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Generalleutnant Stuart Skeates hatte für jeden der 83 Soldaten ein würdigendes Wort übrig. - © Andreas Frücht
Generalleutnant Stuart Skeates hatte für jeden der 83 Soldaten ein würdigendes Wort übrig. | © Andreas Frücht

Gütersloh Historischer Moment in Gütersloh: Abschieds-Parade für britische Soldaten

Die Sandham’s Company eröffnete 1815 die Schlacht von Waterloo - nun hat sie sich aufgelöst

Ludger Osterkamp
13.12.2018 | Stand 13.12.2018, 11:41 Uhr |

Gütersloh. Diese Kompanie hat Geschichte geschrieben. Sie war es, der nachgesagt wird, am Mittag des 18. Juni 1815 in der Schlacht von Waterloo den ersten Schuss abgefeuert zu haben; sie war es, die gemeinsam mit den alliierten Truppen Napoleons Feldzug durch Europa stoppte und anschließend nach ihrem Befehlshaber, Charles Sandham, umbenannt wurde; sie war es, die im amerikanischen Bürgerkrieg, in den Burenkriegen in Südafrika, in der Kolonialisierung von Indien und im Zweiten Weltkrieg in der Wüstenschlacht von El Alamein gegen Rommel die Weichen der Geschichte neu gestellt hat. Nun wurde ihr selbst der letzte Salut geblasen: Die Sandham’s Company hat sich aufgelöst - in Gütersloh. Sie verabschiedete sich auf dem Exerzierplatz der Mansergh-Kaserne an der Verler Straße mit einer Parade. Und anders als einst bei dem beispiellosen Gemetzel in Waterloo, bei dem 65.000 Tote und Zehntausende Verwundete auf dem matschigen Schlachtfeld zurückblieben, ging es diesmal geordnet zu. Sehr sogar. Noch 83 verbliebene Soldaten Aufgebürstet in ihren blanken Uniformen und mit polierten Schuhen, paradierten die Soldaten der Sandham’s Company unter dem Kommando ihres Oberstleutnants Kieran Sheldon an Generalleutnant Stuart Skeates vorbei, der eigens dafür von der Britischen Insel angereist und die letzten Meter in einem silbergrauen Ford Mondeo vorchauffiert worden war. Skeates wechselte Worte mit jedem einzelnen der 83 verbliebenen Soldaten, attestierte ihnen Mut und Vaterlandsliebe und nahm später die vom Masten heruntergelassene, eingeholte und mehrfach straff gefaltete Fahne entgegen – all das unter den Bläserklängen der „Band of the King’s Division" aus Preston in Nordwestengland, deren Trompeter am Ende „Last Post" spielte, den letzten musikalischen Gruß, den er sonst bei Bestattungen oder dem Volkstrauertag anstimmt. Nächste Station: Larkhill in England Doch von Trauer wollte Generalleutnant Skeates nichts wissen. Ihm sei es eine Ehre und ein Privileg, die Sandham’s Company zu würdigen. Er stelle fest, die Einheit auch an ihrem letzten Tag in tadelloser Verfassung vorzufinden, eine Kompanie, die eine lange und glorreiche Geschichte hinter sich habe und deren Männer von einem Charakter seien, wie sie allen Soldaten gut zu Gesichte stünden. Mit Stolz könne sie auf das zurückblicken, was sie geleistet habe. „But as the world changes, so must we" – doch wie sich die Welt geändert habe, so müssen wir, sagte Skeates. Geschichte ändere sich. Eine Stunde dauerte die Auflösungszeremonie, dann marschierte die Sandham’s Company vom Platz und fort – ein Kapitel, das 1779 begann, fand so seinen Abschluss. Vom 26. Artillerieregiment verbleiben zwei Kompanien mit 260 Soldaten in der Kaserne. Vorerst. Doch anders als Sandham’s steht ihnen nicht Tilgung, sondern Verlegung bevor: Larkhill in England wird ihre nächste Basis. Mitte 2019, so Army-Sprecher Mike Whitehurst, werde es so weit sein. Das Zeitalter des Militärs an der Verler Straße, 1935 als Nachrichtenkaserne der deutschen Luftwaffe errichtet, ist dann vorbei: Abmarsch.

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