zur Kirche genutzt werden. "Langfristig", glaubt Pfarrer Kölsch, werde sich rund um die Isselhorster Kirche "das neue Zentrum des Ortes entwickeln." Isselhorster Kirche ist denkmalgeschützt Damit alle Belange berücksichtigt werden, soll in den nächsten Wochen eine Bedarfsabfrage bei allen betroffenen Gruppen erfolgen. Die Isselhorster Kirche ist denkmalgeschützt. Um- oder Anbauten unterliegen der Genehmigung der Denkmalbehörde. "Das Landeskirchenamt würde hier sogar einen Architektenwettbewerb ausschreiben wollen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen." "Offensichtlich hat man im Presbyterium vergessen, dass erst vor wenigen Jahren das Gemeindehaus mit einem hohen Kostenaufwand und mit Hilfe vieler privater Spender vorbildlich durchrestauriert wurde", sagt Ortwin Schwengelbeck. Als Kirchenmitglied sei er massiv enttäuscht über die Pläne. "Es stellt sich die Frage, ob man mit verbauten Fremdmitteln und insbesondere mit Spenden so verfahren darf." Schwengelbeck ist Baukirchmeister und hat über viele Jahre ehrenamtlich geholfen, die Isselhorster Kirche von Grund auf zu sanieren. Durch das Vorgehen des Presbyteriums werde die Kirchengemeinde gespalten. "Es entspricht nicht der Isselhorster Tradition, solch wichtige Entscheidungen einfach von oben herab zu bestimmen." "Für viele kam die Nachricht jetzt überraschend" Man hätte die finanzielle Situation schon 2018 mit den Mitgliedern besprechen müssen, meint Presbyter Siegfried Goldbeck. "Für viele kam die Nachricht jetzt überraschend." Auf der Gemeindeversammlung wurde emotional diskutiert. "Zwei Drittel aller Kirchengemeinden sind bereits in der Haushaltssicherung. Das ist die schlechteste aller Lösungen", und weil 2020 bereits die rechnerische Nullgrenze erreicht sei, gelte es, Maßnahmen zu ergreifen. "Wir können es nicht mehr bewirtschaften." Die Pfarrhäuser müssten keinesfalls abgerissen werden - aber mindestens verkauft. Bis Jahresende soll entschieden werden, so Goldbeck, welche Maßnahmen konkret ergriffen werden. Derweil hat sich das Presbyterium samt Pfarrer umgeguckt. "Wir waren in der Johanniskirche in Bielefeld", sagt Kölsch. 2013 wurde die Kirche zu einem multifunktionalen Gemeindezentrum erweitert. Ein Weg von vielen.

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