Günter Kellermeier, Heinrich Buschfranz und Wilfried Heitmann (v.l.) vom Vorstand des Bürgervereins Sundern. - © Andreas Frücht
Günter Kellermeier, Heinrich Buschfranz und Wilfried Heitmann (v.l.) vom Vorstand des Bürgervereins Sundern. | © Andreas Frücht

Gütersloh Vereine brauchen neuen Vorstand - aber keiner will die Posten mehr haben

Beim Bürgerverein Sundern wird am Freitag der Vorstand neu gewählt. Doch niemand will den Posten. Ein Problem, mit dem viele Vereine kämpfen.

Jeanette Salzmann
28.02.2019 | Stand 27.02.2019, 17:27 Uhr

Gütersloh. Wenn am Freitagabend um 20 Uhr die Mitglieder des Bürgervereins Sundern zur Jahreshauptversammlung im Gütersloher Brauhaus Platz nehmen, wird sich entscheiden, ob es ein Fortbestehen gibt oder nicht. Nichts Geringeres als die Zukunft des Vereins steht auf dem Spiel – versteckt im Tagesordnungspunkt „Neuwahlen des Vorstands". Der langjährige Vorstandsvorsitzende Roland Witte (72) wird aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder kandidieren. Der Verein braucht nach nunmehr zehn Jahren einen neuen Vorsitzenden. So weit, so normal. „Es wird aber immer schwieriger, die Posten im Vorstand zu besetzen", beklagt Heinrich Buschfranz. Er ist zweiter Vorsitzender des Bürgervereins Sundern und musste im Vorfeld der Sitzung feststellen: „Wir finden keinen. Es gibt niemanden, der die Verantwortung für den Vorsitz übernehmen möchte." Manche Vereine müssen aufgeben 263 Mitglieder zählt der Bürgerverein – im Zweijahresrhythmus wird der Vorstand gewählt. „Wir wissen, dass andere Vereine genau die gleichen Probleme haben. Nur gelingt es den meisten immer noch, jemanden für eine Vorstandskandidatur zu gewinnen oder auch zu überreden", andere Vereine wie der Schützenverein Falke Sundern jedoch hätten vor Jahren bereits aufgeben müssen, weil kein Vorstand mehr zustande gekommen sei. Nach 72 Jahren Vereinstradition also jetzt auch das Aus für den Bürgerverein? „So weit sind wir noch nicht", sagt Kassierer Wilfried Heitmann. „Wir haben uns eine Lösung überlegt." Man werde den Mitgliedern am Freitag vorschlagen, dass eine Gruppe von sieben Leuten die Vorstandsaufgaben übernimmt. „Ein Gremium also, dass einen Sprecher und einen stellvertretenden Sprecher benennt" so Buschfranz, der sich erhofft, dass die Angst um den Vorstandsposten damit abgemildert wird. "10 bis 20 Wochenstunden muss man einplanen" Drei neue Mitglieder hätten sich bereit erklärt, unter diesen Voraussetzungen im Vorstand aktiv zu werden. „Vielleicht erwächst aus dieser behutsamen Einarbeitung in zwei Jahren der Mut, für das Vorsitzendenamt zu kandidieren." Schließlich, so Buschfranz, habe dieses Vorgehen vor zehn Jahren schon einmal geklappt. „10 bis 20 Wochenstunden muss man schon einplanen für den Posten des Vorsitzenden", erläutert Günter Kellermeier, Ehrenmitglied des Bürgervereins und erweitertes Vorstandsmitglied. „Da kommen eine Menge Aufgaben und somit auch Stunden zusammen." Allein die Organisation des Osterfeuers sei enorm und von außen kaum zu erkennen. „Man muss für Würstchenwagen sorgen, Toiletten, Bierstand, Strom und Wasser. Da ist eine Mannschaft den ganzen Tag beschäftigt." Für den Vorsitzenden kämen Gratulationen zu Geburtstagen, Vorbereitungen von Sitzungen oder auch die Begleitung von Beerdigungen hinzu. „Bei uns sterben mehr Mitglieder, als dass neue hinzukommen", so Kellermeier, „der Verein ist überaltert." "Die Vereinsformate funktionieren nicht mehr" Mit großer Ehrlichkeit spricht der Vorstand des Bürgervereins Sundern die Probleme offen aus. „Die Vereinsformate funktionieren nicht mehr", so Heitmann. Beim traditionellen „Holskenball" hätten die Gäste früher in 3er-Reihen vor der Theke gestanden. „Heute ist die Besucherzahl ähnlich wie beim Frühlingsfest überschaubar." Der Vorstand weiß: „Man muss schon was bieten, um Mitglieder zu gewinnen oder auch nur zu halten." Eine Kletterwand für Kinder auf dem Hof Kleßmann oder eine ständige Eiswiese sind Ideen, die Günter Kellermeier formuliert, um junge Familien aus Sundern für den Verein zu gewinnen. „Das alles kostet aber Geld und am Ende noch mehr Zeit für die Ehrenamtlichen." Verzwickte Situation. Weil der Bürgerverein Sundern kein eingetragener Verein ist, ist sein Vorgehen für Freitag unkritisch. Aber dürfen auch Vereine mit dem Zusatz e.V. diese Lösung wählen, ohne mit dem Vereinsrecht zu kollidieren? „Ein Vereinsvorstand ist immer ein Gremium", erklärt Notar Bernhard Ebbinghaus aus Gütersloh. Das Vorgehen sei deshalb in Ordnung, denn es sei keinesfalls erforderlich, einen einzigen Vorsitzenden zu wählen. Nur sehe das Vereinsrecht vor, dass die Gruppe genauer definiert werde, also die gewählten Personen namentlich genannt würden. „Die kann man durchnummerieren", ohne dass jemand Angst vor der Zahl 1 haben müsste. „Wenn nichts anderes in der Satzung definiert ist, können alle Personen aus dem gewählten Vorstand unterzeichnen", so Ebbinghaus. Zusammenarbeit mit anderen Vereinen? „Wir sind sicher, dass unsere Mitglieder unsere Lösung mittragen. Alle werden froh sein, dass es weiter geht", sagt Wilfried Heitmann. Erstmal. „Wir haben langfristig auch über eine Zusammenarbeit mit anderen Vereinen nachgedacht", so Heinrich Buschfranz. Stelle sich aber die Frage: Mit wem? Schließlich müssten die Vereine zusammen passen. Und selbst dann würde es noch schwierig genug. „Die Stadtschützen und Schützen Nordhorn haben es auch nur knapp ein Jahr miteinander ausgehalten." Die alten Ortsteilgrenzen seien halt noch in den Köpfen. Buschfranz: „Und wir sind eben auch ein Bürgerverein aus Sundern."

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