Von der Hilfsbereitschaft und der Anteilnahme war Lars (25) „absolut überwältigt". - © Jens Dünhölter
Von der Hilfsbereitschaft und der Anteilnahme war Lars (25) „absolut überwältigt".
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Gütersloh "Überwältigend": Mehr als 1.000 potenzielle Helfer für Gütersloher Krebs-Patient

Lars ist an einer seltenen Form von Blutkrebs erkrankt - seine einzige Überlebenschance ist eine Stammzellspende

Gütersloh-Isselhorst. Die Isselhorster Turnhalle war schon oft Ort denkwürdiger Handballschlachten. Jetzt wurde auf dem Hallenparkett aber eine Schlacht um das Leben eines 25-jährigen jungen Mannes geschlagen. Fünf Stunden lang verkam das hinter einem Tor angebrachte Plakat „Tore, Siege, Punkte" zur Randnotiz. „Gesiegt" wurde am Samstag einzig und allein für den Isselhorster Lars. Bei dem Studenten war vor gut acht Wochen eine seltene, aggressive Form von Blutkrebs entdeckt worden. Seine einzige Überlebenschance ist eine Stammzellenspende. Freunde, Bekannte und Verwandte initiierten daraufhin in Kooperation mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei binnen weniger Monate die zweite groß angelegte Typisierungsaktion. 10-jähriger Leon aus Gütersloh hatte Glück Im September vergangenen Jahres konnte dank überwältigender Beteiligung der Bevölkerung ein Stammzellenspender für den an Blutkrebs erkrankten 10-Jährigen Leon aus Gütersloh gefunden. In der Kirche der syrisch-orthodoxen St. Maria-Kirche in Kattenstroth standen damals mehr als 1.700 freiwillige Lebensretter unter dem Motto „Stäbchen rein – Spenden sein" Schlange. Ähnliche Szenen spielten sich auch in Isselhorst ab. Simon Stifter von der DKMS: „Bereits 20 Minuten vor Beginn war der Parkplatz voller Menschen". Nach dem sich um 10 Uhr die Türen geöffnet hatten, wartete bis 15 Uhr eine nicht enden wollenden Lebensretterschlange auf einen frei werdenden Platz an einem der 38 auf dem Hallenboden verteilten Registrierungstische. Bereits zur Halbzeit um 12.30 Uhr freute sich die DKMS über 550 neue Spender, am Ende hatten sich exakt 1.191 Personen zwischen 17 und 55 Jahren registrieren lassen. Zusätzlich wurden 7.700 Spendengelder eingesammelt. Simon Stifter: „Ein grandioses Ergebnis". "Niemand weiß, was das Leben noch mit sich bringt" Wie fast 1.200 andere opferte auch Christian Westerhelweg (51) ein paar Minuten seiner Freizeit: „Als Isselhorster kenne ich Lars und seine Familie über den Handball. Doch auch wenn ich ihn nicht gekannt hätte, wäre ich gekommen". Warum? Christian Westerhelweg : „Niemand weiß, was das Leben noch mit sich bringt. Falls es mich oder meine Familie betreffen solle, würde ich auch auf Hilfe und Solidarität von anderen hoffen". Vom Gros der Wartenden vermutlich unbemerkt sah der von einer Gesichtsmaske zum Schutz gegen Infekte gesicherte Lars dem Kommen und Gehen mit sichtlicher Ergriffenheit zu. Jahrelang war diese Halle auch ein Stück weit „seine" Halle gewesen. Von der Knaben bis zur A-Jugend-Oberliga bestritt Lars in den Handball-Mannschaften des Turnvereins Isselhorst (TVI) unzählige Spiele, warf Tor um Tor, hinderte Gegenspieler am Abschluss, feierte denkwürdige Siege. Doch was sind alle diese sportlichen Lorbeeren gegen diesen Tag? "Absolut überwältigt" Samstag kämpften wildfremde Menschen Seite an Seite mit dem 25-Jährigen um sein Leben. Er sei „absolut überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Menschen. Es freut mich unglaublich, wie viele aus Gütersloh, Bielefeld und der ganzen Umgebung gekommen sind, um sich typisieren zu lassen", gab er zu Protokoll. Die Chancen als größtes Ziel „ein eigenbestimmtes Leben" zu führen, stehen laut Aussage des Isselhorsters sehr gut. Lars: „Für 90 Prozent der Suchenden wird ein passender Spender gefunden". Zu den anderen zehn Prozent zu gehören, verbietet dem Sportler und Sportinteressierten sein Lebensmut : „Ich denke grundsätzlich positiv. Mein Optimismus hat mir auch durch die vier bisherigen Chemotherapie-Zyklen geholfen. Mit negativem Zahlenwerk beschäftige ich mich grundsätzlich nicht". Erstes Ergebnis schon in dieser Woche Bereits Anfang der Woche könnte das Fünkchen Hoffnung neue Nahrung erhalten. Dann soll das Ergebnis des ersten Suchlaufes der weltweiten Datenabfrage eintreffen. Bis die Isselhorster Ergebnisse ausgewertet sind, werden mutmaßlich zwei bis drei Wochen vergehen. Vorsorglich hat Lars bereits Termine im Krankenhaus geblockt. „In zwei, drei Wochen kann die Transplantion bereits erfolgen", erzählt er. Voraussetzung: bis dahin ist ein Spender gefunden. Doch auch so hat Lars schon Pläne für die Zukunft gemacht. Als nächstes großes Ziel will er seine Masterarbeit im Fach Sportmanagement schreiben. Thema: „Strategien für erfolgreiche Fußballvereine".

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