Eine der wichtigen Eigenschaften des routinierten Sicherheitspersonals ist, die Ohren und Augen offen zu halten. - © picture alliance
Eine der wichtigen Eigenschaften des routinierten Sicherheitspersonals ist, die Ohren und Augen offen zu halten. | © picture alliance

Gütersloh Sicherheitsmitarbeiter kämpfen für mehr Geld: Aber wer macht diesen Job eigentlich?

Aktuell kämpfen Sicherheitsbedienstete um eine finanzielle Aufwertung ihrer Tätigkeiten. Doch wer verbirgt sich hinter den Uniformen der Sicherheitsfirmen?

Gütersloh. „Vor den Schweißarbeiten mussten wir auf der Baustelle die Brandmelder abmontieren, damit die Meldeanlage nicht die Feuerwehr alarmiert", sagt Phillip Wüseke. Der 30-Jährige ist Angestellter des ADU-Sicherheitsdienstes. Einer Branche, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist „und weiter wachsen wird", sagt Wüseke. Einer Branche, der eher Aufpasser bei Veranstaltungen, Türsteher und Detektive zugeordnet werden. Doch zu der Branche gehören auch die Bediensteten, die in Köln und Düsseldorf die Flüge für Urlauber und Pendler sicher machen sollen – oder sich um Brandschutz auf Baustellen in Gütersloh kümmern. Phillip Wüseke musste auf der Miele-Baustelle auch für Sicherheit sorgen. Anders, doch nicht weniger wichtig. „Meine Aufgabe war es, die Sicherheitsvorschriften des Bauherrn und Auftraggebers umzusetzen", sagt er und erinnert sich. Dazu gehörte beispielsweise die Helmpflicht bei den Bauarbeitern durchzusetzen oder Bauzäune geschlossen zu halten. "Niemand sollte sich belässtigt fühlen" „Auch wenn ich den Eindruck hatte, dass keine passenden Arbeitsschuhe getragen wurden, musste ich den Vorarbeiter ansprechen, damit das kontrolliert wurde." Besonders sensibel: Die Baustelle war direkt gegenüber einem Verwaltungsgebäude. „Und im Sommer neigen einige Bauarbeiter dazu, die T-Shirts auszuziehen. Doch das sollten wir unterbinden", sagt der Sicherheitsmann. Warum? „Nebenan im Verwaltungsgebäude sollte sich niemand belästigt fühlen!" In der Regel sah sich der Sicherheitsmann von den Bauarbeitern respektiert. „Natürlich gibt es immer ein paar Querschläger. Aber das ist halt so, bei der Arbeit mit Menschen." Baustellenbewachung bedeutete auch, die Baustelle vor Diebstählen zu sichern. Ein Tagesgeschäft, das sich ablöst mit besonders drögen oder besonders brisanten Aufträgen. „Die Nachtbewachung eines Supermarktes ist weniger spannend", sagt Wüseke. Bis zu zwölf Stunden musste er vor einem Geschäft Wache schieben, bis die defekte Alarmanlage wieder funktionierte. Eigensicherung sei das Wichtigste „Deutlich brisanter sind Revierfahrten." Das sind Kontrollfahrten zum Beispiel zu Firmengebäuden in Industriegebieten. „Wenn ein Einbruchalarm in der Leitstelle aufgelaufen ist, fahren wir zum Objekt und prüfen die Situation." Eigensicherung sei das Wichtigste in dem Moment. Die besteht aus: CS-Gas, Kontakt zur Leitstelle und „Augen sowie alle Sinne offen halten. Schließlich sind wir alleine im Auto unterwegs". Bevor Phillip Wüseke in die Sicherheitsbranche kam, nahm er diese überwiegend auf Veranstaltungen wahr. Doch die Branche ist deutlich vielschichtiger, als sie von außen wahrgenommen wird. „Die Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit ist seit 2006 ein Ausbildungsberuf. Dort wird sie der kaufmännischen Seite zugerechnet", sagt Wüseke. Natürlich gebe es unseriöse Unternehmen, die sich in der Branche tummeln. Aber das sei in vielen Branchen der Fall. Doch wie können die unseriösen von den seriösen getrennt werden? „Es hilft schon viel, wenn eine Firma einen guten Ruf bei mittelständischen und größeren Unternehmen hat", sagt er. Nach der Miele-Baustellenbewachung beispielsweise habe sich für seine Firma direkt ein Anschlussauftrag ergeben. "Die Branche wird weiter stark wachsen" Bei den Streiks kämpfen die Mitarbeiter der Branche zunächst um die finanzielle Aufwertung ihrer Arbeit. Ein Streik mit Zukunftsmusik. Denn: „Die Branche wird weiter stark wachsen. Ob auf Weihnachtsmärkten, als Diebstahlschutz in Kaufhäusern oder Taschenkontrollen auf Veranstaltungen. Seit dem Unglück der Love Parade und den traurigen Attacken in Fußgängerzonen ist die Sicherheit im öffentlichen Raum stärker denn je im Fokus", sagt Wüseke. Sicherheit bestehe nicht mehr nur aus breiten Türstehern. „Viele Einrichtungen und Firmen brauchen einen konzeptionellen Sicherheitsdienst. Da hat sich viel getan." Natürlich nimmt er in seiner Freizeit andere Sicherheitsdienste oder Türsteher wahr. „Ich frage mich dann immer – wie hätte ich in einer besonderen Situation reagiert? Mein Ansatz ist immer ein deeskalierender und viel reden. Und eines wird mir immer wieder klar: Mit einigen Türstehern, die ich so privat erlebe, möchte ich wirklich nicht zusammenarbeiten."

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